All you need is Reggae: Ruhr Reggae Summer 2017

Raf Camora und Bonez MC beim RRS 2017 | Foto: Tossia Corman

Drei Tage lang nichts als Liebe, Musik und good Vibrations – wenn der Bass übers Kuh-Feld wummert, überall Menschen mit Glitzer im Gesicht rumlaufen und Rauchschwaden jeglicher Art übers Gelände ziehen, weiß man: It’s Ruhr-Reggae-Time!

Schon bei der Ankunft wird klar: Alle sind entspannt. Tiefenentspannt. Erstmal das Zelt aufbauen, zwischendurch ein bisschen mit den Nachbarn fürs Wochenende quatschen, dann noch ein bisschen rumräumen…. Selbst die OrdnerInnen haben offenbar Freude an ihrem Job. Überhaupt hat sich das Ruhr Reggae Summer Festival in Mülheim, obwohl es in den letzten Jahren durchaus gewachsen ist, den familiären Charakter erhalten, den die regelmäßigen Besucher kennen und lieben.
In der Camping-Area ist alles wie beinahe jedem Festival: Es gibt die Profis mit Herd und Pavillon, die Party-Zelte mit Konfetti-Kanonen und Boom-Box und die Freizeit-Camper, die einfach mal schauen, was so passiert. Eins haben alle gemeinsam – sobald zum Flunkiball, dem wahrscheinlich beliebtesten Trinkspiel weltweit, gerufen wird, stehen alle parat! Und gerufen wird oft. Geht es doch bei Festivals im Allgemeinen (und bei diesem wahrscheinlich ganz besonders) darum, den zeitweise tristen, anstrengenden, durchgeplanten Alltag für ein paar Tage zu vergessen. Nur machen, wonach einem gerade der Sinn steht. Und das bedeutet mitunter auch: Viel Bier! Und viel Musik! Während auf dem Campingplatz also Urlaubsstimmung herrscht (und das, obwohl der Wettergott offensichtlich kein großer Reggae-Fan ist, regnet es doch fast permanent), steigt auf dem Festivalgelände eine der größten Reggaeparties der Republik.

Chill-Out Area und Food-Trucks

In Stimmung kommt man schon beim Betreten des Geländes. Auf der einen Seite das wunderschöne Natur-Freibad inklusive Shisha-Area und Chill-Out-Stage, nur ein paar Meter weiter geht der Händlermarkt los: Schmuck, Klamotten, Rastazöpfe flechten, Henna-Tattoos, da bleibt kein (Hippie)Wunsch offen!
Auch das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz. Afrikanische Gerichte, jamaikanische Küche, Burger, Falafel, Pizza – allein schon um alles einmal zu probieren, lohnt sich das 3-Tage Festival Ticket.

Das Wichtigste: Die Musik

Und (fast) das Wichtigste: Die Musik! Wieder einmal ist es den Veranstaltern gelungen, die richtige Mischung zu finden. Headliner am Samstag und heimliches Highlight: Alborosie aus Italien, der 2001 nach Jamaika auswanderte und 2011 in Glasgow bei den Music of Black Origin Awards zum besten Reggaekünstler ausgezeichnet wurde. Mit seiner Band ist er zum zweiten Mal in Mülheim dabei. Und wieder einmal rockt er die Bühne. Das Publikum, das an diesem Tag unter anderem schon die Deutschrapper Raf Camora und Bonez MC und Reggae-Urgestein Chronixx aus Jamaika hinter sich hat, tanzt, als gäbe es kein Morgen. Und das trotz des Dauerregens, der hier aber keinem die Stimmung vermiest. Zwischen den Sets auf der Hauptbühne (eine weitere Besonderheit: Es gibt nur eine Bühne, was das ganze sehr entspannt macht) legt ein paar Meter weiter das Kunterbunt-Soundsystem aus Dortmund auf, damit man ja nicht aus dem Groove kommt und vielleicht anfängt zu frieren. 

Stöbern auf dem Markt | Foto: Tossia Corman

Urlaubsstimmung

Am Sonntag zeigt sich schon morgens endlich die Sonne, das Schwimmbad (Benutzung ist im Ticketpreis enthalten) platzt aus allen Nähten, auf dem Festivalgelände dröhnt schon der Bass. In der Camping-Area steht man Schlange vor dem Kaffee- und Frühstück-Zelt, für Flunkiball ist es dann doch noch ein wenig früh...
Und trotz Aufbruchsstimmung, die sich hier und da breit macht, ist das Gelände auch Sonntagnachmittag noch voll, die Tanzwütigen sind noch immer nicht müde, die Stöber-Liebhaber schauen noch immer nach den schönsten Ohrringen.
Die Abreise erfolgt genau so entspannt wie die Ankunft, alles geht sehr gemütlich zu, stressen lässt sich hier niemand. Und mit einem leichten Off-Beat im Kopf sieht man plötzlich der nahenden Arbeitswoche gaaaaaanz locker entgegen. Ein Festival mit Urlaubs-Charakter. Peace!

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