Kraftklub: Schüchterne Rampensau auf Crowdsurfing-Kurs

Kraftklub in der Westfalenhalle | Foto: Irmine Estermann

9000 Menschen voll in der Hand und dabei irgendwie nahbar und sympathisch: Kraftklub-Frontmann Felix Brummer hat es echt raus, auf dieser feinen Linie zwischen Rampensau im Scheinwerferlicht und dem netten Nachbarsjungen, den man darum bittet, doch die Blumen während des Urlaubs zu gießen, zu wandeln. Kraftklub waren am Samstag in der Westfalenhalle. Keine Nacht für Niemand – heißt die neue Platte. Beim Auftritt im Ruhrpott also keine Nacht für Dortmund am Samstag.

Verbindungen zum Pott haben die Kraftklub-Männer einige: In Dortmund hatten Sie 2014 den ersten großen Hallenauftritt beim Visionsgeburtstag und genauso wie in ihrer Heimat Chemnitz macht sich im Ruhrgebiet rechtes Gedankengut breiter als es vielen lieb sein kann. Das stellt Felix immer wieder klar während des Auftritts, die Fans skandieren zur Antwort „Nazis raus“. Man ist sich also einig. Das Dortmunder Publikum hat aber noch mehr drauf. Eigenständig kommen die Fans beim Rap zu „Keine Nacht für Niemand“ bis zur Bridge. „In keiner Stadt kamen die Leute nur ansatzweise so weit“, beteuert Felix und bedankt sich nach drei Stunden Konzert nochmal für so viel gelebte Fantreue.

Bühnenüberraschung mit Überraschungsbühne | Foto: Irmine Estermann

Überraschungsbühne

Ansonsten liefern Kraftklub absolut das, was sich ein Konzertgänger von ihnen verspricht, eine druckvolle, humorvolle, lebendige und irgendwie nahe Show mit Hits von allen drei Alben und einem Crowdsurfing-Contest, den ausnahmsweise Sänger Felix und nicht Gitarrist Steffen Israel gewinnt. Crowdsurfing ist übrigens in dem Moment die eleganteste Möglichkeit, um wieder zurück auf die Bühne zu kommen. Denn im letzten Drittel überraschen Kraftklub mit einer zweiten kleinen Bühne mitten in der Halle, die mehrere Meter hochfährt. Von dort aus gibt es unter anderem drei Schüsse in die Luft. Eine runde Sache das Ganze.

Das gilt übrigens auch für die Auswahl der Vorband: Von wegen Liesbeth sind in Dortmund nun wirklich keine Unbekannten mehr – und gerne gesehene Gäste unter anderem im FZW. Die Kraftklub-Fans feiern das kleine Best-of ihrer Lieder ehrlich mit. Irgendwie sind sie schon zu groß für eine Vorband, findet auch Kraftklub-Sänger Felix. Zur Hauptshow kommen die Berliner – so will es die Tradition – nochmal auf die Bühne, um einen Song zu covern. „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten – etwas viel Passenderes zum Grundtenor des Abends hätten man nicht wählen können. Irmine Estermann

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