SSBO: Längst kein Kleinstadtfest mehr

Tanzen an der Waldbühne | Foto: Cordmaker Photography

Das SSBO (15.+16.8.) im schönen Oer-Erkenschwick bietet ein experimentierfreudiges und anspruchsvolles Line-Up, das man so von einem Ruhrpott-Kleinstadtfestival gar nicht erwartet hätte. Abby, Trümmer oder BRNS zeigen, dass hier Musikkenner angelockt werden sollen.

Oer-Erkenschwick kennen die meisten nur aus mittelprächtigen Comedyprogrammen mit Ruhrpottklischees und Jakkeline-Witzen, bald schon könnte die Stadt aber durch das sich seit Jahren stetig weiterentwicklende Festival SSBO eine Adresse für Musikbegeisterte werden. Im letzten Jahr standen Durchstarter wie Heiss Kalt und der inzwischen legendäre Partybär MC Fitti auf der Bühne. Dieses Mal zieht das Programm vom Teenie-Pop eher ab, glänzt aber dafür durch ein interessantes und erwachsenes Line-Up. Das zeichnet sich zum Beispiel aus durch Zusagen der gehypten Alternativeband Abby, den aufsteigenden Deutschrockern von Messer und Trümmer und der belgischen Indiegruppe BRNS. Acts wie der verträumte Piano-Masken-Mann Lambert, Ex-Astra-Kid-Sänger Pele Caster oder die experimentellen Xul Zolar bescheinigen Anspruch und Know-How der Veranstalter: Aber immerhin jährt sich das kleine Festival ja auch bereits zum zehnten Mal.

Abwechslung und Auflockerung gibt es durch die fröhlich verrückten Sound-Nomaden, die mit ihrem Electro Swing wie eine in die Zukunft gereiste 20er-Jahre Kultkneipe klingen, oder durch die Rapper von Zugezogen Maskulin.

Coolibri-Tipp Nr. 1 ist übrigens die kleine, schnuckelige Waldbühne, auf der ein paar Acoustic-Acts auftreten und zu späterer Stunde DJ's höchst tanzbare Musik auflegen. Umringt von Lichtelementen und herzerwärmender Deko kann man hier wunderbar die Nacht durchtanzen; und sich zwischendurch auf einer Couch oder einem Sessel irgendwo im Gebüsch ausruhen. Und Tipp Nr. 2: Für kleines Geld eine angenehme Runde Bierpong zocken. Apropops Rahmenprogramm: Neben fancy Schminke und Airbrushtattoo findet sich vor Ort auch ein Stand mit Kugelpudel-Eis und neben dem kulinarischen Festival-Klassiker Pommes-Bratwurst gibt es auch ein veganes Angebot.

Infos zu Tickets, Preisen und Zeltmöglichkeiten auf ssbo-festival.de

Reinhören

Abby

Abby machen Indie, kommen aus Berlin, haben Universal im Rücken, haben einen Song auf dem deutschen Hunger Games: Catching Fire Soundtrack platziert und haben jüngst ein ziemlich überzeugendes erstes Album rausgehauen. Ergo: Verdienter Headliner.

Sound Nomaden

Der Bandname verrät schon, dass hier klangtechnisch gewandert und gereist wird und zwar geographisch wie auch zeitlich gesehen. Auf die elektronische Grundlage mischen sich Swing, Jazz und Worldmusic. Muy interesante!

BRNS

Belgien ist nicht nur Land der Giga-Festivals (Tomorrowland, Pukkelpop, usw.) sondern bringt auch seit Jahren höchst interessante Musikexporte auf den Markt. BRNS reihen sich da locker ein: Einfach mal reinhören und selber entdecken.

Xul Zolar

Namensgebend für die Band war der argentinische Surrealist Xul Solar und auch die Musik klingt nach unrealen Welten in denen elektronisches gerne verhallt und Atmosphäre betanzt wird.

Lambert

Lambert hat schon auf dem diesjährigen Traumzeit Festival verzaubert und hört damit auch nicht so schnell auf. Mit leicht gruseliger Maske covert Lambert bekannte Stücke, zumeist aus dem deutschen Musikmarkt und wandelt sie in gefühlvolle, gar zerbrechliche Pianonummern um. Wie geschaffen für die Waldbühne.

Les Trucs

Hart verballerte, leicht verschrobene Anarchie in Elektroform. Auf jeden Fall sehenswert und stark partyverdächtig.

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22.8. Gebäude 9, Köln

Trümmer: Theater, Theater

Für Paul Pötsch, bei Trümmer für Gitarre und Gesang zuständig, sind derzeit die Tage lang. Zusammen mit Tammo Kasper am Bass und Maximilian Fenski am Schlagzeug komponiert das Trio die Musik für ein Theaterstück am Hamburger Thalia-Theater, das sich mit dem Leben und Wirken des Kriminellen Charles Manson beschäftigt. „Charles Manson war ja in der kalifornischen Folk-Musik-Szene auch ein [mehr...]


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