Speed of Light Ruhr: Lichtgestalten

Licht und Geschwindigkeit | Foto: NVA’s Speed of Light Ruhr, RTG / Schlutius

Sich aufzuraffen und die Laufschuhe zu schnüren, ist für den Durchschnitts-Jogger je nach Wetter- und Stimmungslage oft schon Kunststück genug. Was die Kunstorganisation NVA um den schottischen Kreativkopf Angus Farquhar mit 120 Amateur-Läufern aus dem Ruhrgebiet vorhat, geht jedoch weit über den alltäglichen Kampf mit dem Schweinehund hinaus. Gekleidet in futuristisch anmutende LED-Anzüge werden die Hobby-Athleten Teil der beeindruckenden Kunst-Performance „speed of light ruhr“. Als menschliche Lichterkette zelebrieren sie die Leidenschaft fürs Laufen und lassen dabei die Industriedenkmäler des Ruhrgebiets in einem neuen Licht erstrahlen.

Für Anja Pasch ist Laufen mehr als nur ein Hobby. Obwohl sie erst seit drei Jahren dabei ist, hat die 32jährige bereits erfolgreich Marathon-Läufe bestritten und trainiert regelmäßig für diverse Wettkämpfe. Als eine von zwölf Run Leadern wird sie die sportlichen Lichtgestalten bei „speed of light ruhr“ durch die grünen Korridore des Emscher Landschaftsparks führen. Von Ost nach West geht es an drei Abenden quer durch das Ruhrgebiet, von der Halde Hoheward zur Jahrhunderthalle, vom Nordsternpark nach Zollverein und vom CentrO. zum Landschaftspark Duisburg-Nord. Das sind insgesamt über dreißig Kilometer, wobei es nicht nur die Distanz, sondern auch eingeübte Choreografien an den Start- und Endpunkten zu meistern gilt. „Laufen ist für mich etwas Besonderes, deshalb hat mich das Projekt auf Anhieb begeistert“, antwortet Anja auf die Frage nach ihrem Antrieb, sich dieser Herausforderung zu stellen. „Diese Passion mit Kunst verbinden zu können und Teil eines großen Ganzen zu werden, ist für mich eine faszinierende Erfahrung. Besonders, wenn dabei so wunderschöne Bilder entstehen.“

Lichtgestalten; Foto: speed of light ruhr, RTG / vE&K Behler

Ferngesteuerte LED-Anzüge

Schon auf dem Gipfel des Arthur’s Seat in Edinburgh oder in den von Neonlichtern durchfluteten Straßen Yokohamas hat NVA mit illuminierten Läufern eindrucksvolle Lichterwelten geschaffen. Gefördert durch den Regionalverband Ruhr und das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen wird der Emscher Landschaftspark zur nächsten Leinwand dieses aussergewöhnlichen Projekts. Möglich wird die sportliche Performance mit Hilfe intelligenter LED-Anzüge. Per Funk lassen sich Farbe, Lichtintensität und Blinkfrequenz der lumineszierenden Exoskelette individuell steuern. So wird aus einer Gruppe von Läufern ein elastisches Leuchtband, das sich durch die Landschaft schlängelt und dabei einzigartige Lichteffekte erzeugt. Doch nicht nur Sportler sind gefragt. Alle (Hobby-)Fotografen sind ausdrücklich dazu aufgefordert, das Lichterspiel an den sechs Spielstätten im Bild zu bannen und mit ihren Schnappschüssen das Event zu dokumentieren.

Besondere Herausforderung

Der Initiator von „Speed of Light“, Angus Farquhar, weiß genau, was er seinen Athleten abverlangt. Er ist selbst passionierter Läufer und bloggt als „the grim runner“ über seine Lauferfahrungen in der ganzen Welt. Auch die Strecken des Ruhrgebiets hat er bereits erkundet. Dabei hat der Pott beim Schotten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Für Außenstehende ist die Art und Weise, wie diese imposanten Industriedenkmäler erhalten und die umliegende Landschaft renaturiert wurde, wirklich einzigartig.“ schwärmt er. Die räumliche Nähe der Spielstätten ermöglicht es Angus und seinem Team, erstmals bei der „speed of light ruhr“ mehrere Orte miteinander zu verbinden. Dies stellt allerdings auch eine besondere Herausforderung für die Läufer und den Kölner Choreografen Pipo Tafel dar. „Wir stehen mit den Läufern über Funk in Kontakt. Natürlich geben wir auch Anweisungen, aber es ist besonders wichtig, den Läufern auf einer emotionalen Ebene zu begegnen und ihnen die Angst vor Fehlern zu nehmen“, erklärt Tafel, der für die Koordination der Läufer verantwortlich ist.

120 Läufer können über 1 km überbrücken

Für Angus Farquhar eröffnen die verschiedenen Orte aber auch eine Vielzahl an Möglichkeiten. „120 Läufer können eine Choreografie auf engstem Raum durchführen. Genauso kann bei einem Abstand von zehn Metern zwischen den Läufern aber auch eine Distanz von über einem Kilometer abgedeckt werden“, rechnet er vor. „Mit dieser Dynamik können wir einerseits weitläufige Areale wie eine Halde bespielen, gleichzeitig aber auch sehr intime Momente erzeugen. Das Kollektiv der Läufer geht Symbiosen mit den verschiedenen Locations ein. Und dabei entstehen wirklich außergewöhnliche Perspektiven.“ So ermöglicht „Speed of Light“ vielleicht sogar alteingesessenen Ruhris, ihre Heimat in einem anderen Licht zu sehen.

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