Dagewesen: The Notwist in Düsseldorf

Notwist rockten beim Lieblingsplatte Festival. | Foto: Inga Pöting

Das Düsseldorfer Lieblingsplatte Festival will das Album als Kunstform in Zeiten von Spotify und Co. wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. Dazu haben die Veranstalter Bands ausgesucht, von denen man entweder so richtig Fan ist oder gar nicht. Im Fall von The Notwist und ihrem Meisterwerk „Neon Golden“ ist das Experiment am Montagabend mehr als gelungen.

Wenn ein starkes Konzert euphorisieren kann wie ein guter One-Night-Stand, dann ist die Live-Version eines Lieblingsalbums die großartige Langzeitbeziehung. Beim Konzert von The Notwist am 12.12. im Düsseldorfer zakk hatte das Publikum jedenfalls so richtig Bock, genau das zu bekommen, was es erwartet.

„Hallo, wir sind The Notwist. Das wisst ihr wahrscheinlich schon“ – Jubel in der Halle. „Was wir spielen, wisst ihr auch schon“ – noch mehr Jubel. „Aber wir ändern die Reihenfolge“ – Buh-Rufe. Und ein spitzbübisches Grinsen auf dem Gesicht von Sänger Markus, der wie der Rest der Band – schlecht frisiert und im Schlabber-T-Shirt – aussieht, wie gerade aus dem Proberaum gefallen.

Aber die Jungs aus Weilheim in Oberbayern sind keine Unmenschen und geben der Meute dann doch, was sie will. Schön sortiert, so wie der Deal es vorsieht, spielen sie ihr beinahe 15 Jahre altes Album vom ersten bis zum letzten Ton, bleiben dabei ruhig und gelassen. Das Album gehört im Pop-Universum zu den verkopfteren Vertretern. Und wird vom Publikum gerade deshalb heiß und innig geliebt. Die Energie im Zuschauerraum scheint zuweilen fast größer als die auf der Bühne. So viel Begeisterung für die Songs ist bei einem beinahe überraschungsfreien Konzert folgerichtig und trotzdem bei jedem Break eine Freude. So richtige Pausen gibt es auf dem Album nicht, also ist auch kein Platz zum Reden. Dafür für ausufernde Soli und am Ende noch ein Mini-Best-of der anderen Alben.

Nach knapp zwei Stunden ist Schluss, das können The Notwist durchaus auch anders. Aber der Rahmen ist gesetzt, und man will ihn nicht sprengen. Das ist gut so, das ausverkaufte zakk leert sich am Ende so friedlich, als wäre nicht Montagabend und noch eine Rückfahrt anzutreten vor dem Rest der Arbeitswoche. Eine kleine Auszeit für die Kunst – das sollen Konzerte sein, und dennoch klappt es selten so gut.

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