Dagewesen: Queen Esther Marrow & The Harlem Gospel Singers

Mit 76 Jahren verabschiedet sich Queen Esther Marrow von der Bühne. | Foto: Tossia Corman

Sie liebt uns. Soviel ist klar. Schließlich erwähnt sie das in jedem zweiten Satz. Aber auch für die ein oder andere ernstere Message, nicht nur musikalischer Natur, nutzt Queen Esther Marrow am Freitag abend in der Tonhalle das Podium.

Es fängt, zugegegebener maßen, kitschig an. Sehr kitschig! Auf einer großen Leinwand erscheinen Bilder von Queen Esther Marrow und Menschen, die sie in ihrem Leben begleitet haben.Dazu ertönt von der (großartigen) Band “Have I told you lately, that I love you?”. Kurzes Stutzen – sie lebt aber doch noch? Ein Tribut an ein bewegtes Leben – und wie bewegt! Sie marschierte mit Martin Luther King, sang mit Mahalia Jackson, traf Päpste, Präsidenten, Popstars und reiste um die Welt. Da kann man sich auf seiner Abschiedstour doch mal ein bisschen selber feiern!

Gospel im wahrsten Sinn

Und dann betritt sie die Bühne: Die Gospel-Queen persönlich! Standesgemäß in einer goldenen Robe, wunderschön anzusehen mit ihren 76 Jahren, schreitet sie auf, unter einem riesigen Regenbogen. Und legt sofort los. “Walking on Sunshine”, und man kauft ihr jedes Wort ab. Nach und nach holt sie ihre Gospel-Babies auf die Bühne, sechs an der Zahl, und bei “Nobody But You Lord” wird auch schnell klar, dass es tatsächlich darum geht – Gospel im wahrsten Sinne des Wortes, es wird gepriesen, was das Zeug hält. Zwischendurch erwähnt immer mal jemand, dass es die letzt Tour in dieser Konstellation ist, man ist „sad“, aber auch total „proud“. Klar, wär ja wahrscheinlich jeder.

Der sechsköpfige Chor webt einen dichten Gesangsteppich. | Foto: Tossia Corman

Stolz sein kann dieses Ensemble tatsächlich, nicht nur auf die wirklich phänomenale Band, sondern ganz besonders auf jede einzelne Stimme!

Der sechsköpfige Chor klingt manchmal wie 20 Stimmen, manchmal wie eine einzige. Und jeder bekommt Platz für ein Solo. Die Queen ist freigiebig mit ihrem Spot im Rampenlicht, vielleicht kommt es ihr auch gelegen, nicht die ganze Show alleine stemmen zu müssen. Sie sitzt oft auf ihrem Stuhl und ruht sich aus, bleibt aber präsent, erst in der zweiten Hälfte zieht sie sich auch mal hinter die Bühne zurück.

Alles bleibt echt.

Es ist eine große Show. Choreographiert, jeder Satz ist einstudiert, Outfitwechsel, alles was dazugehört. Und trotzdem. Es bleibt echt. Am Ende geht es um die Sache, die Musik, die Botschaft. Und die ist klar: Gebt die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht auf! Respektiert einander, gebt euch die Hände, wir haben das Morgen in der Hand. Das kann man finden, wie man möchte, diese Grande Dame des Gospel versteht es, ihre Position da vorne zu nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, was ihr auf der Seele brennt. Und das ist gut! Und spätestens wenn Marvin Lowe singt „Make them hear You“ ist auch der letzte harte Knochen im Raum weichgekocht. Und vor der Pause „Amazing Grace“, Standing Ovations mitten in der Show, was will man mehr?

Das zweite Set beginnt A-Capella, und wieder wird klar, wie fast schon unfassbar gut diese sechs Sänger ihr Handwerk beherrschen. Dann widmet sich die Gruppe der weltlichen Musik, Stevie Wonder, Ray Charles, und natürlich Prince – alle werden zitiert, sogar die Gospelkutten sind fürs erste verschwunden.

Ein schöner Tag

Und doch lässt es sich Queen Esther Marrow nicht nehmen, auch nochmal ganz allein im Rampenlicht zu stehen. „Rise Up“, „Erhebe Dich“, aber auch „Lehne Dich auf“, und wieder haut sie ihre Botschaft raus.

Der Chor, wieder in die Kutten gewandet, kehrt zurück an ihre Seite, inzwischen steht der ganze Saal, alle tanzen, klatschen, singen mit, der Funke ist übergesprungen, ein untypisches Bild für die Tonhalle.

Aber trotzdem organisch, es fühlt sich richtig an!

Oh Happy Day, damit verabschieden sich die Harlem Gospel Singers nach gut zwei Stunden, und so ganz glaubt man noch nicht, dass diese Tour tatsächlich die letzte dieser Powerfrau gewesen sein soll.

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