Tanzgarde Blau-Weiss: Jecker Marathon

Die Funkemariechen der Prinzengarde Blau-Weiss | Foto: Frankenhauser Fotografie

Der Karneval steuert auf den Höhepunkt zu. Immer mittendrin: Die Tanzgarde Blau-Weiss. Und damit auch Marijke-Lena Meseck. Zehn Jahre lang hat sie selbst getanzt, seit zwei Jahren leitet sie die Garde zusammen mit Astrid Widera. Im Interview mit Piet Keusen erzählt sie vom anstrengenden Job in der Tanzgarde, der eigentlich mehr Sport ist als Feierei.

Wie sind Sie zum Tanzen gekommen?
Ich tanze seit meinem dritten Lebensjahr. Ich habe vieles ausprobiert, Ballett, Jazzdance, und Folklore. Als ich neun Jahre alt war, wollte ich unbedingt Tanzmariechen werden und das habe ich dann zwei Jahre lang gemacht. Dann wollte ich auf die großen Bühnen und bin zur Tanzgarde Blau-Weiß gewechselt. Seit meinem Abitur mache ich das jetzt.

Also sind Sie übers Tanzen zum Karneval gekommen und nicht umgekehrt?
Ich bin klassisch über das Ballett reingerutscht. Beim Ballett tanzt man ja meistens für sich und hat vielleicht mal eine Aufführung. Aber man trainiert nicht auf etwas hin, einen großen Event. Aber genau das tut die Tanzgarde. Wir können unsere Tänze einem großen Publikum zeigen. Das ist der Reiz.

Wie viele Auftritte haben Sie mit der Tanzgarde?
Die Tanzgarde hat etwa 45 bis 50 Termine von Januar bis Aschermittwoch und viel knubbelt sich nun mal an den Wochenenden. Da hat man dann schon mindestens fünf Termine hintereinander an einem Tag. Aber das meiste kommt an Altweiber. Da stehen 13 oder 14 Termine an.

Das klingt stressig? Wie läuft der Altweiber-Donnerstag in der Regel?
Wir treffen uns morgens gegen 9 Uhr, steigen in den Bus und damit fahren wir von Auftritt zu Auftritt. Wir ziehen uns im Bus um, dann hält er an, wir gehen raus, tanzen, rennen wieder in den Bus, schminken uns eventuell um und dann geht alles wieder von vorn los.

Was macht die Tanzgarde eigentlich, wenn gerade kein Karneval ist?
Nach Aschermittwoch haben wir zwei Wochen trainingsfrei und danach geht es sofort wieder los. Wir trainieren zweimal wöchentlich jeweils 3 Stunden. Nur so hält man eine ganze Session durch. Die Kondition muss aufgebaut werden und die Choreografien einstudiert. Das macht unsere Trainerin Nicole Seemann und sie sorgt so dafür, dass die Mädchen wirklich fit sind.

Wie lange dauert es, bis die Choreografie steht?
Nach der Pause, wenn auch neue Mädchen zur Garde stoßen, studieren wir zuerst die alten Tänze ein, damit die Tanzgarde komplett auf dem gleichen Stand ist. Derzeit sind wir 21 Mädchen zwischen 16 und 36 Jahren. Dann, etwa ab Pfingsten, werden ein neuer Gardetanz und ein neuer Showtanz einstudiert, dazu überlegen wir uns selbst Kostüme und schneiden die Musik. Viel Zeit bleibt dann schon nicht mehr, denn Ende Oktober ist General Corps Appell und spätestens dann muss alles stehen. Dabei stellt man die Tänze zum ersten Mal dem Publikum vor und bekommt direkt Feedback. So viel Zeit ist das gar nicht.

Haben Sie in dem ganzen Trubel überhaupt Zeit, selbst Karneval zu feiern?
Wir sind jeck, aber eher tänzerische Jecken. Wir alle lieben den Karneval, sonst könnte man das nicht machen und die viele Zeit auch nicht investieren. Aber man kann sagen, dass für uns die Session vorbei ist, wenn es für die anderen erst richtig losgeht. Nach Altweiber können wir uns zurücklehnen. Man ist groggy und weiß, was man in den Wochen davor getan hat. Aber das Gefühl ist toll, dass man eine erfolgreiche Session hinter sich gebracht hat. Und dann gehen wir gemeinsam auch ein bisschen feiern.