moers festival: Blockflötistin Josephine Bode im Interview

Josephine Bode | Foto: Helmut Berns

Eine Konferenz der Marimba-Spieler, ein Fokus auf Musik aus Nordkorea, eine Begegnung der dänischen Band Efterklang mit dem belgischen Musikerkollektiv B.O.X – Tim Isforts Programm für das moers festival ist wieder erwartbar unerwartbar. Die größte Merkwürdigkeit ist sicher die diesjährige Improviser in Residence: Josephine Bode ist Blockflötistin. Im Interview erklärte sie Max Florian Kühlem, warum das sexy ist.

Dem Klischee nach legen begabte Kinder die Blockflöte irgendwann weg, um „richtige“ Instrumente zu lernen. Wie entdeckt man ihre Coolness?
Durch das Dabeibleiben. Ich glaube nicht, dass irgendein Instrument an sich cool ist. Es ist die Frage, was man damit macht. Ich hatte das Glück, wahnsinnig gute Lehrer zu haben, die das Spiel nie langweilig machten. Dass die Blockflöte kein richtiges Instrument ist, ist ja eh Quatsch. Sie ist ein sehr altes Instrument – und es gibt weit mehr Variationen als die kleine Sopran-Blockflöte, die jeder kennt. Mir hat mal jemand gesagt, es gebe über 300 Versionen in verschiedenen Stimmungen und Stimmlagen.

Welche nutzt du?
Ich nutze fast alle Ausführungen: Barock-, Renaissance- und Mittelalter-Instrumente, aber auch moderne wie Irish Whistles, die viereckigen Petzold-Flöten oder das EWI – Electric Wind Instrument. Das ist ein Midi-Controler, der wie ein Keyboard funktioniert, aber die Signale werden über den Atem angesteuert. Es kann organisch klingen, aber auch wie Synthesizer.

Du wirst als „Lady Gaga der Blockflöte“ bezeichnet. Wieso?
(lacht) So hat mich mal eine Choreographin nach einer Improvisation mit Tänzern genannt. Ich hatte an dem Abend immer das extremste Kostüm an. Mit meinem Sound hat das nichts zu tun. Ich finde es gibt bessere Sounddesigner als die Produzenten von Lady Gaga.

Siehst du dich als Jazzerin?
Ich habe nie Jazz studiert und würde meinen Sound als Off-Mainstream bezeichnen. Aber ich liebe natürlich das Improvisieren und grenzüberschreitende Arbeiten – zum Beispiel mit Lichtkünstlern. Das ist interessant, weil ich durch eine seltene Augenkrankheit nur noch 25 Prozent Sehkraft habe und die Aufführungen dadurch ganz anders sehe.

Auf welchen Programmpunkt freust du dich besonders?
Gleich am ersten Festival-Tag spiele ich in einem Trio mit dem grandiosen Pianisten Ethan Iverson von The Bad Plus – die Erfüllung eines Traums! Ansonsten bin ich in Moers Improviser bis Januar – und werde sicher den Bürgermeister beim Wort nehmen: Er sagte, das Rathaus steht mir offen!

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