Liquid Lightning & Artwon Artown Artnow: Siegerlächeln

ARTWON ARTOWN ARTNOW

Anschub zum Durchbruch

Um den jungen Rock- und Poptalenten Düsseldorfs den Sprung von der Amateur- in die Profiliga zu ermöglichen, hat der Kulturausschuss der Stadt 2010 ein neues Förderprogramm ins Leben gerufen. Ein Jahr lang wird eine Band von einem Team von Musikfachleuten betreut, wobei insgesamt 10.000 Euro in einzelne Fördermaßnahmen wie die Musikproduktion oder Tourunterstützung fließen. In diesem Monat legen die ersten zwei geförderten Bands das Ergebnis ihrer Arbeit vor und belegen den Erfolg des Konzepts.

Nach eigenen Regeln: Liquid Lightning

Die Auszeichnung als beste Newcomerband Deutschlands beim bundesweiten „Local Heroes Contest“ ist nur ein Glanzpunkt der Bandgeschichte, der Liquid Lightning zu einem Aushängeschild der Düsseldorfer Musikszene macht. Dennoch blieb ein kommerzieller Durchbruch für die Förderpreisträger in der Sparte Rock/Pop bislang aus, wobei das Drängen des Musikgeschäfts zur schnellen Veröffentlichung zu ernüchternden Einsichten führte, wie sich Sänger Davis Kirkendall erinnert: „Unsere Lieder waren schon sehr alt und wir waren schon weiter.“ Liquid Lightning traten die Flucht nach vorne an. Mit den 10 000 aus der Bandprofessionalisierung organisierten sie unter anderem eine ausgedehnte Konzerttour mit den Indie-Rockern Auletta. Ohne Förderung wäre das kaum zu stemmen gewesen.

Außerdem definierte sich das Quartett musikalisch von Grund auf neu. Gemeinsam mit dem Produzenten Thomas Hannes entstand ein facettenreicher Sound, der Rock und Elektronik zu etwas ganz Eigenem verbindet. „Es ist das erste und hoffentlich nicht das letzte Mal, dass wir auf niemand anders hören als uns selbst“, meint Gitarrist Tim Potz zum Ergebnis, dem Album WAVE AND SMILE. Die Single „We Are Electric“ und das dazugehörende Video feiern das Gemeinschaftsgefühl zwischen Fans und Band und verdeutlichen, dass die Melancholie der frühen Jahre der überschwänglichen Partystimmung der Konzertsituation gewichen ist. Nicht nur in „Chaos“ gelingt der Bruch mit den Hörgewohnheiten: Popsongs wie „Spotlight“ oder „Right Where You Are“ sprühen vor 80er-Jahre-Appeal und belegen die Eigenständigkeit einer Band, die sich nicht durch aktuelle Genretrends beeinflussen lässt. Der Text bleibt ein zusätzliches Instrument, mit dem Sänger Davis existenzielle Fragen aufwirft, für die die Geschichte eines Roboters auf Selbstfindungsreise den roten Faden durch die 13 Songs liefert.

In diesem Jahr wollen Liquid Lightning auf den Erfolg des Vorjahres aufsatteln – ohne Förderung. „Jeder von uns arbeitet dafür“, berichtet Tim, „und wir sind aufgeladen mit Ideen.“ Wie die verwirklicht werden, darf man live erleben, wenn die Band von Anfang Februar bis Mitte März auf Tour ist.

WAVE AND SMILE, erhältlich ab 31.1.

Video:

Zwischen Explosion und Elegie: ARTWON ARTOWN ARTNOW

ARTWON ARTOWN ARTNOW haben ihre Sonderstellung in der Düsseldorfer Musikszene seit ihrem ersten Auftritt vor großem Publikum 2008 erfolgreich behauptet. Fans konnten ihre Helden sogar für einen Tag als lebende Installation im Theatermuseum beim Einspielen einer neuen EP bewundern, die dann bei beeindruckenden Live-Auftritten und über die Webseite mit dem programmatischen Titel fuckyousilence.com vertrieben wurde. Lange war die Internetplattform das Ideal für die Kunstrocker, denn sie bot Eigenständigkeit, schnelle Reaktionszeiten und war kostengünstig im Vergleich zur Veröffentlichung eines Tonträgers. „Der ist, was wir bisher nicht selber leisten konnten“, bekennt Sänger und Gitarrist Yoko Suno. Deshalb bewarb sich die Band auf die neue Förderung, die sie 2011 zugesprochen bekam.

Bei einem Konzert wurde der Produzent Guido Lucas auf das Trio aufmerksam und lud sie zu Testaufnahmen in sein BluBox Studio ein. Hier erwies sich Lucas als Regisseur, der möglichst gut klingen lassen will, was die Band wünscht und entwickelte gemeinsam mit ihr das Album WHITE NOISE ROMANCE, das eine Zäsur unter das bisherige Werk setzt. „Forget About The Net Baby“ ist der einzige ältere Song, der es auf das Album geschafft hat und die Pole Position bei der Reise in das Unerwartete besetzt. Spielt „Letter to K. G:“ noch mit Noise- und Krautrock, überrascht „Romance Junkie On Cold Turkey“ mit filigranem Streichereinsatz, während sich „The Hawaiian King Descends“ basslastig vom Thron erhebt.

Die Arbeit mit Guido Lucas erwies sich als Glücksfall: Sein unabhängiges Label BluNoise, das auch Heimat von Bands wie Blackmail oder Urlaub In Polen ist, hat den Vertrieb und die Promotion der Platte übernommen und ist nun auch das Zuhause von ARTWON ARTOWN ARTNOW. „Jetzt können wir zum ersten Mal veröffentlichen, wie wir wollen“, erklärt Yoko Suno. Dazu gehört auch die Gestaltung mit Fotografien von Fabian Bohlmann, die für die optische Inszenierung der Musik sorgen. Entsprechend erscheint WHITE NOISE ROMANCE nur auf Vinyl – denn fördernswerte Kunst braucht Raum.

WHITE NOISE ROMANCE, erhältlich ab 31.1.

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