Klangarchitektin: Kat Frankies Mollgebläsehaus

V. l.: Stella Veloce, Mowat, Chris Farr, Kat Frankie, Miss Kenichi, Chris Rodriguez

Sonntag Abend, Bochum liegt unter einer Schneedecke, die hell erleuchteten Kühltürme weisen den Weg zum Kat Frankie Konzert. Im Dampfgebläsehaus ist es, trotz der 15 m Deckenhöhe, angenehm warm. Das altersmäßig gut gemischte Publikum hat es sich auf dem Parkett vor der Bühne gemütlich gemacht, einige wenige konnten gar einen Sofaplatz ergattern.

Kat Frankie, die heute Abend in dieses besondere Industrie-Wohnzimmer geladen hat, kommt ursprünglich aus Australien, fühlt sich aber nun seit gut 8 Jahren in der Berliner Musikerszene Zuhause. Entsprechend kommt sie auch nicht alleine, sondern hat sich gleich fünf Kollegen mitgebracht, die sie bei den meisten Songs stimmlich und instrumental unterstützen.

Bevor die Musik zur Hauptsache in Frankies Leben wurde, studierte sie in Sidney Design und arbeitete dort als Innenarchitektin. Die Architektur des Dampgebläsehauses dürfte ihr also gefallen, für ihre Musik ist sie jedenfalls perfekt: Denn auch die funktioniert wie ein präzise konstruiertes Bauwerk. Leichtbauweise, angereichert mit vielen dunklen Moll-Tönen, die im Raum verteilt schweben und nicht selten zu einem Bollwerk anschwellen, um dann abrupt zu verstummen. Ihre Klanggebäude sind mehrstöckig und von ihrer eigenen kräftigen, leicht rauchigen Stimme getragen. Gitarre, Bass und Schlagzeug stützen das Gerüst zusätzlich, während der Hintergrundchor die Malerarbeiten leistet.

Frankie ist eine Technikerin. Jeder Einsatz, jeder Ton ist genau geplant, die Konzentration ist ihren Kollegen und Kolleginnen ins Gesicht geschrieben. Neben den „Standard Instrumenten“ kommen auch eine Glocke, ein Cello und ein Bina Harmonium zum Einsatz. Bei einigen Liedern experimentiert sie mit einer Looping-Maschine und lässt ihre eigene Stimme zum Chor anschwellen. An diesem Abend scheint sie mit ihrer Aufnahme jedoch nicht ganz zufrieden „Das klingt schrecklich..ich widme die nächsten 30 Sekunden der Performance-Künstlerin Laurie Anderson“ sagt sie mit verschmitztem Lächeln.

Die Lieder des neuen Albums „Please Don't Give Me What I Want“ funktionieren nicht nach bekanntem Popmuster über Strophen und Refrains, stattdessen wiederholen sich einige Stellen ellipsenartig, setzten verstreut einige packende Höhepunkte und hören dann einfach auf. Zurück bleibt auch an diesem Abend nur die Wärme und einige Rhythmen und Klangfetzen, die sich in Kopf, Mark und Bein festgesetzt haben.

Soundcloud:

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