Juicy Beats Festival: Obstsalat mit Milch

Die Meute tanzt, die Wiese leidet: Juicy Beats im Westfalenpark | H&HPhotographics

Bloß 1 000 Leute fehlten noch, dann wäre das Juicy Beats Festival im vergangenen Jahr ausverkauft gewesen. Keine Atempause also für Carsten Helmich und Martin Juhls, dieser Sommer muss mindestens genauso saftig werden. Die beiden Organisatoren des gigantischen Obstsalats holen dazu u. a. Milky Chance, Calexico und Alle Farben nach Dortmund.

Kaum hat der Rasen im Westfalenpark sich erholt, da werden die sechs Juicy-Beats-Bühnen schon aufs Neue aufgebaut. Besonders freut sich Carsten Helmich über die Zusage von Calexico: „Die versuche ich seit sieben oder acht Jahren zu kriegen. Endlich hat es geklappt!“ Die amerikanische Folkband bringt Trompeten, Xylophone und Mundharmonikas mit, für Helmich eine „ganz tolle Sache“.

Der Berliner DJ Alle Farben war zuerst für spät nachts auf einer kleineren Bühne eingeplant. „Aber als er in den letzten Monaten immer größer wurde, wurde mir bei der Vorstellung immer unwohler.“ Sicherheitshalber hat Helmich den House-Künstler jetzt an den frühen Abend und auf die zweitgrößte Bühne verfrachtet.

Calexico
Alle Farben
Boys Noize

Aber auch ein paar vertraute Gesichter spielen am 26. Juli im Schatten von Kiwi, Orange, Ananas und Co. „Die Acts, die in den vergangenen Jahren besonders gerockt haben, laden wir natürlich wieder ein.“ Dazu gehören neben dem Elektropop-Spezialisten Boys Noize auch die Chaos-Raver von Frittenbude. Spätestens seit die Bayern vor vier Jahren als Co-Headliner einsprangen, weil Beth Ditto einen Tag vor dem Festival absagen musste, gehören sie zum harten Kern der Fruchtfamilie. „Die Jungs waren damals so phänomenal auf der Bühne, dass keiner mehr nach Beth Ditto gefragt hat."

Neon, Tuk-Tuk und Newcomer

Frittenbude

Trotz allem Gerede über Headliner ist Helmich überzeugt, dass es beim Juicy Beats Festival nicht nur darauf ankommt. „Es geht vor allem darum, durch den Park zu streifen und sich überraschen zu lassen, was hinter der nächsten Ecke passiert.“ An der Seebühne hat dieses Jahr eine zwanzig Meter breite Leinwand Premiere, auf die Videokünstler ihre Live-Visuals projizieren. Auch laufen dort die schönsten Musikvideos der Oberhausener Kurzfilmtage.

Vergangenes Jahr bereits erfolgreich erprobt wurde die Neon-Disko im Zirkuszelt. Dort können die Besucher sich nach Herzenslust mit UV-Farben besprenkeln, um dann im Schwarzlicht vor sich hinzuleuchten. Quer durch den Park fährt auch wieder das Festival-Tuk-Tuk, eine indische Autorikscha mit Soundsystem.

Traditionell bekommen beim Festival auch Newcomer-Bands die Chance, ihr Publikum zu finden. Dieses Jahr zum Beispiel die Essener Band Senderos, die am frühen Nachmittag mit einem tanzbaren Mix aus Cumbia und Reggae die Funkhaus Europa Worldbeat Stage eröffnet. Helmich freut sich außerdem auf ihre älteren Kollegen von Kuenta I Tambu aus Curacao.

Clubs, Apps und Tipps

Auch die Clubs des Ruhrgebiets nutzen traditionell die Gunst der Stunde für ein Open-Air-Heimspiel. Mit dabei sind diesmal unter anderem der Dortmunder Mad Club und einige Residents der Rotunde in Bochum. Typisch Ruhrgebiet ist für Helmich nicht zuletzt das Publikum: „Dass die verschiedenen Acts so derbe abgefeiert werden, ist längst nicht überall so. Davon war beispielsweise Marteria letztes Jahr absolut geflasht.“

Auch vor Ort: Milky Chance und...
...Carsten Helmich

Carsten Helmich hat bei seinem eigenen Festival kaum Zeit, ein Konzert ganz zu sehen. Er fährt den ganzen Tag mit dem Fahrrad über das Gelände und checkt, ob alles nach Plan läuft. Ein paar Tipps, wie man sich am besten zurechtfindet, hat er trotzdem:

„Es ist wichtig, sich vorher mit den Acts vertraut zu machen. Wir haben im Internet für alle Künstler Musik und ein Video verlinkt. Ich persönlich versuche immer, vorurteilsfrei an so etwas heranzugehen und mich einfach zu fragen: Gefällt's mir oder nicht? Dann baue ich mir im Voraus einen Plan zusammen, wann ich wo sein will. Ich notiere mir auch Alternativen, falls mir etwas doch nicht gefällt. Dann kann ich schnell zur nächsten Bühne wechseln.“ Beim Erstellen des persönlichen Time-Tables hilft übrigens auch die Juicy-Beats-App.

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Foto: H&HPhotographics

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