Clubkultur Essen: Große Erwartungen

Frohnatur-Gelände | Foto: Jule Müller

Essen liegt im Zentrum des größten Ballungsraums Deutschlands. Auf der Club-Landkarte sehen sich die vielen Partys allerdings im Mittelpunkt der Welt. Vergleiche werden nicht innerhalb der Region, sondern direkt mit europäischen Metropolen gezogen. Das Selbstbewusstsein der Clubszene in Essen spielt in einer ganz eigenen Liga!

Modern die Skyline, langjährig die Tradition – mit Epizentren wie der ehemaligen Roten Liebe: House in allen Spielarten ist der dominierende Sound auf den Tanzflächen links und rechts der A40. Davon gibt’s fast so viele wie in Dortmund, jedoch ist der Anspruch der Essener Clubs an sich selbst höher, ihr Look stylisher. Hier können Clubgänger die meisten VIP-Bereiche, die teuersten Ausgehpakete buchen. Viele Underground-Clubs stechen ebenfalls heraus. Klare, stilvolle Designs, die aus Hipster-Magazinen stammen könnten, bestimmen das Erscheinungsbild. Nirgends im Ruhrgebiet gibt’s so viele internationale Künstler zu sehen wie in Essen. Ausgehfreudige Studenten, solvente Kreative, Nachtschwärmer aus dem Bergischen Land, frische Labels, starke DeepHouse- und Techno-Produzenten: Die Clubkultur besitzt einen soliden Rückhalt!

Untertauchen

Ahmet Sisman vom Goethebunker bestätigt Essen die „große Auswahl an guten Clubs, die ihren Platz in der Szene haben“ und „ein sehr vielseitiges Angebot, was das Nachtleben angeht.“ Im Goethebunker (Foto links), den Ahmet und Arnesa Sisman nach Carsten „Casio“ Wegmanns Rückzug weiterführen, herrscht eine ungezwungene Atmosphäre, die mit den ehemaligen Luftschutzräumen in der Goethestraße korrespondiert. Es gibt deep-emotional bis dreckig-düster pulsierenden Techno und House bei meist von Fremdveranstaltern organisierten Clubnächten. Regelmäßig schauen weltweit gefragte DJs und Live-Acts von Labels wie Innervisions oder Legenden wie Tikiman an den Mixern der beiden intimen Bunker-Floors vorbei. „Vom Stil her würde ich den Goethebunker eher in die Berliner Szene einordnen: rau, dunkel, dreckig, mit Fokus auf den Sound“, ergänzt Ahmet Sisman. Partyreihen wie Untertauchen, Bunkernacht oder Reisebureau prägen den renommierten Club zusätzlich.

„Ich finde das Thema Bookings mittlerweile überbewertet“, sagt Ramin Köhn und kündigt bei der Reihe des Komm-Spielen-Kollektivs im (A Club Called) Gracejones die DJs nicht mehr an. Stattdessen besorgt der Ex-Mitbetreiber der Roten Liebe (von 1992 bis 1997 einer der wichtigsten House-Clubs Deutschlands) schon mal eine Autoscooter-Anlage für die Nacht.

Versteck & Laufsteg

Im industriell geprägten Westviertel in der Nähe sind das Outdoor-Gelände und die Tanzfläche im Innern der Frohnatur die Gewinner des Party-Sommers 2014. Initiiert von der Underground-Techno-Gemeinde um das Duo Straßenmusik und unterstützt durch den benachbarten Diskopark Delta, „könnte hier ein Veranstaltungsgelände entstehen, wie es in Deutschland selten zu finden ist“, meint Ramin Köhn. Beim Open-Air „Die Todesäste der Shaolin“ tummelten sich DJ Koze, Isolée, Marcus Worgull und ein begeistertes Publikum zwischen Sand, Holz, Beton, abgefahrenen Sitzmöbeln und Sommerlager-Feeling. Mitveranstalter Köhn ist überzeugt: „In der Größenordnung war das vom Publikum her mit das Beste, was ich je erlebt habe“. Technoid und abseits von Mainstream-Pfaden geht es in der Frohnatur auch bei anderen Veranstaltungen zur Sache, bei denen die Rave-Kultur von einer jungen Partymeute gefeiert wird.

