Die Zeit ist reif

| Marcus Kalbitzer (Foto: Tani Capitain)

1995 hat es Klick gemacht: Beim Studium der Cultural Studies im englischen Canterbury entdeckt Marcus Kalbitzer seine tiefer gehende Liebe zur Popkultur. Als er ein Jahr später nach Essen zurückkehrt, beginnt er über Musik zu schreiben und organisiert erste Konzerte. Am 24. Februar bringt der 40-Jährige nun Kettcar in die legendäre Grugahalle. „Im ‚Schmetterlingsbau‘ habe ich nicht nur Van Halen, The Pogues oder Depeche Mode live gesehen, sondern auch schon früher bei unzähligen Rockpalästen vor dem Fernseher mitgefiebert. Es wird Zeit, dass an diesem legendären Ort wieder mehr zeitgemäße Musik präsentiert wird.“

Kalbitzer ist nicht nur Veranstalter, sondern mittlerweile auch im Vorstand des Kulturbeirats der Stadt Essen. Ein Muss, um als Kulturarbeiter vor Ort erfolgreich sein zu können? „Nein, nicht zwingend. Aber mein Anliegen war es von Anfang an, in meiner Heimat kreative Potenziale und Orte zu entdecken und hier eine vielfältigere Kultur möglich zu machen. Dafür muss man sich nicht nur mit den vorhandenen Strukturen auseinandersetzen, sondern bereit sein, gestalterisch wirken zu wollen und für Veränderungen zu kämpfen.“

Maximo Park im JZE

Mitte der 90er legt er als DJ im KKC auf, organisiert Konzerte und Veranstaltungsreihen an der Universität. Auch für die beliebten Campusfeste gestaltet er das Programm und dort sieht man nun regelmäßig hochbegabte deutsche Bands wie Seeed, Fettes Brot, Sportfreunde Stiller oder Mia.

2005 gründet er seine eigene Firma Kulturzentrale: „Die Bands wurden größer, die Ansprüche wuchsen. Ich musste auf größere und vielfältigere Spielorte zugreifen können.“ Kettcar oder Tocotronic spielen noch im selben Jahr im JZE Papestraße. 2006 holt Kalbitzer Jan Delay in die Weststadthalle, Kante nach PACT Zollverein, Maximo Park ins JZE oder Lloyd Cole ins Unperfekthaus. „Meine Idee ist es, nicht nur die Vielfalt des Ruhrgebiets widerzuspiegeln, sondern zu einem neuen Gesicht dieser Region beizutragen.“

Grenzen überschreiten

Nebenbei etabliert Kalbitzer die Partyreihe „Helden Nächte“, die jeden Samstag in der Heldenbar des Grillo Theaters stattfindet. Zunehmend wird er auch in den Nachbarstädten aktiv. Kalbitzer überschreitet die Grenzen zwischen Genres und Spielorten, indem er an Produktionen im Ebertbad Oberhausen oder an der Freilichtbühne Mülheim arbeitet. Ab 2009 ist Kalbitzer an der Planung des Traumzeit Festivals in Duisburg beteiligt und seit letztem Jahr an der Neupositionierung der Zeche Carl in Essen.

„Man muss hier vor Ort Netzwerkstrukturen etablieren und die nachwachsende Generation der Kreativschaffenden einbinden, um Kulturarbeit zukunftsfähig zu gestalten.“

Toni Kappa

kulturzentrale.de

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