Bukahara: Offen und multikulturell

| Foto: Presse/Bukahara

Seit vielen Jahren erspielt sich das Kölner Kollektiv Bukahara die Herzen ihrer Fans. Ihr Sound ist ein wildes Gemenge von unzähligen Einflüssen wie Folk, Weltmusik und Jazz. Im November sind sie wieder auf Tour. Peter Hesse befragte Sänger Soufian Zoghlami über Straßenmusik, das Leben auf Tour und unterschiedliche kulturelle Einflüsse.

Gibt man bei Google die Buchstabenfolge „buk“ ein, so ist Bukahara der dritte Treffer nach Bukarest und dem Bukowski. Ist das nicht irre?

In der Tat, das wusste ich gar nicht...

Mit Straßenmusik habt ihr angefangen, warum ist diese Art der Darbietung für euch so attraktiv?

Wenn du irgendwo hingehst zum Spielen, so bist du von Anfang an diesem Ort eingebunden. Du bist direkt involviert. Je mehr Power und Energie du dann in deinen Vortrag legst, desto mehr merkst du, wie toll das ist, wenn die Leute stehen bleiben und dir zuhören. Du stellst dich ohne Verstärker vor ein Publikum, das ja vorbeigeht. Wenn du später auf großen Bühnen spielst, merkst du, wie gut und auch hart diese Schule war. Ich habe erst viel später begriffen, was ich dabei genau gelernt habe.

Ihr werdet oft mit der Bezeichnung Balkan-Folk in Verbindung gebracht, dabei habt ihr mehr zu bieten. Sind solche Etikettierungen hinderlich?

Die Idee, unsere Musik mit irgendwelchen Labels zu versehen, ist an sich schon mal zum Scheitern verurteilt. Wenn es darum geht unsere Musik zu beschreiben, stellt sich auch die Frage, was genau denn Balkan-Folk sein soll. Das ist eine Kombination, die es gar nicht gibt. Wenn man genau sein wollte, müsste man alle Stile aufzählen, die wir vereinen. Aber meistens geht es ja nur darum, den Leuten Lust zu machen, das zu hören oder ein Bild anzubieten. Und da ist dann meistens Balkan-Folk, Reggae und Jazz als Beschreibung mit dabei – damit die Leute ungefähr wissen, was sie erwartet, wenn sie ein Konzert von uns besuchen.

2017 habt ihr über 70 Konzerte gespielt. Wie schafft man es auf langer Strecke, sich nicht gegenseitig den letzten Nerv zu rauben?

Im Laufe der Jahre haben wir gelernt, damit umzugehen. Mittlerweile ist es auch nicht mehr so wie früher, dass wir die ganze Zeit auf einem Haufen rumhängen. Auf einer langen Tour macht es echt Sinn, dass jeder ein Einzelzimmer im Hotel bekommt. Wenn einer mal einen Durchhänger hat, dann kann er sich zurückziehen, die Tür schließen und ist dann einfach mal für sich. Wenn man seine Zeit braucht, dann kann man sich die auch nehmen.

Ihr seid als Band sehr autark organisiert, wie verträgt sich das mit eurem Privatleben?

Wir haben seit Anfang des Jahres eine Booking-Agentur, die sich um unsere Konzerte kümmert, sonst wäre das auf Dauer auch zu viel gewesen. Bukahara ist mittlerweile unser Hauptjob, 2016 waren wir zum Beispiel Dreiviertel des Jahres unterwegs und dazwischen haben wir noch ein Album aufgenommen. Im Winter machen wir meist immer eine Pause – und in der Zeit macht dann jeder von uns seine eigenen Projekte.

Ihr habt alle vier einen unterschiedlichen Kulturbackground, du bist Halbtunesier und euer Bassmann Ahmed kommt aus Palästina. Wie funktioniert das innerhalb der Musik?

Als wir uns kennengelernt haben, war es komplett irrelevant wer welche Geschichte hat. In einer musikalischen Gruppe ist es natürlich ein großer Zugewinn, das jeder das mit einbringen kann, was die anderen noch nie gehört haben. Das ist ein großer Fundus, sodass wir unseren Sound mit ganz vielen Einflüssen speisen können – gerade, weil wir ja alle sehr unterschiedlich aufgewachsen sind. Das ist spannend und auch etwas sehr Schönes.

Welche Musik bevorzugt ihr denn, wenn ihr euch privat mal eine Platte auflegt?

Wir haben alle Jazz studiert und dementsprechend haben wir da auch viele Sachen gehört. Ahmed hat sich früher viel mit arabischer Musik beschäftigt, ich habe eine Menge Folk gehört. Außerdem Soul, wie Otis Redding oder James Brown. Eine Lieblingsband, die mich seit Jahren begleitet, habe ich nicht. Wichtig finde ich den Groove, der muss dich sofort anspringen. Ich selber höre aktuell ganz wenig Musik und wenn wir im Tourbus sind, läuft da eigentlich auch nie was im Hintergrund. Ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht, was die anderen derzeit hören. Früher war mir das ganz wichtig, aber seit längerer Zeit spielt das bei mir keine große Rolle mehr – und innerhalb der Band auch nicht.

Advertorial

Am Freitag, 01.12.2017, wird Bruno Müller, einer der zurzeit international gefragtesten Soul- und Jazz-Gitarristen, mit seiner eigenen Band im Glashaus Herten gastieren.

Das Konzert beginnt um 20 Uhr, Einlass ist 19.30 Uhr. Tickets gibt es zum Vorverkaufspreis von 20 € direkt im Glashaus Herten, Hermannstr. 16, 45699 Herten, Tel. 02366-303232, oder per Mail unter 

feicki@t-online.de. Der Preis an der Abendkasse beträgt 24 €. [MEHR…]

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