Sportfotograf Tim Kramer: Heimlicher Beobachter

Tim Kramer | Foto: © Michael Schwettmann

Der Bochumer Fotograf Tim Kramer hat sich mit seiner Sport- und Konzertfotografie längst über die Grenzen der Stadt einen Namen gemacht. David Nienhaus sprach mit dem VfL-Fan über seine Arbeit.

Wie schwer ist es, immer wieder neue Perspektiven zu entdecken?

Das ist nicht immer einfach. Der jungfräuliche Blick, den ich beim ersten Betreten einer neuen Szenerie habe, ist irgendwann verflogen und ich muss mir Strategien überlegen, wie ich neue Perspektiven auftun kann.

Wie wichtig ist die Perspektive, der Blickwinkel?

Eine spannende Perspektive ist eine nicht zu verachtende Zutat für ein gutes Foto. Ich versuche bei der Prespektivwahl, dem Betrachter des Fotos das Gefühl zu geben, als heimlicher Beobachter Teil der Szenerie zu sein.

Tim Hoogland vor dem Spiel gegen den Hamburger SV, Foto: Tim Kramer / Tremark

Ist es mehr Beruf oder mehr Kunst – oder eine Mischung aus beidem?

Die tatsächliche Kunst ist es manchmal, beides zu vereinen. Sobald das Fotografieren nur noch ein Beruf ist, landet die Kamera bei Ebay.

Ihre Fotos haben einen enorm hohen Wiedererkennungswert.

Gewisser Aspekte einer Bildsprache sind mir sehr wichtig, der Rest hat sich so entwickelt, ohne dass ich es bewusst forciert habe. Das ist aber auch ein sich ständig ändernder Prozess.

Beschreiben Sie die Entstehung eines perfekten Bildes.

Für mich, als Freund der Dokumentarfotografie, ist das Wichtigste, dass ein Foto eine Story erzählt, eine Stimmung übermittelt. Ich möchte, dass der Betrachter beim ersten Blick auf das Foto den Wunsch hat, noch mal drauf zu gucken oder den Blick zu intensivieren und dass derjenige, der sich das Foto anguckt, vieles entdeckt, oder für sich Dinge reininterpretieren kann. Wenn dann noch das Licht und die Perspektive stimmen, ist es nicht mehr weit zum perfekten Foto. Das habe ich aber noch nicht geschossen (lacht).

Joris mit einem Mitglied seiner Crew am Abend eines langen Festivaltages, Foto: Tim Kramer / Tremark

Sie machen nicht nur Sportfotografie, sondern begleiten auch Musiker als Backstage- und Stagefotograf. Wie kam es dazu?

Ohne vorhandenes Netzwerk war das ein langer steiniger Weg, verbunden mit harter Arbeit. Irgendwann hatte ich dann das Glück, dass mir jemand die erste Chance gab.

Wen würden Sie in Zukunft gerne vor die Linse bekommen? 

So lange Sie noch auf Tour sind, wäre dokumentarisch gesehen Coldplay der größte Traum, dicht gefolgt von Damien Rice und Bon Iver oder Bosse, um ein bisschen Realismus mit einzubringen.

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