Open Source Festival: Das Spiel mit den Erwartungen

Kaffee und 90er-Pop: DENA

Das letzte Wochenende im Juni, ein inzwischen vertraut besetztes Datum in Düsseldorf. So auch in diesem Jahr, wenn das Open Source Festival am 29.6. wieder Tausende aus dem In-, Um- und Ausland auf die Grafenberger Galopprennbahn lockt, um gemeinsam musikalische Genres auszuloten und Kategorisierungen zu verwerfen.

Inzwischen hinterfragt niemand mehr, ob es stattfindet. Man geht schlicht davon aus – auch wenn das OSF nach wie vor ohne Regelförderung auskommen muss. „Man hat inzwischen aber schon verstanden, dass das Festival wichtig ist für die Stadt“, gibt ein gelassen wirkender Philipp Maiburg zu verstehen. Der künstlerische Leiter des OSF hat eine einfache Erklärung für diese Entwicklung. „Ich denke, dass es uns gelungen ist, einem überregionalen Publikum einen ganzen Haufen Düsseldorf unterzujubeln.“ Er strahlt Zufriedenheit und Zuversicht aus, wissend, ein besonderes Festival erfolgreich etabliert zu haben.

Einfach war das jedoch nicht und langer Atem unerlässlich. „Wenn man drei Tage in strömendem Regen aufbaut, fragt man sich schnell, warum man sich das überhaupt antut. Und dann auch noch in dem Wissen, dass man auf jeden Fall Verlust machen wird. Warum kauft man sich nicht einfach ein schönes Motorrad, das man am Wochenende mit Q-Tips reinigt, und verschwendet so seine Zeit?“, rekapituliert Maiburg die Anfänge des Festivals. Seine Antwort ist einleuchtend: „Ganz einfach deshalb, weil so ein Festival trotz aller Widrigkeiten schon im Aufbau eine Euphorie erzeugt, die einfach total positiv ist. Darin liegt das Geheimnis.“ Spätestens wenn Künstler und Publikum verschmelzen, sind die Mühen schnell vergessen. Was bleibt, sind oft magische Momente.

Keine Musik von der Stange

Das bisher schönste OSF erlebte er – und die meisten Besucher ebenso – jedoch im letzten Jahr: „Da ist einfach alles aufgegangen. Zufriedene Künstler und Gäste, bestes Wetter und ich selbst hatte überhaupt keinen Stress. Ich hatte wirklich mal Zeit mich umzuschauen, mich zu unterhalten, und ich habe mich einfach nur gefragt, wo denn wohl der Haken sein könnte.“ Gefunden hat er ihn erst später in Form gestiegener Erwartungen. Die der Besucher, aber auch seine eigenen. Der Booking-Prozess sei diesmal langwierig und zunächst ernüchternd gewesen. Natürlich habe man eine Schippe drauflegen und noch größere Acts buchen wollen, habe aber schnell die Ellenbogen der „Großen“ gespürt. „Wir waren lange in Gesprächen mit „The National“, gesteht Maiburg, „doch dann haben andere Festivals einen Haufen Geld für Exklusivrechte bezahlt.“ So etwas ärgere ihn zwar, doch Unsummen kann und will er nicht zahlen. Wichtiger sei es, die Tickets in der momentanen Preisregion zu halten und die Umstände als kreative Chance zu betrachten. „Es zwingt uns in ein Sonderformat und vermutlich ist das genau das Richtige. Wir haben auch diesmal eine schräge Mischung an Bands, aber sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind spezielle Formate und sie besitzen Relevanz. Da ist nichts von der Stange oder am Reißbrett entstanden.“

Vielfältiges Line-Up

So bilden in diesem Jahr vor allem die Headliner den größten Kontrast. Zum einen ist da das Alternative-Urgestein Dinosaur Jr. und zum anderen Hip-Hop-Chamäleon Mos Def, der zusammen mit Jazz-Pianist und Grammy-Gewinner Robert Glasper für ein exklusives Live-Erlebnis sorgen dürfte. FM Belfast steht wiederum für Elektropop der Marke Wahnwitz, Darkstar und Portico Quartet für feinstes Kopfkino und DENA für 90er-Pop der skurrilen, aber charmanten Art – neu angeordnet im Hier und Jetzt. Haupt- und Carhartt-Bühne sind mit diesen und vielen weiteren Künstlern also wieder abwechslungsreich und spannend besetzt. Aber auch die Young Talent Stage erlebte einen nie da gewesenen Andrang mit über sechzig Bewerbungen bei nur acht zu vergebenen Plätzen. Die Nacht wiederum führt erneut ins Stahlwerk, wo neben den Düsseldorfern AI und Kreidler vor allem Modeselektor für eine ausschweifende Verlängerung des OSF sorgen werden. Die Soundprobleme, einziger Kritikpunkt des letzten Jahres, kontert Philipp Maiburg ungefragt: „Wir nehmen diesmal etwas mehr Budget in die Hand, um dies in den Griff zu kriegen.“ Das Spiel mit den Erwartungen, er scheint auch das zu meistern.

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