Rotzig, punkig, laut: coolibri-Stage Tag 2

Sportlich: La Confianza | Fotos: Markus Holzer

Rotzig und laut ist der Grundton des Freitags bei der coolibri-Stage: Vier Bands weiten das Genre des Punk international aus. Mit 2nd District starten wir im benachbarten Langendreer, Gastone tragen uns mit Folklore-Klängen nach Italien und die Band mit dem spanischen Namen, La Confianza sprengen mit Crossover-Rock-Rap sowieso alle Genre-Grenzen. Als Ersatz für Adam Angst hat coolibri dann auch noch einen passenden Ersatz für die musikalische Internationalität aufgegabelt: Mr. Irish Bastard verlangen dem Publikum als neuer Headliner für den Freitag nochmal ordentlich Schweiß ab.

Glamrock bei 50 Grad

Bemerkenswert. Während auf den überhitzten Straßen Bochums Teenies ihr letztes Hemd abgeschnitten haben, damit das Bauchnabelpiercing besonders gut im Schweiß glitzert, bleiben 2nd District ihren Style-Codes treu: Sänger Marc trägt im Riff lange Jeans, Schweißband, geringelte Socken und natürlich Bandana, die langen Haare in die Stirn. Aber dass die Band aus Langendreer mit ihrem 77er Punk mit Glam-Rock-Einschlag nicht gerade mit Teenie-Trends mitgeht, ist ihnen ja schon länger klar. Das hier ist bretternder Langhaarrock, ein Sänger der absoluter Showmaster ist, große Posen und starke Riffs. Vor der Bühne sind offensichtlich Fans am Werk. Textsicher singen und tanzen sich die ersten Gäste der coolibri-Stage an diesem Freitag in den Abend. So langsam wird es ja auch kühl genug, um ein paar Tanzschritte und leichte Pogo-Ansätze zu wagen.

2nd District sind dankbar und machen das ganze Fass auf: „Wünscht euch was, 50 Songs können wir spielen!“ ruft Marc – dafür müsste der coolibri dann aber seine Bühnezeiten ein klein wenig ausweiten.

Lauschiger Biergarten und ein erstes Mal

Eher in Vorfreude auf den Schlusston von 2nd District sind derweil schon die Jungs von Gastone. Die Frankfurter Band legt zügig nach kurzer Umbau- und Erfrischungspause los. Trotzdem muss sie das Publikum erstmal wieder reinspielen, denn auch das dunkle, von Ventilatoren gekühlte Riff wird so langsam zum kleinen Ofen.

Gastone spielen rauen Punk mit Folkloreeinschlag. Der Sound könnte nach Südamerika passen, er könnte auch einen treibenden Balkan-Einschlag haben, tatsächlich kommt der Sänger und Songschreiber der Band Giuseppe Porello aber aus Italien. Mal nutzt er das Italienische als Liedsprache, dann wird es häufig düsterer und die Mandoline und Posaune treten aus dem Sound hervor. Wenn der Text auf Deutsch umschaltet geht es dann wieder poppiger zu, die eingängigen Texte erzählen von Alltagsdingen und auch ein „Shubidu“ mischt sich mal unter. Die BochumerInnen lassen sich dann ebenfalls zum lauten „Shubidu“ hinreißen, schmettern mit, tanzen in der so langsam wieder gut gefüllten Halle und fordern schließlich die erste Zugabe des Abends. Der 25-jährige Patrick aus Düsseldorf sitzt später stolz mit seinem ersten Bochum Total-Kauf im lauschigen Biergarten des Riff: „Ich kannte die vorher gar nicht, aber die waren so schön politisch kritisch und haben einfach super gespielt und gesungen“ sagt er und plant mit seinen Kumpels wie der Abend noch möglichst punkig weitergehen könnte.

Mr. Irish Bastard
Gastone

Einen trinken mit La Confianza

Im Riff ist nämlich erstmal Rap angesagt: „La Confianza“ brüllen mit dem Megafon in den Biergarten. Reinkommen, ihr Chiller, es gibt was abzufeiern! Der Sound der Crossover-Kapelle knallt hefitg rein. Fiese Down-Beat-Parts wechseln sich mit krachend schnellen Schlagzeug ab. Der Stakkato-Rap von Sänger Pablo Christlein beschleunigt zusätzlich. Aber sie können auch anders, nach einigen Songs wird es bedeutungsvoll und ein bisschen romantisch: La Confianza, das ist die Zuversicht auf Spanisch erklärt Pablo und in all ihren harten Themen soll die auch immer durscheinen. Wunderbar wandelbar geht der nächste Track dann auch stark in Richtung Rap mit Pop-Einschlag nach Vorbildern wie Casper. Pablo unterstreicht mit Posen und Gesten, feuert zur Kapitalismuskritik von „10 Milliarden Menschen“ dann schließlich sogar unechte Geldscheine in die Menge. Da wäre die 1Live-Bühne neidisch, wenn sie das sehen würde. Der smarte Pablo schmettert, schreit, verausgabt sich und flirtet mit dem Publikum. Dabei sind die Fans La Confianza ohnehin schon längst verfallen. Ein Junger Mann im Band-Shirt läuft das ganze Konzert über von rechts nach links, filmt, tanzt, singt mit und klettert dann sogar auf die Bühne um weiter zu filmen. „Ich hab die Jungs bei einem Konzert in Köln letztes Jahr kennen gelernt. Die waren auf den ersten Ton einfach nur super und als wir dann nach der Show auch noch zusammen was trinken gegangen sind, war ich hin und weg“, jetzt lässt sich Michael (31) kein Konzert mehr entgehen. Heute ist er aus Borken mit vier Freunden gekommen, die ebenfalls überzeugt sind: „Saugeil!“

