Außergerichtliche Einigung zwischen Elfmeterpunktdieb und Fortuna Düsseldorf

Keine Unmenschen

Es sah fast so aus, als wolle man an ihm ein Exempel statuieren. Sascha K., 35, Fan von Fortuna Düsseldorf, sollte eine Strafe von 50.000 Euro bezahlen. Sein Vergehen: Das Ausbuddeln des Elfmeterpunktes im Relegationsspiel zwischen Fortuna und Hertha BSC.

Nun einigten sich Verein und Fan außergerichtlich. K. zahlt eine nicht genannte Summe an die – kein Witz – Elfmeterstiftung, die sich für Kinder mit Rückenmarksverletzungen einsetzt. Was für den Familienvater schwerer wiegen dürfte: Er erhält ein Stadionverbot bis 2014.

„Der Traum von jedem Fan“

Im Mai dieses Jahres hatte K. zusammen mit zahlreichen anderen Fortuna-Fans vor Ende des „Skandalspiels“ gegen die Hauptstädter den Platz gestürmt. „Da habe ich die Gunst der Stunde genutzt“, erzählte er später dem Boulevardblatt Express, „Es ist der Traum von jedem Fan, ein Stück Aufstiegsrasen mitzunehmen. Und der Elfmeterpunkt ist der königlichste Punkt auf dem Platz.“ K. perforierte also mit der Stange seiner Fahne das Grün, um den Punkt dann vorsichtig auszuheben und in Besitz zu nehmen. Dumm nur, dass er das vor laufenden Fernsehkameras tat. So wurde die Identität des „Elfmeterpunktdiebs“ – im Gegensatz zu vielen anderen am Rasensturm Beteiligten – innerhalb von kürzester Zeit ausgemacht. Erschwerend hinzu kam, dass K. mehreren Medienvertretern nicht ohne Stolz Interviews gewährte. Bei Fortuna Düsseldorf fand man das gar nicht witzig. Zumal dem Verein durch die Vorkommnisse ein beträchtlicher finanzieller Schaden entstanden ist. 150.000 Euro Strafe musste man zahlen, dazu kamen zwei Teilausschlüsse. Insgesamt gingen dem Club nach eigenen Angaben rund eine Million Euro durch die Lappen.

„Nicht normal“

Sascha K.s Pech: Laut Gesetz kann ein identifizierter Einzeltäter für den kompletten Schaden haftbar gemacht werden. So weit ist es glücklicherweise nicht gekommen. „Wir sind keine Unmenschen“, betonte Fortunas Finanzvorstand Paul Jäger. Dennoch: „Es ist nicht normal, Tornetze zu zerschneiden, Tore zu zerstören, Rasen heraus zu buddeln oder Eckfahnen zu stehlen.“ K. dürfte das ein für allemal verstanden haben. Und auch von Interviews lässt „der geile Elfmeterpunktdieb“, wie er auf einer Facebookseite genannt wird, mittlerweile lieber die Finger. Seine Teilnahme am Jahresrückblick mit Günther Jauch auf RTL sagte er vorsichtshalber ab. Jäger wundert sich derweil über die Einladung: „Mich würde interessieren, ob er auch eingeladen worden wäre, hätte er ein Rasenstück aus dem Vorgarten von Günther Jauch herausgeschnitten.“

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