Benedikt Stampa stellt sein letztes Saisonprogramm am Konzerthaus Dortmund vor

Intendant Benedikt Stampa verlässt im September das Konzerthaus. | Foto: Nina Stiller

Abschiedsblues und Vorfreude: Bei der Pressekonferenz im Konzerthaus Dortmund traf beides aufeinander. Abschiedsblues, weil Benedikt Stampa nach dreizehn Jahren sein Amt an Raphael von Hoensbroech übergibt. Und Vorfreude auf sein letztes Programm, das der Intendant für die kommende Saison zusammengestellt hat. Einzig bei der Konzertreihe „Junge Wilde“ durfte der Neue schon mitmischen, der ab September das Ruder in die Hand nimmt.

„Die Mannschaft ist wichtiger als der Trainer“, stellte Stampa auf typische Dortmunder Art bei der Pressekonferenz klar. Er sei überzeugt davon, dass das Haus mit seinem hervorragenden Team auch ohne ihn gut zurecht komme. Seit 2006 hat Benedikt Stampa das Konzerthaus, das damals noch in den Kinderschuhen steckte, maßgeblich geprägt. Mit Formaten wie „Junge Wilde“ oder „Exklusivkünstler“, bei denen sich Künstler für drei Jahre dazu verpflichten, im Konzerthaus aufzutreten, hat er es geschafft, eine enge Beziehung zwischen Musikern, Zuschauern und Mitarbeitern aufzubauen. „Es ist immer schön zu sehen, wie sich Künstler in diesen drei Jahren entwickeln und auch das Publikum kann diese Entwicklungslinie nachverfolgen“, meinte Stampa.

Klassisches und Experimentelles

Beatrice Rana | Foto: Nicolas Bets

Für die Konzertsaison 2018/19 dürfen sich Besucher auf ein breit gefächertes Programm freuen: Von virtuosen Pianisten über afrikanische Rhythmen bis hin zu asiatischer Kammermusik wird sowohl klassikaffinen als auch experimentierfreudigen Ohren einiges geboten. coolibri präsentiert gleich mehrere Veranstaltungen des Konzerthauses. Darunter das Konzert der 25-jährigen Italienerin Beatrice Rana, die als „Junge Wilde“ am Klavier nicht nur Schubert, Brahms und Schumann, sondern auch Dmitri Schostakowitsch interpretiert (19.9.). Im Oktober reist Sopranistin Barbara Hannigan mit den Bamberger Symphonikern an und hat einen ganz besonderen Orchesterlieder-Zyklus im Gepäck. „Let me tell you“, ein hoch emotionaler Liederzyklus über Liebe und Schmerz, hat der dänische Komponist Hans Abrahamsen nämlich eigens für Hannigans Stimme geschrieben (30.10.). 

Tanzrhythmen und Weltklänge

Oumou Sangaré | Foto: Benoit Peverelli

Traditionell und modern zugleich wird es am 24.11. mit Oumu Sangaré, der malischen Wassoulou-Musikerin. In ihren Songs vereint sie die hypnotischen Tanzrhythmen ihrer Vorfahren mit modernen Instrumenten wie Gitarre, Bass und Schlagzeug. Ihre Texte thematisieren Missstände und gesellschaftliche Tabus.
Fliegende Finger und knappe Outfits, dafür ist Pianistin Yuja Wang bekannt. Sie pfeift auf starre Konventionen und macht einfach ihr Ding. Nachdem Wang 2009 „Junge Wilde“ wurde, kehrt die 31-Jährige nun für vier Konzerte nach Dortmund zurück. Am 19.1. spielt sie gemeinsam mit Leonidas Kavakos Mozarts „Sonate für Klavier und Violine B-Dur“ (KV 454). Außerdem stehen Werke von Richard Strauss, Sergej Prokofiew und Béla Bartók auf dem Programm.
Auf unbekannten Pfaden ganz weit in den Osten geht es mit der Zeitinsel „Klang der Seidenstraße“. Zum ersten Mal bringt die Aga Khan Music Initiative (AKMI), die sich für die Wiederbelebung der asiatischen Musiktradition einsetzt, ihr Konzertprogramm nach Deutschland und residiert drei Tage lang in Dortmund (15.-17.2.). Geplant ist unter anderem ein multimedialer Abend, der mit traditionellen Instrumenten, Theater und Filmsequenzen die zentralasiatische Legende der „Qyrq Qyz“, der vierzig Mädchen, erzählt, die ihren Turkstamm gegen Angriffe verteidigten (16.2.). 

Zukunftspläne und mahnende Worte

Yuja Wang | Foto: Kirk Edwards

Das Programm für die Saison 2018/19 trägt einmal mehr die Handschrift Benedikt Stampas, der laut eigener Aussage ein Faible für das Abseitige hat. Was sein Nachfolger Raphael von Hoensbroech, noch Geschäftsführer des Berliner Konzerthauses, in Zukunft plant, wollte dieser bei der Pressekonferenz noch nicht verraten - fest steht nur, dass die Reihe „Junge Wilde“ fortgeführt wird. Bewährte Konzepte, die das Profil des Konzerthauses prägen, sollen beibehalten, aber auch viel Neues ausprobiert werden, so der Tenor der beiden Intendanten. Mit Blick auf die Musiklandschaft in ganz Deutschland sprach sich Stampa für eine weitgehende programmatische Öffnung der Konzerthäuser aus, wie dies auch schon an vielen Orten geschehen sei. Konkret bedeute dies: mehr Neue Musik, mehr dramaturgisch orientierte Formate und Festivals. Zum Abschied mahnte der Intendant: „Wir müssen aufpassen, dass wir mit unserer Musik nicht den Anschluss zur Gegenwart verlieren.“ Lina Niermann

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