Clubkultur westliches Ruhrgebiet: Mit Attitüde

Bang! Der Partymagnet im Oberhausener Druckluft | Foto: inqueery.de

Das westliche Ruhrgebiet gilt nicht gerade als Epizentrum der Partykultur im Pott. Dennoch müssen die Nachtschwärmer keineswegs zwangsläufig rüber in den Osten, um ein ansprechendes Nachtleben zu finden – zumindest nicht, wenn ihr Interesse an Underground-Clubs eher gering ist. Hier feiert man dafür in ausgewählten Spots – vom Kleinod bis zum Schloss. Und neue Pläne werden auch geschmiedet.

Duisburg

Zugegeben, es ist schon etwas her, dass man in der S1 Feierwütige auf dem Weg nach Duisburg oder Mülheim ins Meta Luna, Mono oder Schifferhaus treffen konnte. In Duisburg versuchte später noch das Chism das Großstadtflair im Dellviertel zu verteidigen. Auch das Hundertmeister sowie der High 5 Club im Europa-Kino sind Geschichte. Auf der Suche nach dem ausgefallenen Clubabend oder dem hippen DJ-Sound aus London und Berlin werden die Clubber diesen Winter wohl nicht durch die Duisburger Straßen ziehen. Manch einer behauptet, dass die Coolness spätestens mit dem Ruhestand von Horst Schimanski die Stadt verlassen hat. Grund für eine Monatsfahrkarte in Richtung Dortmund?

Zwischen Tristesse, Kö...

Die Djäzz Tanzfläche | Foto: Sascha Bertoncin

Das hängt von der musikalischen Präferenz des Betrachters ab. „Es gibt durchaus einen Mittelweg zwischen Duisburger Tristesse und Düsseldorfer Altstadt“, meint Sascha Bertoncin, der im Djäzz das Programm koordiniert. Neben Konzerten werden in der Traditionslocation Reggae, Punk, Metal, Electronica, Funk sowie Band-Battles präsentiert. Bei Indie, Britpop und Sixties-Soul-Allnightern wird auf der Tanzfläche gegroovt. Nicht weit entfernt geht es im Grammatikoff mit Mash-Ups, HipHop, Dancehall, Soul und Rock’n’Roll zur Sache. Ein Höhepunkt der nächtlichen Ausschweifungen ist hier das regelmäßige Duisburger DJ-Treffen mit Querbeet-Sets von bis zu acht DJs, die zwischen Morrissey, Diplo, Curtis Mayfield, Damien Marley, Crystal Waters und Dizzee Rascal driften. Das goldengrün im gleichen Viertel ist eine Mischung aus Mini-Club und Bar. Der kleine Laden ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt für seine Mixgetränke und zeichnet sich für Freunde von DeepHouse, obskuren Vinyls, Rocksteady, Boogie, deepem Funk, Swing und HipHop durch das spannendste Musikprogramm Duisburgs aus.

...und gallischen Dörfern

Das Pulp von Außen

Das Pulp in Duisburg-Hochfeld sticht durch sein Äußeres als Schloss mit Natursteinfassade sowie sein Inneres mit Grotten, rustikalen Hallen und Skulpturen aus der Clublandschaft heraus. „Musikalisch können wir in der Größenordnung natürlich keine Nischen bedienen, sondern setzen auf drei Tanzflächen auf Pop, Rock und Partyhits“, weiß Mario Wollenberg, der sich im Pulp um den Clubbetrieb kümmert. Donnerstags sind die Disco-Gemäuer Kulisse für die Wave- und Gothic-Szene. „Das passt optimal zusammen“, ergänzt Wollenberg, der es für Duisburg schade findet, dass „die undergroundige Clubkultur im westlichen Ruhrgebiet irgendwie weniger spannend ist als nebenan“. Die dunkle Szene kommt weiterhin samstags im Kultkeller bei Gothic, EBM und Industrial auf ihre Kosten. Eine außergewöhnliche Location bringt der Motorradhändler Jansen ins Rennen, der jeden Samstag sein Firmengelände im Stadtteil Bergheim zum Club für ein buntes Ü30-Publikum umfunktioniert. Gemischt ist das Partypublikum auch unter den Musikzelten des Delta an der Hambornerstraße. Nach dem Insolvenzantrag geht es seit Herbst mit modifiziertem Konzept, teilweise als einzelne Party-Area eXtra, weiter. Im Meidericher Parkhaus hat man sich jeden ersten Freitag im Monat auf Pop- und Rockhits spezialisiert. Im Technologiezentrum ist das Babu Su beheimatet und sorgt mit Salsa- und Dancehall-Partys sowie türkischem Pop für exotische Klänge im Univiertel.

