Open Source Festival: Bling Bling

Headliner: Dinosaur Jr.

Das „Open Source Festival“ stellt sein Programm vor

Eine Freundin war dieser Tage zum ersten Mal im „Finanzämtche“. Hinter der Fassade einer gutbürgerlichen Kneipe auf der Düsseldorfer Oststraße verbirgt sich ein koreanisches Restaurant, das in erster Linie von Asiaten besucht wird. Wie in einer anderen Welt habe sie sich gefühlt, schwärmte die Freundin – koreanische Popvideos inklusive. 

Das „Venus & Apoll“, Projektraum der Düsseldorfer Kunstsammlerin Julia Stoschek, funktioniert ähnlich. An einem wettertechnisch verkorksten Tag wie dem gestrigen will man nur eines: der grauhimmligen Realität möglichst schnell entfliehen. Da kommt einem der ehemalige russische Beauty Salon am Worringer Platz gerade recht. Drinnen ist es warm und schummrig.

Der abgetretene Musterteppich im hinteren Teil des Raums gemahnt an ein Vertreter-Hotel am Chemnitzer Stadtrand. Die Lametta-Vorhänge an der Wand würden jeder Dorf-Diskothek gut zu Gesicht stehen. Bling Bling machen die Lichterketten. Zwei freundliche junge Damen verteilen Geschenkbeutel an die ob solcher Aufmerksamkeiten erfreuten Pressevertreter. „Open Source Festival“ steht auf den Jutebeuteln. „Open Source Festival“ steht auf den Shirts im Inneren der Tasche. 

Und dann gibt es noch ein Handtuch mit dem Schriftzug des Berliner Elektronik-Duos Modeselektor. Letztere sind nur ein Act von insgesamt 30, die bei der diesjährigen Ausgabe des Festivals auf die Bretter steigen werden. Zum mittlerweile achten Mal findet das Open Source 2013 bereits statt. Nun sind Freunde, Förderer und nicht zuletzt der künstlerische Leiter Philipp Maiburg an den Worringer Platz gekommen, um sich gegenseitig zu danken und, natürlich, das Festival-Programm vorzustellen.

Die Kooperationen ergeben sich natürlich

Die Begrüßungsworte spricht die Hausherrin. „Ich persönlich freue mich auf das Open Source Festival“ sagt Julia Stoschek erwartungsgemäß. Und natürlich kann man sich bei ihr nicht ausschließlich auf das Gesagte konzentrieren (auch wenn man es gerne würde). Zu auffällig, zu dominant ist die Optik der schwer reichen Protektorin der Künste. Stoschek trägt einen silbernen Pulli zu ebenfalls silbernen Sneakers mit Absatz, dazu enge schwarze Hosen und eine kurze, körperbetonte Jacke. Die Betty-Page-Frisur ist Vergangenheit. Das schwarze, jetzt längere Haar hat sie zu einem Dutt hochgesteckt. In diesem Look kann man sie sich bestens auf der Düsseldorfer Galopprennbahn vorstellen. Das fällt bei Hans-Georg Lohe schon schwerer. Der Düsseldorfer Kulturdezernent scheint jene Rhetorik-Lektion gelernt zu haben, die besagt, man solle seinen Vortrag mit einem Gag starten. „Vielen Dank, dass wir im WP8 die Pressekonferenz abhalten dürfen“, sagt er. Großes Gelächter. „Venus & Apoll“ souffliert Stoschek.

Lohe hat da schon längst den Bogen zum städtischen Engagement geschlagen. 50.000 Euro steuert das Kulturamt auch in diesem Jahr zum Open Source Festival bei. Zusätzliches Geld kommt aus den Töpfen der Wirtschaftsförderung. Der Rest besorgen Sponsoren und Stiftungen. Zwei Vertreterinnen von letzteren sitzen ebenfalls auf dem Podium und, is klar, freuen sich sehr, dabei zu sein. Auch mit den Wissenschaften ist das Festival bestens vernetzt.

Als Vertreter sind Mischa Kuball, Künstler und Dozent an der Kunsthochschule für Medien Köln und Dirk Matejowski vom Institut für Medien- und Kulturwissenschaften der Düsseldorfer Heine-Uni, erschienen. Die Kooperationen ergäben sich beim Open Source stets natürlich, betont Philipp Maiburg, „die werden nicht am Reißbrett konstruiert.“ Zudem sei es den Machern wichtig, Projekte möglich zu machen, die ohne das Festival nicht stattgefunden hätten.

Weltmusik und Jazz

Hier kommt Stefan Schneider an die Reihe. Der Düsseldorfer Elektroniker war 2011 auf Einladung des Goethe-Instituts gemeinsam mit dem Hamburger Musiker Sven Kacirek in Kenia. In einem Dorf namens Mukunguni haben sie mit einheimischen Musikern Aufnahmen gemacht. Traditionelle Musik. Das Ergebnis liegt mittlerweile auf Vinyl vor. Titel: „Mukunguni“. „Mit Klappcover“ sagt Schneider sichtlich stolz. Insgesamt zehn kenianische Musiker waren an dem Projekt beteiligt. Zwei von ihnen reisen zum Open Source an, wo sie gemeinsam mit Schneider und Kacirek ein Set auf der Carhartt-Bühne spielen werden. Überhaupt haben sich auf der mittleren der drei Bühnen in diesem Jahr „Weltmusik und Jazz eingeschlichen“, wie Maiburg bemerkt.

Die Hauptbühne wird auch 2013 wieder von Düsseldorfern eröffnet. PDR, ehemals Punk’d Royal, waren vor zwei Jahren schon mal in Grafenberg dabei – damals noch auf der Young Talent Stage. Mittlerweile sind sie, so die einhellige Meinung von Experten, auf dem Sprung. Herr Lohe formuliert das so: „Manche kennen sie aus dem Morgenmagazin.“ Er selber sei, wenn das ausgestrahlt werde, meistens schon unterwegs. Aus Island reisen FM Belfast an, eine Kapelle, der der Ruf vorauseilt, wild und ausgelassen zu performen. „Die werden jeden Quadratzentimeter der Bühne ausfüllen“, verspricht Maiburg. Eher ältere Zuschauer-Semester dürften Dinosaur Jr. hinter dem Ofen hervorlocken, schließlich ist die Formation um J. Mascis bereits seit fast 30 Jahren im Geschäft. Nach ihrem zakk-Gastspiel 2009 kehrt das Trio am 29. Juni nach Düsseldorf zurück. 

15 von 30 Bands aus Düsseldorf

Ansonsten wird vieles so sein, wie es sich in den letzten Jahren bewährt hat, an der Galopprennbahn Grafenberg. Im Rahmen der „Open Squares“ werden kreativ-wirtschaftliche Ideen aus Düsseldorf gezeigt. Das Nachtprogramm wird erneut in nur einer Location über die Bühne gehen – im Lierenfelder Stahlwerk nämlich. Auf der Young Talent Stage dürfen sich die lokalen Helden ausprobieren. „15 von 30 Bands, die beim Open Source auftreten, kommen aus Düsseldorf“, sagt Maiburg. „Das freut uns natürlich ganz besonders.“ Wenn die Veranstalter jetzt noch die gastronomischen Probleme in den Griff bekommen und man nicht wie im vergangenen Jahr 20 Minuten für eine mittelgute Pommes anstehen muss, wäre die Freude auch auf Seiten der Besucherschaft perfekt.

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