14 mal 11 macht glückliche 14.800

Seeed | Rocket & Wink

Seeed in der Lanxess Arena

Endlich ist es soweit: Seeed, die Berliner Dancehall/Reggae-Band ist wieder da! Ganze sieben Jahre sind seit der letzen Platte NEXT! vergangen, doch seit September steht endlich der Nachfolger in den Plattenläden. SEEED haben die elf Musiker ihr viertes Album genannt und die dazugehörige Tour gleich auch. Diese streifte auch die rheinische Domstadt und so konnten sich 14.800 Fans in der Kölner Lanxess-Arena auf das rein männliche Ensemble freuen.

Vorab gab sich Theophilus London aus New York die Ehre. Zusammen mit einem Bassisten, einem zweiten Sänger und zwei DJs eroberte der ursprünglich aus Trinidad stammende erst 25-jährige Musiker das sich nach und nach für ihn erwärmende Kölner Publikum. Dabei performte er die Songs seines Debut-Albums TIMEZ ARE WEIRD THESE DAYS größtenteils hüpfend und erfreute die Ohren mit einer Mischung aus Rap, Hip-Hop, Pop, Soul und R’n’B, unterlegt mit Elektrosounds. Dabei glänzten nicht nur die goldenen Michael Jackson-Gedächtnishandschuhe, sondern auch der recht schnell blankgezogene Oberkörper des Bassisten und Tänzers. Wir tauften ihn „klein, aber oho“. Nach 35 Minuten Gangster-Remmidemmi ging kurzzeitig das Licht wieder an, Eis-, Sekt- und Bierverkäufer drehten ihre Runden durch die ausverkauften Ränge, bis sich um 21:06 Uhr Unruhe breit machte. Seeed schienen es zu spüren, denn ehe man es sich versah, ging das Licht wieder aus, die Bauchladenverkäufer verschwanden im Nichts und der Vorhang gab den Blick auf die Bühne frei.

Vierzehn Jahre nach Bandgründung standen die elf Musiker der Berliner Dancehall-Gruppe in glänzenden schwarzen Anzügen und mit den obligatorischen weißen Frotteehandtüchern vor 14.800 tanzenden Fans von Mitte 20 bis Mitte 50. Nachdem alle drei MCs sich in den letzten Jahren Soloprojekten gewidmet hatten, haben Eased alias Frank A. Dellé, Ear alias Damba Nabe und Enuff alias Pierre Baigorry alias Peter Fox wieder mit Alfi, dem jamaikanischen Percussionisten, 4 Bläsern, einem DJ, einem Keyboarder, einem Drummer, einem Gitarristen und einem Bassisten zusammengefunden.

Was folgte war eine Bassganzkörpermassage, zwischenzeitlich geriet das Konzert zur Echtzeit-Belastungsprobe für die Tribünen. Denn der Speck wurde ausgiebig geschüttelt und so vibrierten sogar die Stahlkonstruktionen zu den basslastigen Songs aller vier Alben. Gestartet wurde mit einem der ersten Lieder der Band, mit einem der aktuellsten Songs verabschiedete man sich vom Publikum und zwischendrin gab es auch immer wieder Songs aus Peter Fox‘ Soloprojekt, das mit Abstand das erfolgreichste der drei MC-Einzelprojekte war.

Die Bühne wirkte gemütlich, die Band gut gelaunt und so wurde das Publikum im Sturm erobert. Während sich Theophilus London das Publikum Stück für Stück erobern musste, sah man bei Seeed eher einen umgekehrten Effekt: Für die Band ist es nichts Neues, vor ausverkauften Hallen aufzutreten und nach dem Auftritt bei der Eröffnung der Fußball-WM 2006 vor ca. 1,5 Milliarden Menschen, kann die Berliner wahrscheinlich nichts mehr so schnell aus den Latschen hauen. Allerdings spürte man im Verlauf des Auftritts, dass die Band immer mehr Gefallen am Publikum fand und so wurde aus dem Abend eine perfekte Party. Seeed haben wieder mal alles richtig gemacht, haben sich musikalisch weiterentwickelt und sind sich dennoch treu geblieben. Selbst ihre coolen Dancemoves (entwickelt von der multitalentierten Oceana) haben sie nicht verloren. Auch wenn diese wenig abwechslungsreich anmuteten, es sah super aus und sie schüttelten wenigstens selbst ihren Speck, während sie darüber sangen und das Publikum dazu aufforderten. Mit einer unverkrampften Mischung aus Reggae, Ska, Dub, Hip-Hop und Dancehall machten sie dem Publikum bis kurz nach 23 Uhr Feuer unterm Hintern, kürten zwischendurch noch die Kölner Dancing-Queen (die eigentlich aus Gelsenkirchen kam) und im Fazit kann man es mit den Fanstatischen Vier halten: „Sie sehen Klasse aus, die Masse rastet aus.“ Denn es hielt wirklich keinen einzigen Zuschauer auf seinem Platz.

Bassmassiert und mit wackligen Schienbeinen machten wir uns nach einem sehr abwechslungsreichen Abend auf dem Weg in die Kölner Nachtluft, nicht ohne über Peter Fox‘ letzten Satz nachzudenken, indem er riet: „Unterschreibt keine komischen Bausparverträge.“ Werden wir nicht. Danke, Peter.

Setlist

Instrumental Intro 

Dancehall Caballeros 

She Got Me Twisted 

Schwinger 

Waterpumpee 

Molotov 

Grosshirn 

Respectness 

Waste My Time 

Deine Zeit 

Release 

Alles Neu (Peter Fox-Cover) (Seeed Remix / Original Mix)

Dickes B (Paper Planes by M.I.A. Remix /… more)

Lovelee 

Walk Upright 

Music Monks 

Augenbling 

Seeeds Haus 

Schwarz zu Blau (Peter Fox-Cover)

Latinos In Paris (Pitbull-Cover)

Aufstehn 

 

Zugaben:

Beautiful 

Elephants 

Schüttel dein Speck (Peter Fox-Cover)

Ding 

Augenbling (Remix)

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