Meisterhafter Tanz: Düsseldorfer Mannschaft des Jahres

Sandra Ertmer und Dima Dogu | Foto: Helmut Roland

Damit hatte wohl niemand gerechnet. Bei der Wahl zur Düsseldorfer Mannschaft des Jahres gab es im Januar eine große Überraschung: Nicht Fußball, Eishockey oder Tischtennis hat sich durchgesetzt. Sondern Tanzen! Sandra Ertmer und Dima Dogu vom TD Rot-Weiß sind Düsseldorfs Mannschaft des Jahres. Verdient hatten es die beiden, die im Winter Weltmeister über zehn Tänze wurden, auf jeden Fall. Aber gerechnet hatten sie damit nicht, erzählt Ertmer Piet Keusen im Interview.

Herzlichen Gückwunsch! Waren Sie überrascht von der Auszeichnung?
Auf jeden Fall, wir hatten damit überhaupt nicht gerechnet! Wir waren schon glücklich, dass wir überhaupt nominiert waren neben Mannschaften wie den Tischtennis-Profis von Borussia und dem GC Hubbelrath, der mehrfacher Deutscher Mannschaftsmeister im Golf wurde.

Sie haben nicht nur die Fachjury vom Verein Düsseldorfer Sportpresse überzeugt, sondern auch das Online-Voting gewonnen…
Das war die größte Überraschung. Wir sind ja die kleinste Mannschaft, die es gibt, nur zwei Leute. Wir hätten nie gedacht, dass so viele Menschen für uns abstimmen. Tanzen ist ja eher eine Randsportart.

Ist Tanzen für Sie mehr Sport oder mehr Hobby?
Für uns ist das Tanzen schon immer Leistungssport gewesen. Wir trainieren bis zu siebenmal in der Woche. Das setzt sich zusammen aus einem technischen und einem künstlerischen Teil und Fitnesstraining. Vor den Wettkämpfen tanzen wir Endrunden. Das heißt, dass wir fünf Tänze hintereinander tanzen, dann eine kurze Pause machen, dann wieder fünf Tänze tanzen. Eine Einheit dauert dann etwa zwei Stunden. Aber diese Fitness braucht man für die Wettkämpfe.

Was ist die Herausforderung bei den Turnieren?
Man muss den ganzen Tag lang fit sein. Ein Turnier dauert schon mal von elf Uhr morgens bis zwei Uhr nachts. Da muss man die Konzentration den ganzen Tag hoch halten. Deshalb haben wir auch unseren Mentaltrainer Win Silvester.

Was macht ein Mentaltrainer?
Er steht uns mit Rat zur Seite, wenn wir Hilfe brauchen. Die Wettkämpfe dauern sehr lange. Und wenn man mal das Gefühl hat, heute läuft nichts, dann können wir uns jederzeit an ihn wenden. Er ist bei den Wettkämpfen dabei und wenn nicht, können wir anrufen. Und das hilft bei Turnieren sehr.

Das klingt ja fast nach Profisport…
Ja, fast. Offiziell sind wir Amateure. Dima und ich tanzen seit 2008 zusammen. Dima kommt aus Moldawien, war früher Jugend-Weltmeister und hat eine neue Partnerin gesucht. Wir haben uns kennengelernt, es hat auf Anhieb gepasst und er ist für das Tanzen nach Düsseldorf gezogen. Dann war eigentlich klar, dass Tanzen auch für mich Priorität wird. Inzwischen sind wir im höchsten Bundeskader und treten bei Europa- und Weltmeisterschaften für Deutschland an.

Sind Sie auch privat ein Paar?
Beim Tanzen ist es wichtig, dass man gut harmoniert. Wenn man soviel Zeit miteinander verbringt, dann kann es sich schon einmal ergeben. Bei uns hat alles gepasst. Wir haben angefangen zusammen zu tanzen und ein halbes Jahr später waren wir ein Paar.

Was steht für Sie dieses Jahr sportlich an, die WM-Titelverteidigung?
Nein, wir werden uns sportlich etwas verändern. An der WM über zehn Tänze werden wir dieses Jahr nicht teilnehmen. Wir werden uns auf die Standardsektion konzentrieren und hoffen, dass wir dort genauso erfolgreich sein werden. Leider ist es kaum möglich, in beiden Disziplinen auf ganz hohem Niveau zu tanzen. Wir wollten nach der Weltmeisterschaft aber eine neue Herausforderung und konzentrieren uns deshalb auf die Standard-Disziplin.

Also weiterhin viel Training. Wie ist das denn mit dem Beruf vereinbar?
Schwierig. Dima hat sein Sportstudium beendet, ich studiere eigentlich gerade in Essen medizinische Biologie. Aber das Studium habe ich pausiert. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich im nächsten Semester wieder ein paar Scheine mache. Aber Priorität hat erst einmal das Tanzen.