Frauenpower auf Rollen: RuhrPott Roller Girls

Linda Pargmann, Linda Kohn und Juliane Maier (v. l.) von den RuhrPott Roller Girls | Foto: Lina Niermann

Ein paar Blessuren muss man schon einstecken können, wenn man sich für diesen Sport entscheidet. Roller Derby ist ein bisschen wie Football auf Rollschuhen, nur ohne Ball. Lina Niermann hat den ruppigen Vollkontakt-Sport beiden RuhrPott Roller Girls ausprobiert.

Meine ersten Schritte sind noch sehr wackelig. Ich halte mich sicherheitshalber an der Bande fest. Wann hatte ich das letzte Mal Rollschuhe an den Füßen? Das muss so mit sieben oder acht gewesen sein und stoppen konnte ich mit den Dingern nie. Das soll sich jetzt ändern. Ich bin beim Anfängertraining der RuhrPott Roller Girls, einem Roller-Derby-Verein aus Essen. „Um den Einstieg möglichst weich zu gestalten und das Verletzungsrisiko zu minimieren, haben wir ein Stufensystem eingerichtet“, erklärt Spielerin Linda Pargmann. Im Level 1-Kurs lernt man die Basics: Skaten, Bremsen und Fallen – Ja, auch Fallen will gelernt sein. Danach folgen Level 2 und Advanced. Erst wer das zweite Level erfolgreich absolviert und den „Minimum Skills Test“ – quasi die Führerscheinprüfung fürs Roller Derby – bestanden hat, darf Spiele bestreiten.

Das Spielprinzip

Rasantes Tempo, Rempeleien und Stürze – Das aus den USA stammende Roller Derby wirkt auf Zuschauer erst einmal unübersichtlich, folgt aber einem genauen Regelwerk. Gespielt wird auf einer ovalen, flachen Bahn (Track) gegen den Uhrzeigersinn. Jede Mannschaft besteht aus vier Blockerinnen und einer Jammerin. Die Blockerinnen haben zwei Aufgaben, sie müssen einmal die gegnerische Jammerin daran hindern, vorbeizukommen und gleichzeitig der eigenen Jammerin helfen, den gegnerischen Block zu überholen. Für jede Gegnerin, die die Jammerin überrundet, gibt es einen Punkt.

Bremsen und Fallen

Trainerin Juliane Maier zeigt mir, wie man richtig fällt. „One Knee“ und „Double Knee“ heißen die Übungen. Und ja, es kostet Überwindung, sich aus voller Fahrt langsam auf ein respektive beide Knie fallen zu lassen. „Dabei die Hände nicht auf dem Boden abstützen, beim Spiel könnte dir ansonsten schnell mal jemand über die Finger fahren“, meint Juliane. Danach stehen Rückwärtsfahren und Bremsen auf dem Programm. Mit dem Rücken in Laufrichtung öffne ich die Beine, umschreibe ein Oval und schließe sie dann wieder – „wie eine Zitrone“, sagt Juliane. Dabei genug Druck in den Oberschenkeln aufzubauen, ist ganz schön anstrengend. Linda Kohn ist seit zwei Monaten dabei. Bei ihr sieht das Ganze schon wesentlich professioneller aus. „Eine Freundin spielt Roller Derby in Hamburg, dadurch bin ich mit dem Sport in Kontakt gekommen“, erzählt sie. Zu Roller Derby gehört auch eine martialische Attitüde. Auf dem Spielfeld geben sich die Frauen kämpferisch und knallhart. Jede hat eine eigene Kampfidentität. Sie nennen sich „Bonnie Bazooka“ „Bella Knockarella“ oder „Mole O’Tov“. „Abseits des Spielfelds sind wir aber ganz nett“, meint Linda Pargmann augenzwinkernd.

Kein Dach über dem Kopf

Die RuhrPott Roller Girls sind auch sonst hart im Nehmen: Trainiert wird in einer ungeheizten Rollsportarena und auf der unbedachten Rollschuhbahn im Grugapark. Im Winter wird dann die Thermounterwäsche rausgekramt und heißer Tee eingepackt, um sich warm zu halten. Bei einer Spezialausgabe von „Wer wird Millionär“ hat Barbara Kotzulla, alias Babsi Balboa, kürzlich 32 000 Euro für den Verein gewonnen. Das Geld soll in eine Überdachung der Rollschuhbahn investiert werden. Der Gewinn wird dafür jedoch nicht reichen. „Wir hoffen, dass sich durch Babsis Aufruf in der Show vielleicht noch Sponsoren melden“, sagt Linda Pargmann. Bisher muss der Verein alles selbst stemmen. Allein die Sportausrüstung aus Rollschuhen, Schonern und Helm kostet rund 800 Euro – das harte Los eines Nischensports. Warum es ihr bei den Roller Girls dennoch so gut gefällt?„Hier darfst du so verrückt oder so spießig sein, wie du bist“, sagt sie, „wir sind wie eine kleine Family, die einen auch mal auffängt, wenn es einem nicht so gut geht. Außerdem geht man eigentlich immer glücklicher aus der Halle, als man gekommen ist.“

Weitere Infos zu Sport und Verein: rprg.de