Vampire Weekend: Ein Sommernachtstraum

| Foto: Anna Dörnemann

Erst im Mai brachten die vier Jungs von Vampire Weekend ihr drittes Album „Modern Vampires of the City“ auf den Markt. Das erste Mal seit der Veröffentlichung spielte die Band ein Konzert in Deutschland und bescherte den Fans im Kölner E-Werk einen visuell und musikalisch bis ins kleinste Detail perfekten lauen Sommerabend.

Man hätte vermuten können, dass das Vampire Weekend Konzert in Köln ein Kampf der Geschlechter, ein Battle von East Coast gegen West Coast sein könnte. Immerhin besteht Haim, die Vorband des gestrigen Abends, aus drei Frauen, die allesamt aus Los Angeles stammen. Das männliche Pendant hingegen ist ein Herrenquartett, das seine Wurzeln in New York hat.

Doch das Motto der Stunde war ein ganz anderes: exzellente Musik, gute Stimmung und ein Hauch Urlaubsfeeling lagen in der Luft.

Haim ist der Nachname der drei Schwestern aus L.A.

Optisch eine Mischung aus Alanis Morissette, den Hanson Brothers und der Kelly Family, legten die drei Schwestern von "Haim" eine rundum souveräne und selbstbewusste Steilvorlage für den Hauptact hin. Zu Beginn noch rockig schrammelig entfaltete der Auftritt gerade zu seinem Ende hin eine Dynamik, die den ganzen Raum mitriss. Besonders bei ihrem allerletzten Stück bewiesen die drei Damen, dass sie ihr Handwerk wirklich beherrschen. Druckvoll und energetisch wurde der Gig mit einer furiosen Drumsession beschlossen. Haim können nämlich nicht nur singen, texten, Keyboard, Bass und Gitarre spielen, sondern auch noch hervorragend mit den Drum Sticks umgehen. Wer sich einen Eindruck von Haim verschaffen will, sollte sich unbedingt die Stücke Don´t Save Me oder Forever anhören, die starke 80er-Jahre-Synthie-Pop-Einflüsse haben und direkt ins Ohr und die Beine gehen. Vampire Weekend hätten sich wirklich kaum eine bessere Vorband als Support Act aussuchen können.

Fast wie in der Unterwäscheabteilung

Dementsprechend ausgelassen und entspannt feierten die Fans gegen viertel nach neun den Opener Cousins als die vier New Yorker die Bühne betraten. Im Hintergrund derselben hatte man einen riesigen Banner aufgehängt, der mit blass rosafarbenen und roten Rosen verziert war, die stark an die Tapete in H&M Unterwäscheläden erinnerte. In der Mitte des Banners prangte ein Spiegel, der bei einigen Songs auch als Leinwand mit kurzen Videos fungierte. Man kam einfach nicht umhin bewundernd festzustellen, wie perfekt und komplett stimmig die Band sich präsentierte – einen Augen- und Ohrenschmaus erster Klasse ablieferte. Ezra Koenig trug alle Songs mit glasklarer und unverwechselbarer Stimme vor; der Sound und die Ausstrahlung der Band waren dabei schlichtweg vereinnahmend. Besonders bemerkenswert war an vielen Stellen, dass Vampire Weekend mit so vielen Einflüssen und kleinen Details spielen. Angemerkt sei hier, dass Keyboarder und Produzent Rostam Batmanglij ein wahrer Gewinn für die Band ist. Ob an der Orgel oder am Keyboard, gerade Stücke wie Hannah Hunt oder M79 entfalten erst ihre wahre Schönheit und Einzigartigkeit durch das leichtfüßige Spiel Batmanglijs, der unüberhörbar ein großer Mozart Fan sein muss. So hatte man durch diverse Klavier- und Orgeleinlagen oftmals das Gefühl, man stünde in einer riesigen Kathedrale und nicht in einem ehemaligen Umspannwerk.

Beschlossen wurde der Gig mit einem echten Klassiker: Walcott. Letzte Kraft- und Tanzreserven wurden mobilisiert und hemmungslos mitgeschunkelt und mitgesungen. Insgesamt war es eine familiäre und fast schon besinnliche Stimmung, die gestern im E-Werk den Ton angab. Kein unachtsames Geschupse oder Gedrängel, sondern nur knutschende Pärchen, begeisterte beste Freunde und sogar ein Vater, der seinen kleinen Sohn auf den Schultern trug.

Als die Männer des Abends ihre allerletzte Zugabe gespielt hatten und das Licht wieder anging, dröhnte Frank Sinatras „New York, New York“ aus den Boxen. Im Falle von Vampire Weekend trifft eines ganz gewiss zu:„If I can make it here, I can make it anywhere“.

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