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Odysseus ließ sich bekanntlich an den Mast seines Schiffes fesseln, um dem betörenden Gesang der Sirenen zu widerstehen. Die Besucher des Dortmunder Konzerthauses sollten dagegen eine entspannte Sitzposition einnehmen, denn selbst wenn sie der glockenhellen Stimme von Anna Prohaska erliegen, wird das nicht ihre letzte Verzückung gewesen sein: Als „Junge Wilde“ wird die 29-jährige, in Wien aufgewachsene Sopranistin auch in den nächsten beiden Spielzeiten ihr Können unter Beweis stellen.
Ihren Einstand in die Riege der Ungezähmten gibt sie mit dem Repertoire ihres Debüt-Albums: Lasziv vorgetragenes Liedgut, das den ebenso verführerischen wie todbringenden Nixen, Nymphen und Najaden gewidmet ist und u. a. aus der Feder von Haydn, Dowland, Dvořák und Schumann stammt. Natürlich gehört auch Schuberts Vertonung von Goethes berühmter Ballade „Der Fischer“ in diesen Reigen. Begleitet wird die mehrfach ausgezeichnete Wahl-Berlinerin mit Grufti-Vergangenheit dabei vom Pianisten Eric Schneider, mit dem sie – halb zog sie ihn, halb sank er hin – ihr Album auch einspielte.