Musik ist Geschmackssache: Die Rogers im Interview

Wir sprachen mit Sänger Chri (2 v.l.) | Foto: Kay Özdemir

Die Rogers sind Düsseldorfs Punk-Lokalmatadoren der neuen Generation. Ihr Album „Augen auf“ erschien im September. Wir sprachen mit Sänger Chri über Inspiration, Erwartungen und die Anfänge der Band.

Wie habt ihr euch gefunden?
Nico, Artur und ich kennen uns schon seit Schulzeiten Dom haben wir vor vielen Jahren auf einem kleinen Gartenfestival in Düsseldorf kennengelernt. Damals hat er noch in einer Metal-Band gespielt. Als vor ein paar Jahren unser ehemaliger Schlagzeuger ausgestiegen ist, hat es sich wie eine himmlische Fügung zusammengetragen, dass Dom, zurück aus Osnabrück, wo er Musik studiert hat, nach Düsseldorf gezogen ist und seitdem mit uns die Bühnen unsicher macht. 

Wie seid ihr als Band strukturiert?
Nico ist bei uns der Mann der Zahlen. Wir anderen werden davon nur Gaga in der Birne. Kreativer Output kommt aber von jedem von uns.

Was sind eure musikalischen Backgrounds?
Bei jedem tatsächlich sehr unterschiedlich. Während Nico und Artur im Tourbus mal wieder die neue Rihanna-Single abfeiern, verstecke ich mich mal gerne mit meinen Kopfhörern in der letzten Reihe. Aber grundsätzlich hören wir alles gerne. Auf Tour gibt es auf jeden Fall immer emotionsgeladene Busrezensionen. 

Foto: People Like You Records / Sony

Wie entsteht eure Musik?
Beides nach keinem Rezept. Mal kommt der eine mit einer Melodie, mal der andere mit einer Textzeile, mal jemand mit einem fast fertigen Song, mal bringt einer Bier mit, dann machen wir gar nichts... Am Ende geben wir alle aber alle doch noch unseren Senf dazu. 

Was ist anders am neuen Album?
Es ist eine Schippe direkter. Vielleicht findet man sich als Zuhörer auch öfter wieder als bei unseren ersten beiden Alben. Hier und dort ist es erzählerischer. Wir wollten weniger durch die Blume sagen und Sachen die uns ankotzen, bewegen, berühren einfach aussprechen. Wir haben auch vom Sound her versucht, noch konkreter zu werden.

Worum geht es? Was war eure Inspiration?
Die Inspiration ist eigentlich die gleiche geblieben wie bei den letzten Alben – nur dieses Mal betitelt. 'Augen auf', verschließe dich nicht vor dem Schlechtem und vor dem Schönem in der Welt, genieße das Leben. Aber überlege auch, was du damit anstellen willst. 

Gibt es einen oder mehr Songs, die ganz neu für euch sind? Sound- oder Textmäßig?
Wir haben hier und dort sicherlich mal für uns ganz untypische Sounds ausprobiert. Im Endeffekt fühlt sich die ganze Platte natürlich erst mal neu an. Aber auch direkt vertraut – und das war uns das wichtigste am Ende. 

Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet? 
So ganz genau eingrenzen kann man so eine Zeit nie, zumindest nicht bei uns. Ich für meinen Teil schreibe immer dann, wenn ich das Gefühl habe, schreiben zu müssen. Ganz egal, was am Ende dabei rumkommt. Bei dieser Platte hat unser lieber Nico, der dank eines gebrochenen Fußes zu Hause gefesselt war, super viel Output rausgehauen. Im Endeffekt läuft das Schreiben neuer Songs aber immer neben dem was sonst anfällt. Leider können wir es uns noch nicht leisten, uns wie die ganz Großen einfach mal ein halbes Jahr frei zu nehmen und zusammen zu schreiben. 

Gab es schwierige Phasen? 
Gab es bestimmt. Haben wir durch den Stress auf Tour bestimmt nur nicht gemerkt. Oftmals ist es schwierig, die Zeit und die Ruhe zu finden zwischen Touren, „normaler Arbeit“ und Bandalltag, seine Gefühle in Worte zu fassen. Aber diese Arbeitsweisen ändern sich bei uns auch stetig von Platte zu Platte, und ich bin schon jetzt sehr gespannt, wie es bei der nächsten wird. 

