Vor einem Thomas Müller haben die Leute Respekt

coolibri sprach mit einem Thomas Müller

Thomas Müller ist alles andere als ein Duckmäuser. Im Gespräch mit Nadine Beneke holt Müller zur Rundum-Watschn aus. Jogi Löws Personalpolitik kritisiert er dabei ebenso wie die Omnipräsenz von Kaiser Franz als Werbefigur und Uli Hoeneß für sein königliches Gehabe.


coolibri: Lionel Messi, Iker Casillas oder Cristiano Ronaldo – das sind doch mal Namen, die nach Glanz und Gloria klingen. Neidisch?

Thomas Müller: Ich bin ein bodenständiger Typ. Glanz und Gloria sind mir nicht wichtig. Aber fragen Sie mal Fußballfans in anderen Ländern – da werden Sie merken, dass die Leute vor einem Thomas Müller ordentlich Respekt haben. Auf dem Platz, wenn’s zur Sache geht, bringt dich Respekt weiter als Ruhm. Und, seien wir mal ehrlich, wer hat schon Respekt vor diesem … Cristiano?

Thomas Müller ist ein deutscher Durchschnittsname. Welche durchschnittlich deutschen Eigenschaften können Sie an sich erkennen?

Ich spreche Deutsch und wohne sogar in Deutschland – das macht mich vermutlich zu einem ziemlich durchschnittlichen Deutschen. Okay, und ich lege meine Socken immer paarweise in dieselbe Schublade an dieselbe Stelle.

Hinter Ihnen liegen viele Anstrengungen. Vor Ihnen auch. Wie genau sieht Ihr Trainingsplan momentan aus?

Ich brauche noch mehr Ausdauer beim Laufen über 120 Minuten. Das ist für mich quasi ein Halbmarathon. Da darf man nicht locker lassen. Zwei bis drei Mal die Woche muss ich mich schinden.

Und die Ernährung? Was steht auf Ihrem Speiseplan?

Kohlenhydrate und Zuckerbomben. Irgendwo muss die Energie fürs Training ja herkommen. Kein Fleisch. Klappt trotzdem.

Erst kürzlich titelte die BILD „Müller ist der Bayern-King“. Wie stehen Sie dazu?

Aus solchen Titeln mache ich mir nichts. Aber wenn einer diesen Titel verdient, dann doch wohl eher der Uli. Der führt sich ja immer auf wie ein König. „King of Currywurst“, meinte der Basti letztens.

Fußballer neigen dazu, sich die Namen ihres Nachwuchses, ihrer Freundinnen oder sogar den eigenen großflächig auf Arme oder Beine tätowieren zu lassen. Wie sieht es bei Ihnen in Sachen Hautbilder aus?

Falls ich mit 70 noch sportlich aktiv sein sollte, will ich die vielen faltigen Tätowierungen in der Gruppendusche lieber nicht sehen. Deshalb gehe ich mit gutem Beispiel voran und mache nichts in der Richtung.

Es fällt auf, dass Sie oft in der Öffentlichkeit auftauchen. Sie sind als Werbeträger oder als Gesicht einer Stiftung sehr gefragt. Warum gerade Sie?

Ist doch klar, ich seh' gut aus. Hinzu kommt: Es ist egal, wie viel Kohle auf meinem Bankkonto liegt – ich kann ganz gut suggerieren: Seht her, ich bin ein ganz normaler Typ, so wie ihr auch. Sogar Jung von Matt hat Thomas Müller zum statistisch durchschnittlichsten aller Deutschen erhoben. Googeln Sie mal „Deutschlands häufigstes Wohnzimmer“. Das sagt doch alles.

Besteht bei einer bestimmten Anzahl von Werbeaktivitäten die Gefahr, dass man den Leuten irgendwann auf die Nerven geht?

Bestimmt. Das geht mir zum Beispiel beim Kaiser Franz so. Aber ich glaube nicht, dass es bei mir schon so weit ist.

Rechnen Sie damit, weiterhin ganz vorne zu spielen?

Ich habe da so einen Masterplan, aber über den kann ich offiziell noch nicht reden.

Von außen hatte man zuletzt das Gefühl, dass das deutsche Spiel ein bisschen durchschaut worden ist. Und bei der WM kommen Gegner mit mehr Qualität, die das vielleicht noch besser umsetzen können. Wäre da nicht doch noch ein bisschen Steigerungspotenzial durch mehr Flexibilität und Variabilität?

Na sicher ist da Steigerungspotenzial! Aber was will man machen, wenn der Jogi den Stefan Kießling zu Hause lässt und stattdessen schon wieder den Mario und den Miro nominiert? Vielleicht wird ja der restliche WM-Kader einfach aus dem Kader des FC Bayern nominiert, dann können wir eventuell noch was reißen.

Mit der Erfahrung, die Sie von den letzten Turnieren haben: Was ist denn das große Thema für das deutsche Team im Hinblick auf die WM?

Ob die Spielerfrauen diesmal mit ins Hotel dürfen. Ich bin für: nein. Nur zur Belohnung.

Guardiola lobte zuletzt: „Thomas Müller ist ein exzeptioneller Stürmer“. Sind Sie das?

Bin ich was? Stürmer? Ganz sicher nicht. Ich war früher im Sportunterricht mal Torwart – mit mäßigem Erfolg. Exzeptionell? Vielleicht in anderen Dingen, darüber muss ich noch mal nachdenken. Aber sicher nicht im Fußballspielen. Thomas Müller? Ja, definitiv. Aber sicher nicht der, den Sie erwartet haben.

Herr Müller, danke für das Gespräch.


Thomas Müller ist 35, Webentwickler (tm-webentwicklung.de) und einer von 23 Düsseldorfer Thomas Müllers. In seiner Freizeit joggt er gerne und geht regelmäßig in die Arena zu seinem Lieblingsverein Fortuna Düsseldorf. Auf seinen Namen wird er öfter angesprochen, meist mit der Bemerkung „Das war aber gestern (k)ein gutes Spiel von dir“. Müllers staubtrockene Antwort lautet dann: „Das hat der Jogi auch gesagt.“