So war es auf dem Open Source Festival in Düsseldorf

Beim Open Source Festival 2016 in Düsseldorf | Open Source Festival 2016

Die Schwalben liefern sich ein Wettrennen mit unzähligen Seifenblasen. Sie fliegen hoch, der Wettergott meint es gut mit den Besuchern des Open Source Festivals: Gefühlte 26°C im Schatten – endlich: Der Sommer ist da!

Mit Orson beschallt ein alter Bekannter von der Carhartt WIP Stage aus die Zeltstadt der Open Squares. Die kleinen Pop-up-Galerien geben einen Eindruck von der Kreativität in der Musikstadt Düsseldorf: Da ist Stefan „Antonelli“ Schwander, der für das Designkollektiv „Teilmöbliert“ eine Musikmaschine aus Holz präsentiert. Da sind die Konsolenkinder mit einer Ausstellung nostalgischer Videospiele. Designerin Marion Strehlow und Künstler Oliver Räke nehmen das Vogelmotiv auf und bieten dementsprechende Taschen und Rucksäcke aus ultraleichtem Stoff an. Weniger leicht machen es die Punkrocker Oiro dem Publikum vor der Hauptbühne: Zuerst schleudert Sänger Cacke den chillbereiten Blumenkindern einen freundlichen Diss an die sonnenbebrillten Häupter und gleich das rasante „Marion Mustermann“. Was ins AK47 passt, lässt das Festivalpublikum eher kalt - im Gegensatz zu den Soundästheten von Hill Myna, die den schmucken Schuhkarton der Young Talent Stage mit Pop der Sonderklasse verzaubern. Die Songs des aktuellen Albums „In Color“, allen voran das entspannte „Today“ läuten die großen Ferien ein.

Fotostrecke zum Open Source Festival 2016

Open Source Festival 2016

Große Bandbreite

Das Open Source Festival versteht es auch im elften Jahr, für alle Altersklassen interessant zu bleiben. Die Kinder, die vor wenigen Jahren noch mit Kopfhörern auf Papas Schultern getragen wurden, sausen heute den Eltern in Richtung des reichhaltigen Essensangebots davon. Hier ein Kauz mit Nerdgestell in Joy Division-Shirt, dort der Hipster mit unvermeidbarem Trilby, das Hippiegirl mit Strass im Gesicht – sie alle können sich auf das musikalische Angebot des Tages verständigen, das nationale und internationale Acts ebenso wie lokale Helden umfasst. Die Carhartt WIP Stage bleibt der Altar des Abwegigen und Besonderen: Mit Multiinstrumentalist Idris Ackamoor & The Pyramids lotet eine Legende die afrikanischen Wurzel des Jazz aus. Die zwei Bassgitarren sorgen für erste Tanzausbrüche. Nicht weniger gekonnt: Die Berliner Max Graefs Band und Überschall-Rapper Oddisee.

Pop ist tot

Der Hype um Schnipo Schranke und ihren Hit „Pisse“ lockt das Publikum in Scharen zur Hauptbühne. Die Songs des Debüt „Satt“ wirken wie Ideal auf Ritalin oder eine schlecht gelaunte Version der Band Die Braut haut ins Auge. Letztere veröffentlichten mal ein Album mit Namen „Pop ist tot“ und stillschweigend möchte man ihnen Recht geben. Texte zwischen Zote und Kinderreim laden zwar zum Mitsingen ein, für die große Bühne will die Präsentation des Duos aber nicht reichen. Anders Konstantin Groppers „Get Well Soon“, die zum „Love Story“-Thema die Bühne entern. Was folgt ist keine Musik, sondern Andacht. Der orchestrale Sound und die sonore Stimme der Ausnahmeerscheinung aus deutschen Landen ziehen in ihren Bann. Auf die sinnschwere Beschwörung der „Last Days Of Rome“ folgt ein Ausflug in Disco-Falsett und Breakbeat. Nicht minder abwechslungsreich sind die Lokalmatadoren von Stabil Elite, die ihren überfälligen Open Air-Auftritt zum neuen Album „Spumante“ in der Heimat mit Bravour absolvieren. Ein weiterer Lichtblick: Die Solinger Blackberries mit ihrem brillanten Pop britischer Prägung, der an diesem Tag viel zu groß für die Young Talent Stage erscheint. Bilderbuchs Maurice Ernst stellt klar: „Wir sind nicht Wanda“. Dem ist nichts hinzuzufügen. „Spliff“, „Softdrink“ und andere Songs passen zur großen Bühne und smarten Rockshow der Oberösterreicher, die Coolness und frisches Selbstbewusstsein ausstrahlen, wie einige es vielleicht vom seligen Falco kannten. Was – wie angekündigt – fehlt, ist der markige Überbau aus Alkohol und Kneipenexistenzialismus, das Markenzeichen von Bilderbuchs Wiener Kollegen.

Kein T-Shirt bleibt trocken

Es ist längst dunkel, als die Londoner Band Hot Chip die Hauptbühne erschüttern lässt. Die illustre Truppe um Joe Goddard und Alexis Taylor wirkt,  teilweise in weiße Anzüge gehüllt, wie eine müde Mambo-Band auf Urlaub. Weit gefehlt: Das Motto lautet „Let´s Sweat!“ Die Band, die über lange Zeit die Remixkultur prägte, jagt ihren eigenen Songkatalog als schweißtreibenden Megamix aus den Boxen: „Night And Day“, „I Feel Better“ und „Ready For The Floor“ im grellen Scheinwerfergewitter lassen kein T-Shirt trocken. Später im Shuttle Bus, unter vielen müden aber glücklichen Menschen, halt die Magie dieses schönen Tages auf der Rennbahn nach. Wenn es die elysischen Felder für Musikfans gibt, hat ihre Adresse die Postleitzahl 40629.

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