Trotz entsprechenden Publikums sind in Essen weniger Partys in Off-Locations und Grauzonen üblich als in Dortmund und Bochum. Das Hotel Shanghai an der Steeler Straße überzeugt durch überraschende Bookings mit Crossover-Potential zwischen Techno, Pop, Electro, Gitarre und House und der Philosophie, den Clubbern sowohl ein Versteck abseits des Mainstreams als auch einen Laufsteg für Extravaganzen zu bieten. Hier traut man sich was. Mike Rui vom Produzenten-Duo Quartier Midi attestiert: „Das Gute am Publikum ist die Punkrock-Haltung!“

Anlaufpunkte

Templebar

In Essen-Rüttenscheid ist Feiern Dauerthema, denn hier reihte sich schon immer Bar an Bar. Techno und House in seiner beliebten Mischform sowie Rock und Black Music sind die Soundtracks im Solid. Eine familiäre Atmosphäre und lokale Acts sind im 19 Down zu erleben; neben Dancehall, Trap und HipHop liegt ein Schwerpunkt auf melodiösem House und Techno. Das Jeezus in Nähe der Philharmonie sowie das Frida am Stern und die Club Herberge in der ehemaligen Capri Bar bieten technoide House-Tracks und Charts, während man im Plan B „an der Rüttenscheider Strasse bei entspanntem Live-Jazz und Songwritern relaxen kann. Die Bars im Umfeld wie Zweibar und Banditen wie wir kooperieren mit Clubreihen, organisieren Konzerte, Lesungen und Poetry Slams. Im Kiosk wird man oft von Soul-, House-, Jazz- und Funkabenden überrascht.

Elegant geht es im Ambiente des Innenstadt-Clubs Essence in den Räumen eines alten Kinos auf Emporen und zwei Floors mit Black Music, House, Klassikern, Motto-Partys und Showgirls durch die Nacht. Im Studio sorgen in unmittelbarer Nachbarschaft derweil bekannte Techno-DJs wie Magda oder Oliver Koletzki für ein ekstatisches Rave-Gefühl. Das Baliha am Pferdemarkt bringt ein Ü30-Publikum mit Dance-Classics, R’n’B, Dancehall und House zum Tanzen. Die Heldenbar im Grillotheater bietet Alternative Pop, Funk, Indie, House, Soul und Charts. Eine Institution ist die Templebar am Salzmarkt, die ein gemischt-alternatives Programm bietet mit HipHop, Bassmusik, Gothic, Industrial, Groovigem und Reggae. Bei Schülern und Studenten ist die Musikpalette mit Charts, R’n’B und House an der Kettwiger Straße eine feste Adresse, während das KKC an der Uni bei seinen Partys für tanzwütige Akademiker ein guter Anlaufpunkt ist. Donnerstags bringt das Naked die Studenten mit gemischter Musik in der Rottstraße auf den Floor. Um die Ecke bauen Turock und Panic Room auf Gitarren-Sounds, Metal, Ska, Crossover, Punk sowie auf Reggae, Soul und Funk. In Altenessen ist die Zeche Carl ein Party-Monolith mit seinem Spektrum von 80er-/90er-Hits, Wave und Gothic bis Latin. Noch mehr sommerliche Sounds gibt es im Cubar, gelegentlich im Katakomben-Theater und im Pedros. Wenn der Sommer vorbeischaut, sind die Spots am Baldeneysee, wie das Haus am See, gute Partyorte, die jedoch selten bespielt werden.

Große Ziele

Heldenbar Resident-Djane: Sayorkcity

Man möchte mitspielen, und die Lokalpolitik macht, in gewissem Rahmen, genau das – zumindest wenn man Ramin Köhn fragt: „Es läuft kooperativ, wenn man sich ordentlich verhält.“ Der Goethebunker-Chef Sisman ergänzt: „Wenn man das ganze Ruhrgebiet oder gar NRW betrachtet, dann höre ich auf mich zu beschweren. Der Goethebunker liegt in einem Wohngebiet und wir machen dort seit sieben Jahren Partys. Eventuell ist die Stadt doch toleranter als Düsseldorf – oder Dortmund mit seiner Sperrstunde.“

Große Ziele prägen die Essener Clubkultur: Ahment Sisman rät der Stadt, „mehr Risiko zu wagen“. Ramin Köhn sucht nach dem „Übergreifenden“, dass „im Kleinen funktioniert, aber im Großen nur schwer zu realisieren ist“. Sisman: „Die Leute warten nur darauf, das was Neues und Originelles passiert. Manchmal muss man nicht so viel nachdenken, sondern es einfach machen. Und wenn man auf die Schnauze fällt, dann probiert man es halt noch mal!“

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