Turbostaat: Fernab der Profitgier

Die erste Turbostaat-Probe fand vor fast 15 Jahren statt. Seitdem geht das Quintett aus Schleswig-Holstein mit seinem schroffen Punkrock-Verständnis konsequent seinen Weg. Dieses Jahr veröffentlichte die Band ihr fünftes Studio-Album „Stadt der Angst“ auf dem kleinen Hamburger Label Clouds Hill und landete damit in den Charts auf einem sensationellen 17. Platz.

Teil dieser Band zu sein ist für Bassmann Tobert Knopp ganz selbsverständlich: „Man macht einfach, was man tut“, sagt er ungekünstelt und selbstbewusst. Zwar reicht es mittlerweile, den Lebensunterhalt für alle fünf Musiker damit zu finanzieren, aber es gibt beim Thema Broterwerb auch noch Nebenschauplätze: „Unser Drummer Peter hat einen kleinen Busverleih; Bands wie Herrenmagazin“, sagt der Selfmade-Man, „gehören zu seinen Kunden. Ich selber kümmere mich viel um interne Organisation und ums Band-Merchandising.“ Und natürlich gehört es für Turbostaat zum Tagesgeschäft, sich auch manchmal zu grämen: „So etwas wie einen Record-Store-Day zu organisieren, ist ja vom Prinzip her eine tolle Idee, um die Leute in die Läden zu locken. Wir haben für so eine Aktion mal eine Split-EP mit den Beatsteaks aufgenommen. Nur wenn ich dann höre, dass diese wenig später für 45 Euro bei ebay gehandelt wird, ärgert mich das schon ziemlich maßlos. Das ist Geschäftemacherei aus reiner Profitgier.“

Ihre Weggefährten Muff Potter lösten sich nach 16 Jahren Bandgeschichte im Jahr 2009 auf. „So etwas“, sagt er, „kann ich mir für Turbostaat nicht vorstellen. Vielleicht machen wir mal weniger, aber eine mittelmäßige Beamten-Laufbahn kommt für mich als Job nicht in Frage.“

Ein Mann, eine Meinung – so einfach, stoisch und klar, wie die berühmten drei Akkorde. Tobert redet gern Klartext: „Wenn der Staat nun verbietet, dass ein Bürger an einem öffentlichen Platz in Stuttgart sein Bier nicht mehr trinken darf, ist das ja noch was anderes, als wenn in einem Autonomen Jugendzentrum verboten wird, dass eine Band mit freiem Oberkörper auftritt.“ Das ist der Band Feine Sahne Fischfilet kürzlich bei einem Konzert im AJZ Bielefeld passiert. „Eine super Band“, kommentiert der tätowierte Rocker, „gerade ihr Engagement, sich immer wieder neu für antifaschistische Aktionen einzusetzen, davor kann ich nur meinen Hut ziehen.“

Viele Konzerte zu spielen steht für die Band aus dem Raum Flensburg nach wie vor auf der Tagesordnung. „Aber wenn wir nun kurzfristig eine Anfrage bekommen, ob wir jetzt meinetwegen morgen spontan spielen könnten, ist das nicht so leicht umsetzbar, weil die einzelnen Bandmitglieder mittlerweile insgesamt zehn Kinder haben. Da brauchen wir meist schon eine längerfristige Planung.“

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