State of the Art: Peter Weiss

Peter Weiss | Foto: Peter Weiss

Ohne ihn wäre die Düsseldorfer Jazz-Szene eine andere – der Schlagzeuger Peter Weiss ist einer der umtriebigsten Musiker der Stadt. Er hat die Jazz-Schmiede mit aufgebaut, deren künstlerischer Leiter er ist, fördert beständig neue Talente und rief den „Jazz im Hofgarten“ ins Leben. In diesem Sommer feiert die Konzertreihe ihr 40-jähriges Jubiläum.

In den 60er Jahren war Düsseldorf eine Hochburg des Jazz. Es gab das renommierte Amateur-Jazz-Festival, Konzerte in der Rheinhalle (heute Tonhalle) und im legendären Downtown in der Altstadt spielten Musiker von Weltrang. „Eine bessere Ausbildungsstätte konnte man sich gar nicht wünschen“, sagt Peter Weiss, der damals in den Zwanzigern war. Die Kluft zwischen Jazz und Pop war noch nicht so groß, man hatte rege Kontakte zur Kunstszene, es herrschte Aufbruchstimmung. „Da ist so viel passiert in dieser Zeit. Wir dachten natürlich, das wäre normal.“
Um den Jazz aus den Kellern zu holen und die Szene breiter aufzustellen, gründete sich Ende der 70er die „Interessengemeinschaft Kreativer Düsseldorfer Musiker“. Das Vorhaben war, Musik im Park zu etablieren, ähnlich wie in Amsterdam oder Kopenhagen. Die Stadt gab grünes Licht und einen Zuschuss – 1979 feierte „Jazz im Hofgarten“ Premiere.

Nicht auf Anhieb lief alles rund. „Wir haben relativ lange rumgebastelt.“ Mal gab es Einzel-, mal Doppelkonzerte, Termine vor oder nach den Ferien, die Finanzierung schwankte und die Besucherzahlen. Von der Initiative, die später in „Jazz in Düsseldorf e. V. „ als Veranstalter aufging, blieb nur noch Peter Weiss übrig. Nach 20 Jahren stand das Projekt kurz vor dem Aus.
Die rettende Idee war die Verknüpfung von Jazz und Weltmusik, ein Konzept, das Weiss mit Ladislav Ceki vom Eine Welt Forum entwickelte, das Kooperationspartner wurde. „Jazz war immer Weltmusik, ist ja daraus entstanden.“ Der Plan ging auf: „Das hat auf Anhieb super funktioniert.“ Seit 2001 verdoppelte sich die Besucherzahl von „Jazz & Weltmusik im Hofgarten“ auf 800 bis 1.000, wozu auch feste Termine beigetrugen – immer am letzten Juli-Samstag und an den ersten drei Samstagen im August.
Programmatisch ist die Reihe weit gefächert, ein Mix aus arrivierten Künstlern und Newcomern, lokalen und internationalen Acts. Große Namen wie Joe Zawinul oder Maceo Parker haben schon im Hofgarten gespielt, wichtiger aber als Headliner sind Vielfalt und die Entdeckung neuer Talente. Da ist es von Vorteil, dass der Chef selbst Musiker ist und kein kommerziell denkender Veranstalter: „Wir machen keine Trends, sondern bilden die Szene ab.“

Noch nie fiel ein Konzert aus
Zur 40. Ausgabe gibt es ein klassisches Line-up acht ganz unterschiedlicher Gruppen: Die nur selten in Deutschland auftretenden Amants de Lulu aus Katalonien geben sich die Ehre, Dagadana aus Polen/Ukraine, die für ihr aktuelles Album „Meridian 68“ gefeiert werden, der ivorische Balafon-Virtuose Aly Keita. Philipp van Endert spielt mit dem isländischen Gitarristen Björn Thoroddsen, der hierzulande nahezu unbekannt, in seiner Heimat aber ein Star ist. Die deutsch-türkische Band Tan ist dabei, das international besetzte Ensemble Eurasians 5 sowie das aufstrebende Jan Prax Quartett. Und der Jazzpool NRW, mit Peter Weiss an den Drums, hat hat zwei spanische Kollegen zu Gast.
Sehr ungewöhnlich für eine Open-Air-Veranstaltung: In vier Jahrzehnten wurde sie wetterbedingt noch nie abgesagt. Zwar musste bisweilen auf andere Spielstätten ausgewichen werden, doch alle Konzerte fanden statt. Selbst als Pfingststurm Ela den Hofgarten verwüstet hatte, da zog man um zum Ehrenhof. Aber nicht nur das Wetter ist eine unberechenbare Variable: Unvergessen die Geschichte von dem bekannten deutschen Trompeter – „den Namen nennen wir nicht“ –, der um 13 Uhr in den Park kam und feststellte, dass er sein Instrument vergessen hatte. Ein Kollege aus Köln reiste an und half mit seiner Trompete aus.

Rund 150.000 Menschen haben in 40 Jahren die Konzerte im Hofgarten besucht. „Das ist für Minderheitenmusik schon nicht schlecht“, sagt Peter Weiss. Entscheidend für den Erfolg sei, dass die Veranstaltung unkommerziell ist: kein Eintritt, kein Bierstand, kein Merch. „Ein Bierstand würde die Sache entschieden ins Negative verändern.“ Die Leute sollen kommen, picknicken, eine gute Zeit haben. Und niemand muss verdursten – ein Sponsor gibt umsonst Wasser aus. „Ein bisschen back to the roots und trotzdem mit Service.“

Jazz & Weltmusik im Hofgarten: 28.7., 4., 11. & 18.8. (jeweils 15 Uhr), Düsseldorf

 

 

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