Sport für Lebensretter: Fire-Force

Holger Kunzemann | Foto: Christof Wolff

Holger Kunzemann ist 35 Jahre alt, 1,86 Meter groß und wiegt 100 Kilo. Er fährt grundsätzlich nicht Auto, sondern Fahrrad. An freien Tagen läuft er „zur Entspannung“ schon mal acht Kilometer. Gerade hebt er in lockerer Haltung eine 28-Kilo-Metall-Kugel über seinen Kopf, klettert mit Hilfe eines Seils in Windeseile eine Wand hoch, macht Liegestütze, zeigt einen Klimmzug.

Sein Atem bleibt ruhig. Der Mann ist topfit. Und das ist gut so. Denn in seinem Job geht es oft genug um Leben und Tod. Kunzemann ist Feuerwehrmann, Funktionsbeschreibung „Gruppenführer“, Dienstgrad „Hauptbrandmeister“. Er leitet die Einsatzgruppe 1/8, also acht Mann plus einem Verantwortlichen, an der Düsseldorfer Hauptwache 1 auf der Hüttenstraße. Da fährt er selbstverständlich im roten Auto mit.

Es war schon immer der Traumberuf des gebürtigen Paderborners, der nach der Freiwilligen seit 2001 hauptberuflich in diesem Job tätig ist. Wie viele Einsätze er pro Diensttag fährt, kann er nicht sagen, wohl aber, dass es 2011 für die Hauptfeuerwache rund 5.500 Brände und technische Einsätze zu meistern galt. Ölspuren auf der Straße, die Katze auf dem Baum, Wasser im Keller, Verkehrsunfälle, Bergungsarbeiten. Und natürlich Brände. Menschen retten. Türen aufbrechen. „Einsatztaktisch war der Brand in den Fortin Mühlenwerken 2011 der bislang anspruchsvollste für mich. Drei Etagen, viel Rauch, null Sicht, ein hohes Gefahrenpotenzial.“, erinnert sich der Profi. Da sind nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern ebenso gutes Koordinationsvermögen, Beweglichkeit und Teamgeist gefragt.

Control your Limit

Kunzemann setzt sich stark ein für den Sport in seinem Metier. Er ist Mitglied der Feuerwehrsportvereinigung Düsseldorf, Vorstandsmitglied der TFA (Toughest Firefighter Alive) und Hauptorganisator des „Firefighter Skyrun Düsseldorf“, der im vergangenen Jahr erstmals im Arag-Haus stattfand. Nun richtete der darüber hinaus als Realbrand-, Fitness-, Functional und Kettlebell-Trainer Qualifizierte mit „Fire-Force“ ein Trainingszentrum speziell für Feuerwehrleute und ambitionierte Laien ein, die gemäß dem Motto „Control your Limit“ ihre physische und psychische Belastungsgrenze im „einsatznahen“ Sport ausbauen wollen.

Im Hafen nutzt er gegenüber der Lausward auf dem Gelände des Brandschutzausbilders „Heat“ rund 3.000 Quadratmeter für Out- und Indoortraining. Das hat mit dem Absolvieren gängiger Übungen an High-Tec-Maschinen in Edelhallen nichts zu tun. Hier wird im Sinne des „Functional Trainings“ kein Muskel isoliert trainiert. Der Trainer: „Das Fundament für jeden Sportler.“ Die Halle ist schlicht, die Skyline industrielastig wie auf einem Becher-Foto. Lediglich zwei gekreuzte Feuerwehräxte und Firefighter-Poster zieren den Innenraum. Auf dem Boden liegen Traktorreifen, Holzpaletten, Taue, Matten. An der Wand steht die unglaubliche Keiser Force Machine, bei der mittels eines riesigen Hammers ein monströses Gewicht durch zwei Schienen getrieben wird. Die Kettlebells, frei bewegte Metallgewichte mit festem Griffbügel, sprechen die gesamte Muskulatur an, berücksichtigen Sehnen und Gelenke, fordern und fördern Balancegefühl, Körperkontrolle, Stabilität.

4 Wochen Muskelkater

Kunzemann schmeißt sich auf die Matte und balanciert die schwerste Kugel am ausgestreckten Arm, bewegt sich damit beim „Turkish Getup“ aus der Rückenlage in den Stand, schwingt das Gerät beim „Snatch“ über den Kopf, beim „Swing“ durch die Beine. Dem Neuling ist schon die korrekte einbeinige Kniebeuge mit dem 4-Kilo-Leichtgewicht-Kettlebell unmöglich. Profis absolvieren beim Zirkeltraining neben Schläuche rollen oder 80-Kilo-Puppen-Ziehen derartige Herausforderungen in voller 23-Kilo-Montur und mit Pressluftatmer im Akkord. Bei den Wallballs gilt es, die graue Linie in rund drei Metern Höhe in steilem Wurf mit dem Medizinball zu treffen. Klingt simpel, ist es aber nicht. Vier Wochen Muskelkater erwarten den Einsteiger. Auch das schlängelnde Schleudern eines meterlangen Taus ist keine leichte Übung. Im Suspension-Trainer können frei schwebende Liegestütze absolviert werden. Beim Hämmern auf den Reifen kommen Muskeln nachhaltig ins Vibrieren, Paletten-Sprünge auf Zeit fördern die Explosivkraft, Sprints und Ausdauerläufe machen den Trainingsplan rund. Die ständig variierenden Teamworkouts, in dem auch Profis auf Amateure prallen, fördern den Teamgeist. Kunzemann bringt die Berufsehre noch einmal auf den Punkt: „Einer alleine kann’s nicht löschen.“

Fire-Force, Am Falhammer 112, Düsseldorf

fire-force.de