Zu hoch hinaus: Out4Fame-Festival in Dortmund

Prinz Pi beim Out4Fame-Festival | Foto: Tossia Corman

Was für Hip-Hop-Liebhaber ein ganz besonderes Highlight im Festival-Kalender werden sollte, entpuppte sich für viele Fans als Enttäuschung auf ganzer Linie: Das Out4Fame-Festival im Dortmunder Revierpark Wischlingen.

Der Reihe nach: Schon zum vierten Mal fand am vergangenen Wochenende (18.-20- August) das Hip-Hop-Spektakel in diesem Jahr statt, zum ersten Mal allerdings in Dortmund. Die ersten drei Ausgaben des Festivals, noch in Hünxe in etwas kleinerem Rahmen, liefen sehr erfolgreich an. Also wurde ein größeres Areal gesucht und gebucht, eine zweite größere Bühne etabliert und die Werbetrommel im großen Stil gerührt. Und ein Line-up an den Start gebracht, das sich wie der wahr gewordene Traum eines jeden Rap-Fans liest: Busta Rhymes, Arrested Developement, 187 Straßenbande, Prinz Pi…
Dass sich aber auch Organisation, Kommunikation und Service der neuen Größenordnung anpassen müssen, hat das Team scheinbar aus den Augen verloren.

Unzufriedene Kommentare

Auf sämtlichen Social-Media-Kanälen, auf denen das Festival vertreten ist, platzen seit Samstagmorgen die Kommentar-Spalten aus allen Nähten. Und was man liest, ist nicht erfreulich.
„Mit dem Umzug von Hünxe nach Dortmund habt ihr euch wirklichen keinen Gefallen getan... Ich bin seit dem ersten O4F dabei und es wurde von Jahr zu Jahr schlechter, aber dieses Jahr habt ihr echt den Vogel abgeschossen“, schreibt zum Beispiel Facebook-User Hannes Korell. Auch Jeremias schreibt auf der Plattform: „…im Gegensatz zu 2015/2016 ließ die Organisation aller übrigen Aspekte dieses Mal schwer zu Wünschen übrig.“

Ein weiterer Punkt auf der Beschwerdeliste sind die ruppigen Umgangsformen des Sicherheitspersonals: Wale Man Chi schreibt auf Facebook: „Was ist mit euren Securitys los? Überheblich, unhöflich, völlig übertrieben. (…) Abwertende Blicke, blöde Sprüche und ne Durchsuchung wie im Knast.“

Auch die  Organisation der Gastronomie lief in den Augen einiger Fans nicht besonders gut: „ Der Getränkestand vor der Hauptbühne war eine Katastrophe, unterbesetzt und unfreundlich. Genervte Blicke bei der Abrechnung, weil 3,50 +3 anscheinend eine unlösbare Rechenaufgabe darstellte“, schreibt Rieke Meier. Auch Jeremias schreibt: „Wartezeiten und Service an den Getränkeständen war leider unterirdisch. Obwohl man sich hinter dem Tresen verrechnet hat, muss ich mich dann sogar noch beleidigen lassen.“ User Dominic Kropp geht sogar noch weiter: „Abseits all der Dinge, die hier schon an organisatorischem Versagen bemängelt wurden, konnte ich irgendwann bei den Szenen, die sich bei der Getränkeausgabe abgespielt haben, nur noch lachen. Die Absurdität der Arbeitsabläufe, die immer wieder überraschenden Wendungen und Neuerungen, die Lotterie beim Wertkartenabstreichen...“

Stromausfall und Sound-Chaos

Neben diesen organisatorischen Dingen war der Umgang mit dem kostbarsten Gut an diesem Wochenende, der Musik, fast unerträglich mit anzusehen. Der erste Downer: Common sagt ab. Glück haben die Out4Famer auf jeden Fall, dass Yassin Bey gerade in Paris weilt und sehr spontan einspringt. Außer in einem Facebook-Post am Mittag wird das allerdings nicht kommuniziert, und so ist ein Gros der Besucher mehr als erstaunt, als plötzlich nicht Common, sondern sein Vertreter die Bühne entert.
Doch das allergrößte Problem ist der Sound: Leider lässt sich das ganze Unterfangen auf musikalisch-technischer Seite nur als hochgradig unprofessionell beschreiben. Streckenweise fiel der Strom beziehungsweise der Ton von der Bühne auf das Gelände komplett aus.

Totalausfall bei Busta Rhymes

Wale Man Chi auf Facebook dazu: „Das Soundproblem ging gar nicht. Mein Herz hat geblutet als ich gesehen habe wie Busta und Spliff 300% auf der Bühne geben und beim Publikum nur Grütze und Rückkopplungsgeräusche ankommen.“
Und dieses Problem nicht in Minutenschnelle lösen zu können, geschweige denn überhaupt zu bemerken, wirft ein wirklich schlechtes Licht auf eine Veranstaltung, deren Zweck es ist, das Publikum mit Musik zu versorgen.
Was den Besuchern besonders bitter aufstieß, ist die Tatsache, dass sich das Orga-Team zu keiner Zeit während des Wochenendes zu den Geschehnissen äußerte: „Das Ganze von Orgaseite so unkommentiert zu lassen war schon mies“, schreibt Rieke Meier. Auch Jeremias schließt sich an: „Kommunikation oder eine kleine Entschuldigung bei den Besuchern & Künstlern hätte sicher geholfen, den Shitstorm hier in dem Ausmaß zu vermeiden.“

Statement auf Facebook

Auf Anfrage zu einem Statement am Montag vertröstete die Pressestelle des Festivals auf Mittwoch. Mittlerweile hat das Out4Fame sich, über Facebook, zu Wort gemeldet: „Bei den Vorbereitungen haben wir uns wie jedes Jahr sehr viel Mühe gegeben, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Doch leider hat man unter anderem auf falsche Partner gesetzt und diesen Schuh muss man sich anziehen! Das Thema Sound ist eines der Themen, die uns sehr sehr verärgern, da man gerade mit diesen Dingen in den letzten Jahren absolut keine Probleme gehabt hat. Die Sound Qualität muss stimmen, das ist auch nach wie vor unser höchster Anspruch.“ Auch zum Thema Gastronomie und Security äußert sich das Team: „Ebenso war die Gastro nicht zu 100% zufriedenstellend, das ist teilweise dem schlechten Wetter und dem durchnässten Boden geschuldet. (…) Die Planung für Security, Gastro und andere Bereiche werden wir auch frühzeitig angehen, damit man mit einem ebenso frühzeitigen Briefing das Personal besser auf die Veranstaltung vorbereitet“  Zur Entschädigung bieten die Veranstalter jedem Besucher einen Konzertgutschein und 10 Euro Getränkeguthaben für das nächste Festival an.

Trotzdem bleibt ein etwas fahler Beigeschmack: Es ist ein bisschen wie mit Ikarus, wobei in diesem Falle die Sonne eine riesige Regenwolke war: Wer zu hoch hinauswill, fällt auch besonders tief. Tossia Corman

Advertorial

Am Freitag, 01.12.2017, wird Bruno Müller, einer der zurzeit international gefragtesten Soul- und Jazz-Gitarristen, mit seiner eigenen Band im Glashaus Herten gastieren.

Das Konzert beginnt um 20 Uhr, Einlass ist 19.30 Uhr. Tickets gibt es zum Vorverkaufspreis von 20 € direkt im Glashaus Herten, Hermannstr. 16, 45699 Herten, Tel. 02366-303232, oder per Mail unter 

feicki@t-online.de. Der Preis an der Abendkasse beträgt 24 €. [MEHR…]

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