Marathon: Gut gelaufen

Marathon ist Volkssport. Für das Laufen braucht es keine besondere Ausrüstung, man ist nicht an feste Zeiten gebunden. Hin und wieder mal eine Runde durch den Park drehen, dazu hat ja wohl jeder Zeit. Beim Trainieren unterschätzen angehende Marathonis aber gerne die lange Distanz, hören nicht auf die Signale des Körpers und schaden ihrer Gesundheit so mehr, als sie zu verbessern. Es lohnt sich, Profis zu fragen – was Nele Posthausen getan hat.

Sportmediziner Dr. Peter Dietrich hat sie alle schon gehabt: ständig nervende Archilles-Sehnen, Faserrisse in der Wade, das schmerzende „Runners Knee“ und sogar sogenannte Ermüdungsbrüche. „Ja, es gibt durchaus Standard-Läufer-Verletzungen“, sagt der Dortmunder Orthopäde. „Beim Runners Knee zum Beispiel, schabt immer eine Sehne am Schienbeinknochen entlang, oder man kennt ja auch ganz einfach den Wolf, den man sich an den Oberschenkeln oder den Nippeln läuft.“ Für solche Kleinigkeiten empfiehlt der Mediziner durchaus einfach mal einen Blick in einschlägige Internet-Foren. Abkleben der Brustspitzen hilft tatsächlich.

Dr. Dietrich

Medizinischer Check ab 30

Mit seinem Kollegen, dem Internisten Walter Sehnert, betreibt Dr. Peter Dietrich eine der Sportmedizinischen Untersuchungsstellen des Landessportbundes NRW. Aber nicht nur Leistungssportlern geben sie hier das GO!. „Zu uns kommen auch viele Freizeitsportler, darunter natürlich viele Läufer“, erklärt Dietrich. Wer wissen will, ob er fit genug für die 42,195 Kilometer ist, der bekommt bei ihnen den routinierten Vorab-Check: Sie prüfen den Bewegungsapparat auf Fehlstellungen und Besonderheiten und testen das Herz-Kreislauf-System. Denn: „Im Prinzip kann jeder laufen, aber wer extreme Knickfüße hat, sollte vielleicht doch lieber einen Fahrrad-Marathon machen.“

Viele Sportler kennen ihre eigenen Defizite gar nicht. Denn auch wer sich fit fühlt, kann zum Beispiel eine leichte Herzschwäche haben. Deswegen empfehlen Dietrich und Sehnert zumindest ab Anfang 30 den Vorabbesuch beim Sportmediziner. Und das gilt für alle ambitionierten Läufer, egal ob Marathoni oder nicht. Dietrich betont, es kommt nicht allein auf die Strecke an: „Auch wenn ich mich bei einem 400 m Lauf völlig verausgabe, belastet das meinen Körper natürlich enorm.“

Wenn es dann losgehen kann, erstellen Dietrich und Sehnert den zukünftigen Finishern auch individuelle Trainingspläne. Dazu ist vor allem die Diagnose der Leistungsfähigkeit interessant: „Wir richten den Plan nach zwei Faktoren aus: Wo steht der Sportler oder die Sportlerin? Was ist sein Ziel?“ Auch der „Körpertyp“, wie Dietrich es nennt, trägt seinen Teil bei. „Ein muskulöser Westafrikaner wird nie die Zeit eines sehr schmalen, leichten Kenianers erreichen können“, schätzt er. Denn jedes Kilo Muskelmasse trägt ein Läufer mit sich herum. Uns Mitteleuropäer sieht er hier vom Körperbau genau im Mittelfeld. Viele seien schon leicht genug und schmal gebaut, aber die Spitzenzeiten könnten nur die wenigsten erreichen. Trotz unterschiedlicher Körper-Typen und individuellem Leistungsniveau rät der Mediziner für den Trainingsplan dennoch nicht völlig vom Blick ins Internet ab: „Es gibt schon wirklich gute Pläne im Netz, man muss sie halt nur ein bisschen auf sich anpassen. Es hängt ja auch immer davon ab, wie viel Zeit die Sportler haben.“

Klaus Augustin

Alleine hätten wir das nie geschafft

Wer genug Zeit hat und sich nach noch mehr individueller Betreuung sehnt, ist auch beim Laufen in einem Sportverein gut aufgehoben. „Bei uns findet jeder irgendeine Gruppe, bei der er mithalten kann“, ist sich Trainer Klaus Augustin vom Triathlon Team Witten sicher. „Das ist der ausschlaggebende Punkt: Ganz viele unserer Athleten haben mir schon gesagt: 'Alleine hätten wir das nie geschafft'.“ Deswegen ist das Training auch immer gut besucht. Wer will, kann vier Mal die Woche mit der Gruppe trainieren, regelmäßig sind 50 bis 70 Läuferinnen und Läufer unterwegs. Von 18 bis 60 ist jede Altersklasse vertreten. Wichtig ist dabei vor allem die Abwechslung zwischen längeren und kürzeren Läufen.

Die unterschiedlichen Trainingseinheiten sollen auch der Übersäuerung der Muskeln vorbeugen. Denn bei enormer Anstrengung geht der Muskel eine sogenannte Sauerstoffschuld ein, es bildet sich Milchsäure und er übersäuert. Die Folge: „Da macht der Muskel einfach zu“, sagt Läufer Klaus Augustin. Ihm selbst ist das auch schon einmal passiert: „Ich bin wahrscheinlich nur ein, zwei Sekunden zu schnell gelaufen, und dann, bei Kilometer 21, ging auf einmal nix mehr, ab da musste ich gehen.“ Ein wirklich ungewöhnliches Erlebnis in seiner Läuferkarriere, denn meistens bringen seine Beimuskeln den 66-Jährigen locker vor den Gegnern ins Ziel. Sie brachten ihm bereits zwei Weltmeister-, einen Europameister-Titel und diverse Plätze auf dem Treppchen ein. Die zehn Kilometer läuft er in 33,38 Minuten.

Lauf durchs Burgholz; Foto: Wolfgang Birke

Schönheit der Strecke

„Für mich persönlich zählt immer, dass der Veranstalter auch Bock auf Laufen hat. Ein kommerzielles Gefühl bei der Sache kann mir den Run schon sehr vermiesen“, Guido Gallenkamp ist kein Fan von großen Laufereignissen. Für den Wuppertaler Lauf-Veranstalter zählt bei einem guten Lauf in erster Linie die Schönheit der Strecke. Zusammen mit dem SV Bayer und seinem Bruder Falko hat er deswegen seinen eigenen Lauf ins Leben gerufen: Beim Zuckerspiel geht es auf 21,1 Kilometern oder auch nur zehn Kilometern durch das Burgholz in Wuppertal. Immer schön bergauf und bergab. Das Grauen, das das Wort „Berglauf“ bei den meisten hervorruft, kann er nicht nachvollziehen: „Also ich finde eine flache Strecke anstrengender, als wenn es hoch und runter geht. Das ist wenigstens nicht so monoton.“ Trotzdem rät er, für seinen Lauf ordentlich Berge zu trainieren. „Dort, wo man hinguckt und sich denkt: 'Oh, nee, da würde ich aber nicht gerne hoch' – da sollte man hoch laufen.“

Triathlon Team Witten: t-t-w.de
Sportmediziner Peter Dietrich: sportmedizin-ruhr.de
Zuckerspiel Wuppertal: zuckerspiel.de

Ab nach draußen!

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