Platzhirsch-Festival: Duisburg bebt

Love A

Als die Straßen rund um den Dellplatz im letzten Jahr während des „Platzhirsch“-Festivals brummten, Musik aus allen Richtungen drang und die Menschen fröhlich dreinschauten, soll der Hamburger Musiker und Schauspieler Jacques Palminger vor einer Kneipe im Viertel gestanden und erstaunt gefragt haben: „Ist das hier immer so?“ Die Antwort der Duisburger ringsherum, so heißt es, sei Gelächter gewesen. Und wer das Nachtleben hier kennt, weiß auch, warum.

Die Chancen stehen gut, dass es nun tatsächlich immer so sein wird. Immer einmal im Jahr: Das „Platzhirsch“-Festival geht vom 22. bis zum 24. August in die zweite Runde und scheint sich in Duisburg zu etablieren.

Mit knapp 5 000 Euro in der Tasche machten sich die Organisatoren im vergangenen Jahr auf den Weg, das „Platzhirsch“-Festival ins Leben zu rufen. Bereits 2012 wurden eifrig Spenden gesammelt, um die „Traumzeit“ – sie machte in jenem Jahr eine von der Stadt verordnete Pause – selbst zu veranstalten. Das gelang schließlich nicht, viele Spenden wurden zurückgegeben. Doch einige Leute wollten das Geld nicht zurück, sondern überließen es dem Verein „Traumzeitretter“, um weiter arbeiten zu können.

Clubs, Kneipen, Cafés und Kirche

Aus den „Traumzeitrettern“ wurde Kultursprung e. V., die Idee des eigenen Festivals vergaßen sie nicht. „Die 5 000 Euro waren alles, was wir an Kapital hatten“, erzählt René Wolf. „Aber wir hatten Kontakte, und die haben wir alle angefragt. Wir haben vier Monate durchgearbeitet, und alle waren beeindruckt, was an den drei Tagen los war.“ Die Wiederholung des Festivals stand nach der erfolgreichen Premiere schon lange fest, die Zusammenarbeit mit Sponsoren, Unterstützern und Ämtern war eingespielt. „Wir haben jetzt die nötigen Strukturen“, erklärt Wolf.

Zu den zahlreichen Clubs, Kneipen, Cafés und kleinen Lädchen, die als Spielorte dienen, gesellt sich nun auch die Kirche direkt am Dellplatz. Der Platz selbst wird selbstverständlich auch wieder bespielt, inklusive der aus dem letzten Jahr bekannten aufwendigen Bühnentechnik. Unter den 50 Solisten und Gruppen wird das Quartett Klare, Brötzmann, Schwers & FM Einheit sein, außerdem die Post-Punk-Band Love A, das Jazz-Elektro-Projekt Byggeset Orchestra oder auch Friedrich Storfinger, der auf der Kirchenorgel Stücke von Moondog spielt. Literatur, Theater und vielfältigste Kunst finden ebenfalls ihren Platz. Viele Programmpunkte werden kostenlos geboten. „Auf lange Sicht hoffe ich“, sagt René Wolf, „dass wir das ganze Ruhrgebiet mit unserem Festival erreichen können.“ Am Ende glauben vielleicht wirklich noch alle, dass es in Duisburg immer so zugeht.

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