Kettcar: Gemeinsam rudern

| Kettcar zwischen den Runden (Foto: Andreas Hornuff)

Unscharfe Schemen von zwei Menschen zeigt das Cover der neuen Kettcar-CD. Sie heißt ZWISCHEN DEN RUNDEN, und wohl auch deshalb assoziiert man schnell zwei Boxer im Ring in dieses Bild hinein. Es ist, als stünden sie am Seil und warteten auf den Gong zur nächsten Runde.

Tatsächlich zeigt das Covermotiv zwei Ruderer in einem Boot. Das Bild stehe für gemeinsame Anstrengung, dafür dass man schwere Dinge gemeinsam besser schafft, „dass es einfach besser ist, nicht alleine zu sein“, erklärt Bassist Reimer Bustorff. Das Boxerbild gefällt ihm aber auch, schließlich ist Kampf als Metapher für das Leben nicht die schlechteste Assoziation für viele Kettcar-Lieder. „Dass unsere Songs mehrere Deutungen zulassen ist gut.“

Eindeutig ist aber: Kettcar wollen mit diesem, ihrem vierten Album „einen Kontrapunkt setzen“ zum Vorgänger SYLT. Der war „laut, verzerrt, wütend“, ein Statement des Nichteinverstandenseins mit vielen Dingen. „Diesmal wollten wir uns die Ruhe nehmen, um Geschichten zu erzählen“, sagt Reimer, der fast die Hälfte der Songs geschrieben hat. Es geht weniger um Statements, als um die Dinge des alltäglichen Lebens. Liebe, Verlust, Tod, Versagen.

Das spiegelt sich auch in der Musik wider, die sanfter, vielfältiger geworden ist. Viele Streicher und Bläser gibt es zu hören, erstmals arbeiteten Kettcar mit einem Arrangeur zusammen, der dafür sorgte, dass die klassischen Instrumente mit dem Bandsound harmonieren.

Die Akustiktour mit einem Streichquartett im Jahre 2009, die später auch als CD und DVD veröffentlicht wurde, habe natürlich auch Einfluss auf das Songwriting gehabt, sagt Reimer. Der Akustikausflug hat allerdings auch dazu geführt, dass die Pause bis zum neuen Album länger wurde als geplant. Vier Jahre, das ist eine lange Zeit. Von der „Angst, in Vergessenheit zu geraten“, sind auch die zuletzt so erfolgreichen Hamburger nicht ganz frei, und so freut sich Reimer jetzt auf die anstehende Tour. So lange habe man an dem Material gearbeitet, jetzt brauche man endlich das Feedback der Fans.

Martin Nagel

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