BVB: Fansolidarität mit Füßen getreten?

Südtribüne des BVB | Foto: Mathias Schumacher / matschbild.de

Fast nichts hat in der Fußballszene zuletzt solche Wellen geschlagen wie die Diskussionen um Problemfans und Pyrotechnik in den Stadien. Braucht es mehr Kamera-Überwachung und geschulte Ordner, um die vom Boulevard gern als „räudige Brut“ Gekennzeichneten in den Griff zu kriegen? Sind die bei Vergehen vorgesehenen Kürzungen der Karten- oder Stehplatzkartenkontingente für Auswärtsfans gegenüber den vielen friedlichen Stadionbesuchern nicht einfach nur ungerecht?

Man kann das Thema im Land des Reinheitsgebots und der DIN-Vorschriften noch weiter und länger diskutieren, es wird keine ultimative Lösung ans Tageslicht bringen, das alle beteiligte Parteien versöhnlich stimmt. Interessant aber, was der Kriminologie-Professor Thomas Feltes von der Ruhr-Universität Bochum zu der ganzen Problematik sagt: „Wenn ich mit dem Auto zum Stadion fahre, ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall verletzt zu werden, wesentlich größer als die Gefahr, beim Fußballspiel selbst Opfer zu werden.“

Die Dortmunder Südtribüne wird nicht von rechts unterwandert 

Vergleichsweise leicht scheinen sich die meisten Vereine und die große Mehrzahl der Fans dagegen mit der Ausgrenzung von Rechtsextremen zu tun. Nachdem der Fall eines angeblich rechtsextremen Ordners beim BVB für Aufregung gesorgt hatte, konterte der Club kurz vor dem Weihnachtsfest mit einer ausgedehnten Dokumentation auf der vereinseigenen Webseite. Es ist richtig und nachhaltig beweisbar, dass die Dortmunder Südtribüne nicht von rechts unterwandert wird. Das BVB-Fanprojekt, das nun seit 25 Jahren aktive Fan-Arbeit leistet, schätzt den harten Kern der aktiv Rechtsradikalen auf weniger als 50 Personen ein. Bei einem Publikumszuspruch von rund 80 000 Zuschauern ist das nur ein Promille-Anteil. Borussia Dortmund hat nur die rechtliche Möglichkeit, gegen öffentliche Aktivitäten und Plakate vorzugehen, was in der Hinrunde 2012/13 perfekt umgesetzt wurde.

Ein anderes Thema, das die westfälischen Stirnfalten in Runzeln legt, sind die eigenen Ultras. Ihr Interesse an Fußball und dem eigenem Verein wirkt im Gegensatz zur eitlen Selbstinszenierung fast wie eine lapidare Nebensache. „Wer mit Ski-Maske und Bengalo auf dem Zaun rumturnt, der tritt die zuletzt gelebte Solidarität unter den Fans mit Füßen“, schreibt Rutger Koch vom BVB-Fan-Portal Gib-mich-die-Kirsche in einem hinreißenden Plädoyer. Dabei steht Solidarität doch eigentlich für den Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten Individuen für gemeinsame Werte – und die sollte in den Farben Schwarz und Gelb strahlen.

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