„Wer im Clubbereich eine gute Idee hat und sich traut diese umzusetzen, macht dies aktuell leider eher in anderen Städten“, merkt Djäzz-Lenker Bertoncin an. Dabei gibt es nicht nur mit dem Innenhafen und dem Landschaftspark Nord interessante Spots. Die kreative Szene in Ruhrort trifft sich auch in einer ehemaligen Eisenwarenhandlung im Lokal Harmonie. „Es fehlt eine ausreichende Menge an guten Ausgehorten, um vom attraktiven und lebendigen Duisburger Nachtleben zu überzeugen“, resümiert Bertoncin.

mülheim

Shanghais geplanter Jazzclub, c: Dratz & Dratz

Nebenan in Mülheim scheint die Clubsituation noch angespannter zu sein – zumindest, wenn man die Aussagen des langjährigen DJs und Veranstalters DJ Redd hört, der seine Partys ins Duisburger Grammatikoff ausgelagert hat. „Leider ist Mülheim clubmäßig tot. War es schon vor zehn Jahren. Hier geht gar nichts“, meint der Reggae-Experte. Ansonsten sind es einzelne Events wie das Ruhr Reggae Summer Festival und die Funkhaus Europa-Party, die musikalische Höhepunkte im Jahresablauf setzen, einheimisches und auswärtiges Publikum sowie internationale Stars anlocken. Im AZ an den Bahngleisen und der Auerstraße gibt es dennoch empfehlenswerte Partyreihen, die Sounds von Indie, Minimal, Punk, Wave, Techno, Metal, Gothic bis zu Drum & Bass anbieten. Nachdem größere Clubs, wie Gelber Elefant und Nightstyle geschlossenen haben, können Freunde gemischter Partymusik an der Sandstraße auf ihre Kosten kommen. Während es im Hapa Haole, einer hawaiianischen Bar im ehemaligen Freeland, samstags Elektroswing, Charts und Rock’n’Roll gibt, gilt das TiC in unmittelbarer Nähe als Heimat für schwarze Musik und Pop in Mülheim.

Kay Shanghai, gebürtiger Mülheimer und Macher des Essener Hotel Shanghai, möchte mit dem Umbau einer einstigen Sanitäranlage zur Pianobar samt Miniclub das Nachtleben in der Innenstadt bereichern. Im Frühjahr soll das architektonisch anspruchsvolle Kleinod auf die Zielgerade gehen und dann mit Konzerten, Lesungen und kleinen Partys bespielt werden. Auch die HipHop- und MashUp-Jungs von Supakool aus dem Essener Goethebunker haben einen neuen Clubabend in Helges Stadt angekündigt. Man kann gespannt sein.

oberhausen

Foto: alarmen.de via <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">cc</a>

Eine City weiter nördlich spielt sich das Nachtleben zu konsensfähiger Musik am Oberhausener Einkaufszentrum CentrO und in freizeitparkähnlicher Atmosphäre ab. Die Clubs an der Promenade, wie Adiamo und König, bieten meist House, Charts und Dance-Classics. Die Turbinenhalle kommt mit viel Veranstaltungsfläche, großem Konzertprogramm und Partys zwischen Hardcore, Metal und TechHouse daher. Das Steffy ist auf dem Gelände seit sieben Jahren eine feste Adresse für House- und Dance-Fans. Nebenan geht es im Kulttempel einen Schritt vor und zwei zurück zum Klang der schwarzen Szene.

Gegenüber der Party-Phalanx der Neuen Mitte kümmert sich das Zentrum Altenberg als Verein auf dem Gelände der ehemaligen Zinkfabrik am Hauptbahnhof um Ausgehalternativen bei Pop, Charts, Indie, EBM, Soul und korrekt gemischter Musikwundertüte. Das Kulturzentrum Druckluft liegt inhaltlich und räumlich nicht weit entfernt. Neben Underground-HipHop-Partys, Goa-Nächten, Punk, Dubstep, Electronica und Indierock sind es hier vor allem Techno-Veranstaltungen, welche das musikalische Spektrum Oberhausens und die Publikumsstruktur subkulturell erweitern. So strömt ein alternatives Publikum im vierstelligen Bereich aus dem ganzen Ruhrgebiet regelmäßig zu den Beatplantation-Partys, bei denen es in den vielen Hallen, Räumen, Plätzen und Ecken des ehemaligen Zechengebiets seit zwölf Jahren Underground-Techno, Jungle, Dubstep, Funk, Drum & Bass, Indie, HipHop, Kunst sowie Licht- und Dekoinszenierungen von Locals mit Attitüde und gesellschaftskritischer Message zu entdecken gibt.

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