Volle Kurve – leeres Portmonee

Um ihrem Verein vor Ort lautstark unterstützen zu können, ist Fußball-Fans kein Weg zu weit, keine Tribüne zu kalt und kein Zug zu voll. Aber diese Hingabe und Leidenschaft ist nur eine Seite des Profi-Zirkus. Eine andere ist, dass alle großen Vereine Konzerne sind, die ihre Anhänger bei den Spielen nach allen Regeln der Betriebswirtschaftslehre zur Kasse bitten. Im Fan-Lager regt sich seit einiger Zeit Widerstand, denn der Besuch von Bundesliga-Spielen geht immer mehr ins Geld. Patrik Welzel hat sich in den Fanlagern von Borussia Dortmund und Schalke 04 umgehört, wann bei ihnen die Grenze des Geldbeutels erreicht ist.

Steffi (24) aus Hagen

Ich gehe ab und zu mit zum BVB, wenn ein Bekannter mir seine Dauerkarte leiht, von daher ist es natürlich günstig. Wenn man regelmäßig zu Spielen geht, wird es aber auf jeden Fall teuer, besonders wenn man im Stadion noch was essen oder trinken will. Wir futtern immer vor dem Spiel irgendwo eine Kleinigkeit, weil es im Stadion einfach zu teuer ist. Wenn die Fans etwas an den Preisen für den Eintritt und die Bratwurst ändern wollen, müssen wirklich alle zusammenhalten. Der BVB hat viele Fans, und gemeinsam können sie bestimmt etwas erreichen.

Dirk (45) aus Hagen

Ich habe keine Dauerkarte, aber gehe immer ins Stadion, wenn sich die Gelegenheit bietet. Die Eintrittspreise sind schon recht hoch. Die Hardcore-Fans werden immer zum Spiel gehen, aber die Leute, die sich gelegentlich mal ins Stadion verirren, werden bei steigenden Eintrittspreisen wahrscheinlich eher zuhause bleiben. Man muss aber auch sehen, dass bei den Eintrittspreisen die Kasse klingelt und das dem Verein natürlich gut tut.

Jasmin (23) und Sydney (21) aus Dortmund

Fußball bedeutet uns unheimlich viel. Wir sind bei jedem Heimspiel dabei. Aber mittlerweile wird der Spaß immer teurer, besonders die Auswärtsfahrten. Denn dazu kommen ja auch noch die Fahrtkosten. Der Fan-Protest war eine gute Aktion, aber es ist schade, dass viele Fans dann doch nicht mitgemacht haben. Wenn die echten Fans, die für die gute Stimmung sorgen, sich den Eintritt nicht mehr leisten können und nur noch diejenigen ins Stadion kommen, die keinen Mucks von sich geben, dann wäre das für den Fußball und die Atmosphäre im Stadion ein echter Verlust.

Harald (64) aus Lünen

Fußball ist mir viel wert, aber nicht alles. Ich habe seit Jahren eine Dauerkarte, aber die wird immer teurer. Langsam frage ich mich, ob ich das mit meiner Rente noch in Einklang bringen kann. Fußball ist echt ein teures Hobby. Es gibt ja heutzutage viele fußballinteressierte Leute, die das Geld nich´ mehr so dicke haben. Ich finde die Bereitschaft der BVB-Fans, sich gegen Preiserhöhungen einzusetzen, einfach super. Damit das wirklich etwas bringt, müssten jedoch die Fans aller Vereine mitziehen.

Timon (23) aus Stuttgart

Fußball hat für mich einen recht hohen Stellenwert. Ich gehe etwas fünfmal im Jahr zu einem Bundesliga-Spiel, deshalb ist Besuch im Stadion ist für mich etwas Besonderes und finanziell zu machen. Wenn man allerdings leidenschaftlicher Anhänger ist, und regelmäßig kommt, ist das natürlich was ganz anderes. Ich bin der Meinung, dass die Stadion-Kultur gerade im deutschen Fußball eine große Rolle spielt. Auch wenn ich bezweifele, dass es wirklich was bewirkt, war der Protest der Dortmund-Fans in Hamburg mal ein gutes Statement. Man sollte sich als Fußball-Fan nicht alles gefallen lassen.

