Klang-Therapie: Approximation Festival

Paulo Mesquita | Foto: Approximation Festival

Das Klavier ist vielen lediglich als frühkindliches Folterinstrument bekannt. Wurden doch nicht wenige von den lieben Eltern dazu angehalten, jede Woche brav zum Musikunterricht zu tapern anstatt draußen zu spielen. Wer dieses Trauma überwunden und trotzdem am Ball geblieben ist, assoziiert sicher vor allem klassische Musik mit dem Tasteninstrument. Das Approximation Festival, 2005 von Pianist Volker Bertelsmann alias Hauschka ins Leben gerufen, will aufräumen mit den gängigen Klischees und das Piano in neuem Licht erscheinen lassen.

Zum mittlerweile zwölften Mal hat Bertelsmann Kollegen aus der Zunft in seine Heimatstadt geladen, damit diese ihren Zugang zur Klaviermusik mit dem Düsseldorfer Publikum teilen. Schon die Lokalitäten, an denen das Festival stattfindet, lassen durchscheinen, dass Bach und Mozart (zumindest in ihrer ursprünglichen Form) wohl nicht gegeben werden. Die Kunsthalle und der Salon des Amateurs öffnen ihre Pforten. Am 24. und 25. November ziehen dort die Künstler ein und verbreiten Saiten-Magie.

Joep Beving | Foto: Rahi Rezvani

 

Eingeladen hat Hauschka in diesem Jahr zum Beispiel Joep Beving, der für seine sinnlich-verstörenden Filmmusiken bekannt ist. Der in Holland geborene Musiker und Komponist hat einen eigenen Klang-Kosmos geschaffen, in dem er Minimal-Music mit klassischen Tönen vermischt. Fast befremdlich mutet es an, wenn er minutenlang auf demselben Ton stehenbleibt, dann abrupt das Tempo wechselt und versucht, die Gegenwart klanglich abzubilden.

Douglas Dare | Foto: Ozge Cone

Stimme und Piano sind eine so simple wie natürliche Symbiose: Auch diese Facette wird beim Approximation-Festival nicht vorenthalten. Douglas Dare beherrscht diese mit britischem Understatement. Seine Musik klingt nach Weite, fast nordisch. Spärlich und doch voller Energie. Dazu immer der kraftvolle Beat des Klavieres, der alle Songs unterlegt.

Noch ein bisschen abgefahrener interpretiert Paulo Mesquita seine Beziehung zum Klavier: Nachdem er sich, nach einer langen Karriere als klassischer Pianist, sehr viel mit dem "Außen" seines Instrumentes befasst hat, erkundet er nun das Innere: Die Saiten, die Hämmer, das Holz. Entlockt dem Klänge, die man als Normalsterblicher einem Klavier nicht zugetraut hätte.

Aber auch die anderen Künstler und Ensembles, die in diesem Jahr das Line-Up des Festivals bilden, werfen neues Licht auf das Tasteninstrument - und vielleicht wird ja der ein oder andere Klavier-Traumatisierte mit diesem wirklich vielseitigen und wunderschönen Instrument wieder versöhnt.

Approximation Festival: 24. /25.11., Kunsthalle und Salon des Amateurs, Düsseldorf

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