Deichbrand-Festival: Glück & Geduldsspiel

Frittenbude rockte das Deichbrand | Foto: Hinrich Carstensen

In diesem Jahr feiert das Deichbrand-Festival am Seeflughafen Cuxhaven-Nordholz vom 17. bis 20. Juli sein zehnjähriges Jubiläum. Peter Hesse sprach mit dem Festival-Macher Marc Engelke über Bands, Booking und Befindlichkeiten.

Mit 500 Besuchern und einer Handvoll Bands fiel vor zehn Jahren der Startschuss für eine der sympathischsten Open-Air-Veranstaltungen in Mitteleuropa. „In der Geschichte des Deichbrand-Festivals war das Jahr 2009 eins, was mir richtig gut in Erinnerung haften geblieben ist“, sagt Marc. „Damals waren Mando Diao unsere Headliner. Wir hatten somit zum ersten Mal eine richtig große Band bei uns. Außerdem war uns der Wettergott gnädig, nachdem im Jahr 2008 das Festival fast wegen eines Unwetters abgebrochen werden musste.“

Gage bitte vorab

Das Glück gehört bekanntlich dem Tüchtigen, und so war das ausverkaufte Festival im vergangenen Jahr eines, was allen Beteiligten mit über 35 000 Besuchern in extrem guter Erinnerung geblieben ist. Campino von den Toten Hosen begrüßte das Publikum am späten Sonntagabend mit den Worten: „Ich kann mir vorstellen, was ihr in den letzten Tagen bei der Hitze durchgemacht habt und möchte mich für den großartigen Empfang und eure Geduld bedanken.“ Denn gutes Wetter ist in der Nordsee-Metropole Cuxhaven nicht unbedingt eine planbare Größe. Gerade in den Anfangsjahren hat es oft geregnet, und die Suche nach geeigneten Publikumsmagneten konnte auch mal zum Geduldsspiel ausarten. „Die erste wirklich namhafte Band, die wir je gebucht hatten, waren Revolverheld im Jahr 2006“, sagt Marc und ergänzt, „die verlangten ihre Gage per Vorkasse. Weil wir damals noch Studenten waren, musste ich dafür meine Tante und meinen Onkel anpumpen. Sonst hätte ich das Geld nicht rechtzeitig überweisen können.“

Unter besonderer Beobachtung

Marc und sein Partner Daniel Schneider kümmern sich um alle Belange, die das Festival betreffen. „In diesem Jahr kommen alleine 900 Sanitätskräfte, die alle an unterschiedlichen Schichten im Einsatz sind. Diese Leute brauchen zudem eine adäquate Unterkunft und natürlich Verpflegung. Dazu kommen zwei Hundertschaften Polizisten.“ Nachdem Unglück der Duisburger Loveparade stehen Festival-Veranstalter zudem unter besonderer Beobachtung, was die Sicherheitsbestimmungen angeht. „Wir treffen uns mit der Polizei, Feuerwehr und weiteren zuständigen Behörden viermal in einer großen Runde vor dem Festival. Wir haben zudem eine unabhängige Controlling Firma beauftragt, die unser Sicherheitskonzept nochmals auf Herz und Nieren überprüft. Das ist alles schon ein sehr hoher bürokratischer Aufwand. In Gesprächen, die wir mit den Behörden regelmäßig führen, wechselt mindestens einmal pro Sitzung das Gespräch auf die Loveparade 2010. Alle Beteiligten beäugen den Prozess, die Schuldfrage und die Regresspflicht sehr kritisch. Ich möchte außerdem betonen, dass kein Veranstalter, den ich kenne, die Loveparade in Duisburg genehmigt hätte.“

Bei allen Pflichtgeboten und Verordnungen steht das Booking für das Festival natürlich für Marc im Mittelpunkt. „Klar habe ich Wünsche im Billing. Ich würde mich kaputt freuen, wenn mal Daft Punk, Rammstein oder Kings Of Leon bei uns aufträten. Doch diese Acts spielen mit ihren Gagenforderungen leider in einer ganz anderen Liga. Da können wir nicht mithalten.“

Jan Delay, Marteria, Alligatoah 2014 wird fett

In diesem Sommer ist das Deichbrand aber auch so mit sehr großen Namen ausgestattet: „Ich freue mich auf Jan Delay und bin sehr gespannt auf sein neues Album. Weil ich mittlerweile selber auch in Hamburg wohne, finde ich diesen Typen als Mensch und Musiker einfach noch cooler.“ Neben Rockbands ist die Dance-Music- und Hip-Hop-Szene sehr präsent: „Paul Kalkbrenner ist einer der größten DJs, die es mittlerweile in Deutschland gibt, das wird sicher spannend – wie auch die Shows von Alligatoah und Marteria. Den Rostocker Rapper haben wir schon sehr früh gebucht, sein neues Album ist echt stark. Auch freue ich mich tierisch auf The Prodigy. Die Band ist bekannt für Sound und Bässe, ihr Live-Sound ist geprägt von einer extrem physischen Qualität. In Deutschland spielen sie nur am Hockenheimring und bei uns.“ Jetzt fehlt nur noch die Gnade vom Wettergott, und die Sause kann starten.

Die Highlights des Line-Up 2014 im Überblick

THE PRODIGY, JAN DELAY, PAUL KALKBRENNER, THE HIVES, GUANO APES, CRO, IN EXTREMO, HEAVEN SHALL BURN, MILLENCOLIN, SICK OF IT ALL, SUBWAY TO SALLY, CALLEJON, EXCLUSIVE, BOY HITS CAR, RANK TURNER & THE SLEEPING SOULS, MAXIMO PARK, MARTERIA, KATZENJAMMER, REVOLVERHELD, JUPITER JONES, K.I.Z., TRIGGERFINGER, CHASE & STATUS, PRINZ PI, IRIÉ REVOLTÉS, MAD CADDIES, GENTLEMAN, ALLIGATOAH, MC FITTI, INTERGALACTIC LOVERS, ONLY CRIME, TURBOSTAAT, TERRORGRUPPE, EGOTRONIC, CALIBAN, DIE APOKALYPTISCHEN REITER, FAUN, HIS STATUE FALLS, MASSENDEFEKT, FEINE SAHNE FISCHFILET, MOONBOOTICA, BOOKA SHADE, WESTBAM,

26.7. Westfalenpark, Dortmund

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