Joel André Matip: Bochumer Junge bei der WM

| Foto: Jesco von Eichmann

Er lächelt, als er dem Fotografen absagt. Der will ihn mit einem WM-Pokal in der Hand fotografieren – ein Bild, das nicht zu Joel André Matip passt. Der Mann, der so konsequent in der Abwehr des FC Schalke 04 und der Nationalelf Kameruns abräumt, ist keiner der großen Gesten oder Töne. Dabei hätte er Grund dazu.

Mit 22 Jahren wird Matip bereits seine zweite Weltmeisterschaft spielen. In der Spielzeit 2009/2010 war er die Entdeckung der Saison bei Schalke, feierte den Einzug in die Champions League und die Berufung in die Nationalelf des Heimatlandes seines Vaters. Aber wo andere mit Millionenverträgen in Zeitungen posieren – oder Geschichten über Frauen, teure Autos und ausgefallenen Klamotten produzieren, ist es um Matip still. Er ist ein Junge aus Bochum-Weitmar geblieben, der über Schalke 04 den Sprung auf die Weltbühne des Fußballs geschafft hat. Der sich aber auch weiterhin im Zweikampf mit anrennenden Stürmer wohler zu fühlen scheint als beim rhetorischen Gerangel mit Journalisten in der zur WM angesetzten Pressekonferenz. Trotzdem stellt er sich vor seiner Abreise nach Kamerun und zur WM ihren Fragen.

Herr Matip, wenn Sie mit Ihren afrikanischen Landsleuten unterwegs sind, was erzählen Sie ihnen von Ihrer Heimat Bochum-Weitmar?

Ach von Weitmar speziell nicht so viel – aber schon von der Region, aus der ich komme. Von Gelsenkirchen, dem Ruhrgebiet und natürlich von Schalke – dieser Fußballverrücktheit der Menschen hier, dass hier auch immer das Stadion komplett voll ist. Wir tauschen uns aber alle in der Nationalelf aus. Die meisten spielen ja in Frankreich – manche aber auch in der Türkei, Spanien oder England. Das ist schon sehr interessant.

In Kamerun sind auch alle so fußballverrückt wie im Ruhrgebiet?

(lacht) Ja, das verbindet wohl.

Wieso haben Sie sich schon in jungen Jahren für Kamerun und gegen Deutschland entschieden?

Der Bezug zu Kamerun war immer da. Ich habe viel Familie dort: Onkel, Tanten. Es war eine Bauchentscheidung. Es kam der Moment, an dem ich mich entscheiden musste. Und es war das Richtige. Ich freue mich sehr, wenn ich in Kamerun bin.

Was erwartet man in Kamerun von der Mannschaft bei der WM?

Die Erwartungen sind natürlich sehr hoch – aber im Hinterkopf sind alle realistisch. In Brasilien gibt es viel Favoriten. Wir spielen eine kleine Rolle da. Die letzten beiden Afrikameisterschaften haben wir verpasst – wir sollten eher kleinere Brötchen backen.

Wie ist das Team Kamerun aufgestellt?

Wir haben eine sehr lustige Truppe, wo sehr viel gelacht und gelebt wird. Man gerät auch mal aneinander – aber das ist das Normalste der Welt, wenn man wochenlang aufeinander hockt. Aber es sind alle mit Stolz und Ehre dabei – und alle wollen nur das Beste.

Wo sehen Sie sich in der Mannschaft?

Ich bin ein fester Bestandteil, aber ich bin nicht der Typ, der im Mittelpunkt rumturnt. Aber ich freue mich mal wieder, mit den Jungs Zeit zu verbringen und das Eine oder Andere zu erreichen. Ich weiß nicht sicher, ob ich spiele, aber ich glaube schon, dass ich gute Chancen habe, zur ersten Elf zu gehören.

Warum läuft es für Kamerun bei dieser WM besser? In Südafrika vor vier Jahren ging es ohne Punkt nach der Gruppenphase nach Hause …

Weil wir alle dazugelernt haben und ein paar Jahre älter geworden sind. Man hat gesehen, dass es nicht optimal geklappt hat und man sich selbst ein bisschen zurücknehmen sollte. Wir haben sehr starke Persönlichkeiten im Team, die auch sehr stolz sind. Aber das ist ja auch nichts Schlimmes. Das kann auch helfen.

In Brasilien haben Sie eine extrem starke Gruppe: Mit dem Gastgeber Brasilien, Kroatien und Mexiko. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Brasilien ist der klare Favorit – auf das Finale und den WM-Sieg. Bei den anderen werden wir sehen. Mexiko und Kroatien sind sehr stark, aber wir haben gute Spieler, und bei einer geschlossenen Mannschaftsleistung können wir dort auch was holen. Es sind ja nur drei Spiele, da ist jedes entscheidend. Und wenn man nicht von Anfang an bei der Sache ist, kann das schon in die Hose gehen.

Wer ist für Sie noch Favorit neben Brasilien?

Die üblichen Verdächtigen wie Spanien oder Deutschland – die spielen eine große Rolle. Die spielerische Qualität der deutschen Mannschaft spricht für sich. Aber bei einem Turnier kann sich immer noch viel ergeben. Am Ende sind wir alle schlauer.

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