Ist das Album sehr persönlich?
Es spiegelt definitiv unserer persönliche Art und Sicht auf die Dinge. Was das ganze tatsächlich sehr persönlich macht, ist, dass wir für das Booklet viele Bilder unserer Familien und geliebten Menschen zusammengestellt haben. Die werden nun für immer diese schöne Platte zieren. Das findet selbst die Oma toll!

Habt ihr einen Lieblingssong?
Ich möchte dem Zuhörer hier ungern das Hören des Albums vorwegnehmen, weil jeder Song so seine eigene Geschichte erzählt. Vielleicht werden sich einige auch wieder finden. Ich selbst finde mich in sehr vielen Liedern wieder und mir schießen direkt Situationen und Momente durch den Schädel, an die ich lange nicht mehr gedacht habe. Das ganze Album ruft Erinnerungen wach, an Jugend- oder WG-Tage. Es gibt aber auch Stellen, an denen interpretiert wird, was zum Beispiel unser Großeltern in und nach den Kriegsjahren erlebt haben könnten oder wirklich durchlebt haben. Einen konkreten Lieblingssong habe ich deshalb nicht, wobei mir 'Früher' doch auch während des Aufnehmens im Studio Gänsehaut bereitet hat. Ich hätte nie gedacht, dass wir nach so viel Geknüppel mal so einen schönen Track machen.

Foto: Kay Özdemir

Welche Reaktionen wünscht ihr euch? Welche erwartet ihr?
Also ich hab den Rolls Royce bestellt, und ich habe noch nicht mal einen Führerschein. Lasst mich jetzt nicht im Stich. Unterscheidet sich das neue Album sehr von euren alten Sachen?  Ich weiß nicht, ob es sich sehr unterscheidet, aber sicherlich unterscheidet es sich. Unsere Alben waren und werden immer Momentaufnahmen sein von dem, was in der Zeit des Schreibens und der Produktion in unsern Leben und unserer Umwelt passiert. All das hat Einfluss darauf, wie es am Ende klingt. Ich denke aber dass wir uns zum größten Teil musikalisch treu geblieben sind. Schließlich ist schnell Fahren doch immer noch unser liebstes Hobby. Denkt ihr an so etwas beim Schreiben? Wie es ankommt bei euren Fans? Nein, tatsächlich nicht. In allererster Linie schreiben wir immer noch Musik, so wie wir sie gerne spielen und hören. Musik ist nun mal Geschmackssache. Da findet jemand, dass dieser eine Song sein ganzes Leben ist, während wiederum ein anderer den Track als erstes in die Tonne treten würde. Ich finde, da ist es wichtig, einfach bei mir und uns zu bleiben. 

Juckt es euch,  wenn ihr hört, dass ihr euch „verändert“ habt?
Es ist immer Frage, wer das sagt. Und vor allem zu was. Ich finde es nicht dramatisch, wenn jemandem ein einzelnes Lied von unserer neuen Platte nicht gefällt. Würde allerdings ein alter Freund zu mir sagen, dass ich mich persönlich verändert habe, dann hoffe ich nur zum Guten. Mir ist es schon wichtig, dass alle da draußen wissen, dass wir auch nur mit Wasser kochen. 

Habt ihr einen Lieblingsort in Düsseldorf? Warum?
Mein Lieblingsort in Düsseldorf ist unser Studio. Am Rhein liegend kann ich hier die Seele baumeln lassen, es ist ein Ort kreativen Schaffens in vielen Facetten und ich erfreue mich jedes Mal dort nach einer Tour wieder anzukommen. 

Was sind die Pläne für die Zukunft?
Erstmal ein Nickerchen. Ist jetzt auch schon spät! Vielen Dank für das Interview und auf bald!

Zur Rezension "Augen auf"

Rogers „Augen auf“: VÖ: 8.9. – People Like You Records / Sony

Rogers „Augen auf“

Rogers „Augen auf“Düsseldorfs very own Punk-Lokalmatadoren legen nach: „Nichts zu verlieren“ war der Titel des letzten Albums. „Augen auf“ heißt der Nachfolger. Die Richtung wird klar: Sei laut, sei geradeheraus, sag, was dir nicht passt und kommentiere, was um dich herum passiert. Und das machen die vier Jungs. Mit klaren Worten, die beim zweiten Hinhören durchaus poetisch sind, lauten Gitarren [mehr...]


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