Zukunftsmusik: Oberhausen bekommt größtes Fitnessstudio der Welt

"The Mirai" besteht aus unterschiedlichen Bereichen. | Grafik: © THE MIRAI

Das größte Fitnessstudio der Welt soll Ende 2019 eröffnet werden. Nicht in Tokyo, Shanghai oder L.A. – in Oberhausen soll THE MIRAI (englisch-japanisch für Die Zukunft) in drei ehemaligen Thyssen-Stahlindustriehallen den Grundstein für die Fitnessbewegung der kommenden Jahre legen. Wir haben uns das Ganze mal angeschaut und stellen fest: Hallo Zukunft!

Wie eine Mischung aus Star Wars, dem Raumschiff Axiom in Wall-E und dem US-amerikanischen Zukunftsfilm Die Insel, gepaart mit viel Grün und Indoor-Bäumen, sehen die Werbebilder von The Mirai aus. Schlanke Menschen lassen ihren Körper bei einem VR-Brillen-Ritt auf modernsten Geräten scannen, joggen durch blau schimmernde Gänge an jungen Birken vorbei oder machen Gruppenübungen, bei denen ihnen Motivationssprüche à la Wii Sports auf Bildschirmen angezeigt werden. Wir befinden uns im Jahr 2019, spielerisch Sport treibend in der Fitnesshalle der Zukunft.

„Bei The Mirai steht das Erlebnis im Vordergrund und nicht nur das reine Fitnesstraining“, erklärt der zukünftige Geschäftsführer Ralph Scholz. „Wir bieten neben allen gängigen Trainingsmöglichkeiten auch eine große Outdoor-Area sowie unterschiedliche Trainings- und Erlebnisbereiche, die sich unter anderem auf Flexibilität, Motivation oder Stärke fokussieren.“ Entsprungen ist die Idee aus dem Hause McFit. Rainer Schaller, dessen Fitnesskette zu den größten der Welt zählt, hatte die Idee, eine Fitnesshalle für Menschen „unabhängig von Herkunft, Alter oder Einkommen“ zu schaffen, schon vor 20 Jahren.

Das Training im Mirai ist kostenlos und soll zum Erlebnis für die ganze Familie werden. | Grafik: © THE MIRAI

­Ohne Mitgliedsbeiträge

„Es wird jedem die Möglichkeit geboten, Fitness ohne Mitgliedsbeiträge zu betreiben“, sagt der CEO – denn trainieren im Mirai wird für alle kostenlos möglich sein. Doch wie finanziert sich das Mammutprojekt, dessen Bau allein schon eine zweistellige Millionensumme verschlingen wird? „The Mirai schafft eine perfekte Synthese aus Consumer- und Businesswelt“, erklärt Ralph Scholz. „Unternehmen bekommen ganzjährig eine Plattform, um ihre Produkte zu zeigen, Neuheiten zu präsentieren und sich untereinander und mit den Kunden auszutauschen. So werden zum Beispiel Fachtagungen und Kongresse stattfinden.“

Fitnesstrends von morgen und neueste Technologien werden also an den Mirai-Besuchern erprobt, ihre Reaktionen und Daten aufgezeichnet und gesammelt. Ein Datenausverkauf soll aber nicht stattfinden. Eher soll der Missstand, dass nur sehr wenige für die Fitnessbranche relevante Daten im Umlauf sind, behoben werden und dadurch bessere Produkte entwickelt werden können. Geld solle vorrangig durch Werbeeinnahmen ins Mirai fließen.

"Attraktion mit Fitnessausrichtung"

Erklärtes Ziel der Verantwortlichen ist, „Menschen an den Markt heranzuführen, die sich bisher nicht dafür interessiert haben“, so Ralph Scholz. Kletternetze, Kettcar-Parcours und andere unkonventionelle Sportarten wie Steine heben, sollen selbst Sportmuffel in die Halle locken. „Ziel ist es, The Mirai als Attraktion mit Fitnessausrichtung zu etablieren, die sich belebend auf andere Fitnessanlagen auswirkt“, meint Scholz. Die eigenen Studios oder andere Anbieter wolle man nicht aus dem Markt drängen. Auch für Kinder und Senioren soll The Mirai Anlaufstelle sein, der Besuch im 50.000 Quadratmeter (das sind etwa sieben Fußballfelder) großen Studio ein Familienerlebnis werden.

Das Mirai entsteht in drei ehemaligen Thyssen-Hallen | Grafik: © THE MIRAI

Oberbürgermeister Daniel Schranz freut’s: „Das Projekt besitzt Strahlkraft weit über die Region hinaus“, ist sich der CDU-Politiker sicher; The Mirai gliedere sich in der „Neuen Mitte“ neben Shopping- und Entertainmentangeboten hervorragend ein. Jährlich 30 Millionen Tages-Touristen und über 2,8 Millionen Menschen im unmittelbaren Einzugsgebiet gaben für Rainer Schaller den Ausschlag, The Mirai in Oberhausen aufzubauen. Später möchte er das Konzept auch in andere Ballungsräume der Welt übertragen, etwa nach China oder Los Angeles, sagte der Unternehmer dem Handelsblatt.

Bei all der Zukunftsmusik und möglichen Bedenken bezüglich Werbung und Personendaten sollte etwas Wesentliches nicht aus dem Blickfeld geraten: Das größte Fitnessstudio der Welt wird 24 Stunden geöffnet haben. Im Ruhrgebiet, das im deutschlandweiten Vergleich immer noch eine höhere Arbeitslosenquote aufweist, können mehrere hundert Arbeitsplätze, die Schaller verspricht, eigentlich nicht schaden. Julia Hubernagel

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Berliner Allee 54, Düsseldorf

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