Asphalt Festival: Wenn die große Kultur Pause macht

Florale Utopie: Jan Fabres „Preparatio Mortis“ | Foto: Achille Lepera

Das Asphalt Festival findet statt, „wenn die große Kultur Pause macht“. So bringt es der diesjährige Schirmherr Sönke Wortmann auf den Punkt. In die Sommerferien-Nische vom 8. bis zum 17. August platzieren die Initiatoren Christof Seeger-Zurmühlen und Bojan Vuletić ihren zehntägigen „Festivalrausch“, wie Letzterer es nennt. Die rund 33 Veranstaltungen gestalten sich hochkarätig und abwechslungsreich.

Von Bäumen und Schmetterlingen

Am 8.8. beginnt das Festival bereits mit einem Highlight in den Alten Farbwerken : „Preparatio Mortis“, ein zeitgenössisches Tanzstück des belgischen Star-Choreografen Jan Fabre, beschäftigt sich mit der Endlichkeit des Lebens. Solotänzerin Annabelle Chambon, 5 000 blühende Schnittblumen sowie 150 lebendige Schmetterlinge sorgen für ein anrührend schönes Erlebnis. Fabres Vorliebe für krabbelndes oder fliegendes Kleingetier ist übrigens familiär bedingt: Sein Großvater war der berühmte Insektenforscher Jean Henri Fabre. Weniger um Insekten als um deren Lebensraum geht es in Raoul Brands Klanginstallation „Tree #2612“. Im Weltkunstzimmer werden die Geräusche eines Kastanienbaums bis hin zu seiner Abholzung inszeniert. Im Anschluss sorgt die Vernissage der Rauminstallation „Impact“ von Dejan Sarić für ein Wechselspiel zwischen Ruhe und Bewegung. Zwei riesige Kegel hängen im Raum, werden auseinandergezogen und prallen anschließend aufeinander. Die letzte Veranstaltung des Eröffnungsabends dürfte sicherlich die ein oder andere Gefühlsregung wecken: Das Repertoire der ukrainischen Sängerin Mariana Sadovska umfasst unter anderem Hexengesänge, Hochzeitslieder und Emigranten-Songs.

Inszenierte Städteführungen

N wie Nordpol | Foto: Nils Strindberg

Ein Ziel des asphalt-Festivals ist es, den Blick aufs Alltägliche zu verändern. Bereits im dritten Jahr werden deshalb urbane Räume Düsseldorfs spartenübergreifend mit außergewöhnlichen Visionen gepaart. Dazu gehören ausgefallene Locations: „Die Spielorte haben alle Charme, manche erst auf den zweiten Blick“, sagt Seeger-Zurmühlen, der inzwischen auch die Leitung des Jungen Schauspielhauses innehat. Die Backfabrik im Weltkunstzimmer und die Alten Farbwerke an der Ronsdorfer Straße beherbergen das Festival ebenso wie das Central am Hauptbahnhof, das GAP 15 und der Solarium Kiosk. Dort startete bereits am 28. Mai die Stadtführung „Ode an das Büdchen“ des Theaterkollektivs per.Vers. Diese findet am 24. Juli sowie am 9.8. und vom 11. bis 16.8. abends statt. Denn: „Grundbaustein des Festivals sind inszenierte Städteführungen“, so Seeger-Zurmühlen. Die rund neunzigminütige Route (Startpunkt: Solarium Kiosk) führt gleich an mehrere Büdchen der Stadt. Für jeden Kiosk wurde eigens eine Hymne von Vuletić komponiert.

Düsseldorfer Bekannte

Stadtbekannt: Sonny Wenzel | Foto: Thomas Stelzmann

„Das Asphalt Festival ist sowohl national als auch international gedacht“, sagt Vuletić. Kein Wunder also, dass neben internationalen Größen auch bekannte Düsseldorfer Künstler vertreten sind. So tragen Sonny Wenzel & Freunde am 10.8. im GAP 15 Poesie und Prosa vor, begleitet von einem New Yorker Streichquartett. Die Besonderheit des Spielortes in luftiger Höhe bringt Vuletić auf den Punkt: „Man sieht die Adern der Stadt pulsieren.“ Die Texte entstehen eigens für diesen Abend. Auch das Stück „Collateral Damage“, zu sehen am 11. und 15.8. im Weltkunstzimmer, ist eine Asphalt-Auftragsarbeit. Die drei Düsseldorfer Choreografen Marcus Grolle, Morgan Nardi und Nora Pfahl haben in den letzten Monaten drei Stücke über die Unvereinbarkeit von Ehrgeiz und Liebe, Glück und Gerechtigkeit entwickelt. Grolle, Nardi und Pfahl verantworten für die jeweils anderen beiden ein Duett. Eine weitere Koproduktion mit dem Festival stellt das Stück „Die weiße Insel“ des Theaterkollektivs Subbotnik dar. Im Weltkunstzimmer spielt, liest, singt und vertont die Gruppe am 16. und 17.8. die Geschichte dreier Schweden, die sich 1897 auf eine tollkühne und lebensgefährliche Nordpol-Expedition machten. Weniger gefährlich, dafür harmonisch schön spielt Honig, die Band um den Düsseldorfer Singer-Songwriter Stefan Honig, auf. Kurz vor dem Erscheinungstermin ihres neuen Albums „It’s Not A Hummingbird, It’s Your Father’s Ghost“ findet das Pre-Release-Konzert im Rahmen des Festivals am 16.8. im Weltkunstzimmer statt. Und wen es vor, zwischen und nach den Veranstaltungen danach gelüstet, im Biergarten über das Gesehene zu sinnieren: Das Asphalt Paradies im Hinterhof des Weltkunstzimmers hat täglich ab 16 Uhr geöffnet.

Asphalt Festival in Düsseldorf: 8.17.8. Weltkunstzimmer, Alte Farbwerke (Ronsdorfer Str. 74), Central am Hauptbahnhof, GAP 15, Solarium Kiosk.

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