Traumtänzer: Tanz-Weltmeister Luca Völkel im Interview

Tanz-Weltmeister Luca Völkel mit Partnerin Amelie Skubella | Foto: Tony Maher

16 Jahre jung und schon Weltmeister! Luca Völkel hat sich den Traum vom Titel erfüllt. Beim Dance World Cup in Offenburg stimmte im Finale Ende Juni jeder Schritt. Gemeinsam mit Amelie Skubella setzte sich der Nachwuchs-Tänzer aus dem Wuppertaler Tanzhaus durch und holte souverän die Goldmedaille. Ein Erfolg, mit dem kaum einer gerechnet hat – nicht einmal Völkel selbst, wie er uns im Interview verraten hat.

Wie fühlt man sich als Weltmeister?
Toll! Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Wir, also meine Partnerin Amelie Skubella und ich, sind ja nicht als Favoriten zum Dance World Cup nach Offenburg angereist. Als dann lange nach Mitternacht die Siegerehrung war, da konnten wir es einfach nicht glauben: Weltmeister in der Kategorie Duo/Trio Modern. Unfassbar!

Wie läuft denn so eine Weltmeisterschaft ab?
Wir sind als Teil von Team Germany angetreten. Dafür haben wir uns über Regionalwettbewerbe, NRW-weite und deutschlandweite Wettbewerbe qualifiziert. Deutschland war eines von 47 Ländern, die in verschiedenen Kategorien um die Titel getanzt haben. Gewertet werden bei den Tänzen dann zum Beispiel das Konzept der Choreographie, die Technik oder der Gesamteindruck. Insgesamt kann man dann 100 Punkte holen.

Was habt ihr getanzt und wie viele Punkte habt ihr dann geholt?
Wir haben das Stück „To this day“ eingeübt. Darin geht es um Mobbing. Wir haben damit dann 96,7 Punkte geholt. Das war sehr ordentlich. Wir hatten sogar vier oder fünf Punkte mehr als unsere Gegner.

Wie ist das Gefühl bei so einer Weltmeisterschaft? Bekommt man das internationale Flair mit, obwohl das Turnier in Deutschland stattgefunden hat?
Auf jeden Fall! Überall ist internationales Flair. Von der Eröffnungszeremonie, an der alle Länder teilnehmen über Workshops mit Teilnehmern aus allen möglichen Ländern. Man merkt die unterschiedlichen Mentalitäten und auch den unterschiedlichen Stellenwert des Tanzens. In England und Portugal zum Beispiel ist Tanzen viel populärer. Da gibt es Schulen, da wird vormittags gelernt und nachmittags getanzt, so vier bis fünf Stunden täglich. Und da hört man dann auch aus den Kabinen, dass die Trainer lauter werden und schreien, wenn mal was nicht klappt. Unsere Trainer sind da entspannter.

Wie hast du mit dem Tanzen angefangen, liegt das in den Genen?
(lacht) Darüber rätseln wir zuhause alle. In den Genen liegt es nicht, ich bin der einzige Tänzer in der Familie. Eigentlich habe ich mit Theaterspielen angefangen und mit neun Jahren dann mit dem Tanzen begonnen. Das hat mir Spaß gemacht und ich bin dabei geblieben.

Tanzen ist für Jungs ja immer noch ein ungewöhnlicher Sport. Musst du dich oft rechtfertigen?
In meinem Bekanntenkreis ist das ganz normal. Übers Tanzen bin ich natürlich auch mit einigen Tänzern befreundet. In der Schule war das am Anfang schon ein Thema, aber inzwischen ist das nichts Besonderes mehr. Es gibt sie also schon, die Jungs die tanzen. Zwar nicht so oft, aber wenn, dann machen sie das meist ganz gut.

Tanzen ist ein Randsport, möchtest du einmal damit Geld verdienen?
Das wäre ein Traum. Aber Tanzen steht nun einmal nicht so im Fokus wie Fußball, das scheint für Zuschauer attraktiver zu sein. Tanztheater wäre zum Beispiel reizvoll für mich. Aber viel Geld kann man damit auch nicht verdienen. Wer tanzt, macht das vor allem aus Leidenschaft.

Welchen Aufwand betreibst du für deinen Sport, welches Training machst du?
Vor den Meisterschaften haben wir täglich trainiert, meist nach der Schule noch so zwei bis drei Stunden, am Wochenende oft von 10 bis 18 Uhr. Da haben wir getanzt, anderen Sport braucht man dann nicht mehr. Im Sommer ist ein bisschen Pause, da habe ich es etwas ruhiger angehen lassen. Aber man merkt schnell, wenn man nicht regelmäßig trainiert. Und jetzt bereite ich mich auf die neue Saison vor, ich möchte noch ein paar Meisterschaften holen. Außerdem proben wir gerade für die nächste Aufführung in Wuppertal.

Was machst du da?
Ich tanze bei „My Fair Lady“ im Opernhaus mit, am 22. Oktober haben wir Premiere. Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal bei einer Produktion im Opernhaus mitgespielt und es war ganz anders als das Tanzen bei Wettbewerben. Da kümmern wir uns um alles selbst und machen sogar die Kostüme. Im Opernhaus kann ich mich ganz aufs Tanzen konzentrieren.
Piet Keusen