Bier in der Hölle

Dieses beglückte Publikum entgeht der Band „Adam Angst“ heute leider. Die mussten aus persönlichen Gründen als Headliner für den Freitag bei der coolibri-Stage absagen. Gefreut hat das Mr. Irish Bastard – aber natürlich nur, weil sie jetzt selbst zocken können: Kurz vor Auftritt locken die Irish Punker ihre Fans noch mit Backstage-Bildern auf Instagram und schreiben: „It's about showtime“. Das dürfte aber wohl kaum ausschlaggebend gewesen sein: Das Riff ist ohnehin proppevoll mit tanzwütigen Punks, Neugierigen, Festival-LiebhaberInnen – Bochum Total-Fans eben. Und während sie sich im Biergarten an klassisch Bochumer Currywurst erfreuen, fangen sie zu Mr. Irish Bastard auf den ersten Ton an zu springen. Es wird heftig vor der Bühne. Pogo, Moshen, einfach Abgehen. Als hätte es davon heute nicht genug gegeben, treibt das springende Partyvolk die Schweiß-Ausschüttung voran.

Die passende Zeile dazu kommt von Mr. Irish Bastard selbst: „I hope they sell Beer in Hell, My Dear!“. Anfühlen wie in der Hölle tut es sich im Riff gerade schonmal und das gute daran ist, der fromme Wunsch der Irish-Folk-Punker wird hier in rauen Mengen erhört: Kaltes Bier gibt Kraft für die letzte halbe Stunde voll Sprechchören und Band-Support. Beinah würde die den Raum dann ohne Zugabe verlassen, vor lauter Überhitzung scheint das Publikum die Forderung danach nicht mehr so ganz lautstark auf die Kette zu bekommen.

Aber sie lassen sich doch noch bitten: „Wir machen auch nur einen ganz schnellen und dann sind wir weg.“ Sprichts und ballert los: „Gonna let go, Gonna let go“ und das Schlagzeug rattert im Punk-Beat.

Gezwitscher von Bochum Total

Bochum Total - Programmübersicht

3.7. Freitag

1LIVE-Bühne

17.00 Marla Blumenblatt

18.15 Trümmer

19.30 Matteo Capreoli

20.45 Susanne Blech

Ring Bühne

17.00 Firkin

18.15 InLegend

19.30 The Beauty of Gemina

20.45 Exilia

Sparkassen-Bühne

17.00 The Atrium

18.15 Amsterdamn

19.30 Ivan & die Kreml Krauts

20.45 Banda Senderos

22.15 Friedemann Weise

Wortschatz-Bühne

17.45 Freie Radikale

19.00 Marcus Jonas Jahn

20.15 Ape und Feuerstein

22.00 Dieselknecht

coolibri-Stage@Riff

19.30 Second District

20.30 Gastone

21.30 La Confianza

22.30 Mr. Irish Bastard

4.7. Samstag

1LIVE-Bühne

17.00 Nisse

18.15 Sorgenkind

19.30 Karate Andi

20.45 Graham Candy

Ringbühne

17.00 Blackout Problems

18.15 Olympique

19.30 Kensington

20.45 Sickert Band

Sparkassen-Bühne

15.00 Katrins Gitarre

15.45 Cheap Tobacco

17.00 Three Chord Society

18.15 Django S.

19.30 The Prosecution

20.45 Shoshin

22.15 Kapelle Petra

Trailer Wortschatz Bühne

16.15 Bermuda Talk

17.45 Frank Bottke

19.00 Till Burgwächter

20.15 Bastian Bielendorfer

22.00 Empire of a Dancing Bear

coolibri-Stage@Riff

19.30 Leitkegel

20.30 The Tourist

21.30 Mighty Mammut Movement

22.30 Abramowicz

5.7. Sonntag

1LIVE-Bühne

17.00 The Secnd

18.15 LOT

19.30 Tonbandgerät

20.45 Joris

Ringbühne

17.00 Rabaukendisko

18.15 Radio Havanna

19.30 Red City Radio

20.45 Rantanplan

Sparkassen-Bühne

15.00 Antinea Flamenco

16.00 Nbraska

17.00 Mira Boom

18.15 Jamie Faulkner

19.30 Benjrose

20.45 Pamela Falcon

Trailer Wortschatz Bühne

14.00 POTTpourie

15.50 „en rout“ -Chor des Akafö

17.45 Matthias Reuter

19.00 Honkey Doreys

20.15 Klaus Märkert

Riff

22.00 „In die Puppen“-Abschlussparty