Von Beats und Bits: Acht Brücken Festival

Mouse on Mars | Foto: S. Szary

„Ein Lied kann eine Brücke sein“ sang Joy Fleming in einem Schlager aus dem Jahr 1975. Mit Schlagern nichts am Hut hat hingegen das Festival mit Namen „ACHT BRÜCKEN“ (ebenso viele queren in Köln den Rhein), das in diesem Jahr zum dritten Mal in der Domstadt ausgetragen wird.

Zwischen dem 30. April und 12. Mai steht die elektronische Musik im Fokus, sei sie nun von gestern oder heute. In 15 verschiedenen Spielstätten gehen mehr als dreißig Konzerte über die Bühnen, wobei das Werk des griechisch-französischen Komponisten Iannis Xenakis, der mit seinem mathematischen Kompositionsverfahren der elektronischen Musik seinen Stempel aufgedrückt hat, auffällig viel Raum einnimmt. Aber auch die nahe Landeshauptstadt mischt sich ein und wird Künstler in die südlicher gelegene Rhein-Metropole entsenden.

So werden DAF am 7.5. im Alten Wartesaal sicher auch ihren Klassiker „Tanz den Mussolini“ nicht vermissen lassen. Mouse on Mars – mittlerweile, zugegeben, nach Berlin verzogen, aber vorher lange in Düsseldorf ansässig – präsentieren am 25.4. im Filmforum eine Weltpremiere: „Glam“ heißt der Streifen, zu dem sie die Musik schufen, der aber nie in die Kinos kam. Im Rahmen von „ACHT BRÜCKEN“ ist das abstruse Machwerk nun erstmals zu sehen – und wird live von dem Duo musikalisch untermalt.

Mouse on Mars

Vier Tage später ist dann der offizielle Festivalstart, für den sich das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes in den Untergrund begeben muss. In den noch im Bau befindlichen U-Bahnhöfen Bonner Wall und Chlodwigplatz sorgen Sam Auinger und Bruce Odland ab 18 Uhr für Beschallung. Später am Abend steigt dann im Museum Ludwig die Eröffnungsparty, bei der DJ Spooky und der Düsseldorf-Export Jan Schulte die Plattenteller drehen. Am 4.5. trifft Jaki Liebezeit, einst Schlagwerker der Krautrocklegende Can, im Stadtgarten auf Burnt Friedman. Gemeinsam produzieren sie einen Sound, der wohl am ehesten in die Schublade „Techno“ passt, so man denn mit Schubladen hantieren möchte. Schlammpeitziger und Lena Willikens komplettieren das Line-Up. Eine akustische Variante der Konzeptkunst verfolgt Matthew Herbert. Der Brite, der Remixe für Björk, John Cale oder Yoko Ono anfertigte, sampelte für seine CD ONE PIG Geräusche aus dem Leben eines Schweins – von der Geburt bis zur Schlachtung, von der Fleischverarbeitung bis zum Verzehr. In der Philharmonie kombiniert Herbert am 6.5. eigene Arbeiten mit seiner Fassung von Terry Rileys Minimal-Klassiker „In C“.

Zwei Tage später wagt das Festival im Stadtgarten einen Steifzug durch die aktuelle Kölner Dance-Szene. Damiano von Erckert, heiß gehandelter Produzent, DJ und Labelbetreiber, trifft ab 23 Uhr auf das Duo Camp Inc. und den DJ Marius Bubat. Musik in Kombination mit Tanz steht am 9.5. im Theater am Tanzbrunnen auf dem Programm. Der Choreograph Steven Winne und der Komponist Reto Stadelmann haben eigens für „ACHT BRÜCKEN“ das Musik- und Tanzspektakel „Opportunity“ ins Leben gerufen. Zuschauer, die Teil der Performance werden möchten, sind ausdrücklich erwünscht.

Wer nicht das Licht der Scheinwerfer sucht, kann sich dem musikalischen Nachtspaziergang anschließen, der für den 8.5. anberaumt ist. An insgesamt fünf Stationen zwischen Kunsthaus Rhenania und Bootshaus „Alte Liebe“ ist Musik zu erleben. Elektronische, natürlich.

achtbruecken.de

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