Nick Cave: Damals in Berlin

| Foto: Bleddyn Butcher

Im Februar dieses Jahres erschien mit „Push The Sky Away“ das 15. Studio-Album von Nick Cave & The Bad Seeds. In über dreißig Jahren Bandgeschichte war es gleichzeitig das erste, das in seinem Heimatland den ersten Platz der australischen Charts enterte. Für Cave selber ist das keine große Sache: „Ich bin ein Spätzünder“, sagt er lässig.

Seit Johnny Cash „The Mercy Seat“ oder Metallica „L.o.v.e.r.m.a.n.“ von Cave gecovert haben, ist das Bad-Seeds-Œuvre auch für Musikliebhaber aus anderen Bereichen greifbar geworden. „Jeder Song beginnt ja mit einer Idee“, so Cave, „manchmal ist diese gut, manchmal muss sie erst noch reifen. Aber aus meiner Perspektive kann ich einfach nur sagen, dass ich verdammt viele Leute kenne, die bessere Ideen haben als ich.“

In den 1980er und 90er Jahren lebte Nick Cave lange Jahre in der deutschen Hauptstadt: „Ich bin immer mal wieder in Berlin, aber inzwischen hat die Stadt keine so große Sogwirkung mehr auf mich.“ Aktuell wird vor allem die gentrifizierte Gegend um den Prenzlauer Berg herum als konservatives Schwabylon beschimpft. Optimale Rahmenbedingungen für Kreative sehen anders aus. „Früher war das anders. Mit Mitte zwanzig kam ich in die geteilte Stadt. Ich hatte kein Geld und wusste auch nicht, welche Richtung ich einschlagen sollte. In unserem Radius gab es tolle Läden und interessante Frauen, wir hatten eine tolle Zeit. Außerdem waren im Gegensatz zu heute nur Deutsche da. Es kamen vor allem Jungs, die nicht von der Bundeswehr eingezogen werden wollten.“

Nick Cave als Drehbuchautor

Nick Cave ist bei sich, er wirkt weder abgehoben, noch pflegt er ein übertriebenes Understatement. Der 56-jährige hat es immer verstanden, sich im richtigen Moment neu zu positionieren, ohne dabei an Profil zu verlieren. Auch neben der Musik findet der Künstler immer wieder Herausforderungen aus allen möglichen Richtungen. Vor vier Jahren beauftragte der Schauspieler Russell Crowe den Songwriter damit, ein Drehbuch für eine Fortsetzung von „Gladiator“ zu schreiben. In der von Cave verfassten Story wird der verstorbene Maximus auf die Erde zurückgesandt, um einen Mann zu töten. Und dieser Mann ist niemand Geringeres als Jesus Christus. Das Drehbuch wurde abgelehnt. Doch das stört das Arbeitstier Cave nicht weiter.

Inzwischen wohnt er mit Frau und seinen vier Söhnen in London, wo er sich ein Büro eingerichtet hat. Täglich sitzt er dort acht Stunden am Schreibtisch und brütet neue Ideen aus: „Ich glaube nicht an den magischen Moment, der sich in dein Bewusstsein setzt und dann da ist. Das passiert nicht. Ich muss mir meine Einfälle erarbeiten, und da ist nicht immer jede Ausführung sofort ein Treffer.“

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