Andreas (27) aus Sankt Vith

Obwohl ich aus Belgien komme schlägt mein Herz für S04, und deshalb habe ich auch eine Dauerkarte. Ich habe mit meinen Kumpels zusammengeschmissen und zahle jetzt für die Anfahrt insgesamt 50 Euro. Das ist ok, denn wenn man zum Beispiel richtig feiern geht, bezahlt man locker genau so viel. Auswärtsfahrten in der Champions League sind für mich finanziell nicht mehr zu machen. Als Fan zu protestieren halte ich für Quatsch. In meiner Rolle als Fan will ich hinter meiner Mannschaft stehen und auf der Tribüne alles geben und nicht meine eigenen Interessen verfolgen.

Jörg (35) aus Bottrop

Eine Dauerkarte ist mir zu teuer, daher gehe ich ungefähr viermal pro Saison ins Stadion. Wenn man alleine ins Stadion geht, ist das finanziell sicherlich noch zu stemmen. Da muss man mal auf die Bratwurst oder was zu trinken verzichten. Ich bin aber Familienvater, und mit den Kindern ist es sehr teuer. Da bin ich ganz schnell 100 Euro los. Als Fan hat man aus meiner Sicht keine Chance, etwas zu ändern. Wenn man die Spiele boykottiert, kommen direkt zehn andere, die bereit sind, jeden Preis zu zahlen.

Ralf (23) aus Gelsenkirchen

Ich bin ehrenamtlich für den Verein tätig und komme so oft mal an Karten ran, aber trotzdem habe ich schon sehr viel Geld für Fußball ausgegeben. Das ist ganz schön verrückt, denn eigentlich bin ich der Meinung, dass der Verein etwas für den Fan machen müsste und nicht umgekehrt. Ein Bier in der Arena kostet 3,60, vor ein paar Jahren war es ein Euro weniger. Daran erkennt man, wie die Preise gestiegen sind. Besonders bei Auswärtsfahrten und internationalen Spielen müssen die Vereine mal was am Preis machen. Mittlerweile kommen immer mehr Leute, die Tickets über ihre Firmen bekommen. Wenn das so weiter geht, sitzen die echten Fans bald zuhause und gucken in die Röhre.

Peter (68) aus Wanne-Eickel und Bernd (65) aus Gelsenkirchen

Wir haben eine Dauerkarte, und das ist finanziell noch machbar. Aber grundsätzlich halten wir die Eintrittspreise für völlig überzogen. Die ganzen Stars sollten mal halb so viel verdienen, dann reicht es auch, wenn wir halb so viel Eintritt zahlen. Bei anderen Vereinen ist das zwar noch schlimmer als auf Schalke, aber wenn dann so überbezahlte Spieler fünf Millionen verdienen, fragt man sich, ob die mit drei Millionen nicht auch leben könnten? Es kann doch nicht sein, dass die Fans für diese überzogenen Gehälter bluten müssen. Wo sollen die Leute bei so vielen Arbeitslosen das ganze Geld denn hernehmen?

Roxy (53) aus Gelsenkirchen

Leider bin ich momentan arbeitslos, aber ich lebe sehr sparsam und tue jeden Monat ein bisschen Geld an die Seite, damit ich mir meine Dauerkarte finanzieren kann. Ich bin nämlich Schalker durch und durch und liebe meinen Verein. Der Verein bedeutet für mich ganz viele Freunde und Bekannte. Ich bin im Supporters-Fanclub, das ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Man ist füreinander da und hilft sich gegenseitig aus. Ich denke, alles wird teurer, und da geht es auf Schalke noch. Man muss sich das Geld für die Dinge im Leben einteilen, die einem wichtig sind.

Alle Fotos: Jennifer Bunzeck

Kommentare

  1. von Patrik 06.06.12 (11:11 Uhr)

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld