Bernd Begemann: Expeditionen ins Bekannte

Bernd Begemann | Foto: Andreas Hornoff

Der Musiker und Entertainer Bernd Begemann ist einer der intelligentesten Songwriter Deutschlands. Er war einst der erste Punk in Bad Salzuflen und gehörte in der Gründerzeit der Hamburger Schule zu den wichtigsten Architekten dieses Genres. Live pendelt der Anzugträger zwischen Liederabend und Kleinkunst. Witze auf Kosten des Publikums und ironisch gebrochene Ansagen gehören fest zu seinem Programm.

Seit über 30 Jahren lebt und wirkt er an der Waterkant, aber auch da zeigt sich nicht nur die spannende Schokoladenseite: „Um ehrlich zu sein, war es in den 1980er Jahren in Hamburg viel interessanter“, sagt er. Ob er noch einen Draht zu seiner alten Heimat bei Bielefeld und Lemgo hat? „Ich hatte immer das Gefühl, das Ostwestfalen so etwas ist wie das „Herzland“ von Deutschland. Die echte und gefühlte Mitte halt – garniert mit den Externsteinen im Teutoburger Wald.“ Dabei ist Begemann so etwas wie der Günter Strack der hiesigen Kleinkunstkreise: ein Schwergewicht mit Nebenwirkungen. Denn seine freche Schnauze paart sich stets mit dem ironisch gebrochenen Humor von Monty Python.

Zu seinen Fans zählen unter anderem so unterschiedliche Musiker wie Olli Schulz, Annette Humpe, Blumfeld, Fettes Brot, Elvis Pummel oder Thees Uhlmann. „So etwas wie Stolz und Zufriedenheit kenne ich nicht“, sagt er und erklärt dann seinen Standpunkt: „Man ist im Augenblick – oder eben nicht.“ In einer Welt, in der alles nach den Gesetzen der Ökonomie funktioniert, gibt es unter Musikern immer weniger Rebellen. Das findet Begemann auch, der ein selbstbestimmter und unprätentiöser Bühnenakteur sein will: „Ich hab eher eine Punk- und viel weniger eine Rock’n’Roll-Einstellung. Denn ich komme aus einer Zeit, als Musiker Sachen sagten, die das Publikum nicht hören wollte. Heute scheinen sich die Musiker eher dahingehend Gedanken zu machen, was den Leuten wohl gefallen könnte.“

Von Haus aus möchte er kein Kulturpessimist sein, eher das Gegenteil davon – nämlich ein aufrichtiger Songwriter: „Meine Lieder basieren auf der Realität. Eine große Emotion wird verhandelt, die in der echten und wieder erkennbaren Welt greifbar sein soll. Ich mache Expeditionen ins Bekannte. Ich finde, dass die nächste Umgebung so viel interessanter ist, als die Leute sich das klar machen. Es gab mal eine Phase, da dachte ich, wir brauchen gar kein Science-Fiction mehr, weil wir in einer so unwirklichen Landschaft leben.“ Schön, wenn die Welt doch häufiger so wäre wie in Begemanns Songs. 

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