Musik in den Häusern der Stadt

Gute Nacht, MarieMarie

Hier die erhabene Bühne, dort der ergriffene Zuschauer, dazwischen auch noch ein Graben aus Ordnern und Fotografen, der den Star vom Fan trennt. Ein Konzept, das immer mehr aus der Mode kommt: wer was auf sich hält, geht auf kleine, intime Club-Tour. Das Festival Musik in den Häusern der Stadt setzt noch einen drauf und erweitert die Vorgabe „klein“ um den Zusatz „ungewöhnlich“.

Im letzten Jahr drängten sich etwa 40 Leute in den Kreißsaal des Bochumer Elisabeth Krankenhauses. „Das war sensationell!“, erinnert sich Festivalleiterin Katja Leistenschneider. Auch in diesem Jahr verbreiten wieder ausgesuchte Acts an ebensolchen Orten einzigartige Hausmusik. 16 Konzerte, 11 davon in Bochum, der Rest in Essen und Mülheim an der Ruhr, setzten das Motto „mittendrin statt nur dabei“ in die Tat um. Auf dem Heuboden des ehemaligen Ateliers von H. J. Schlieker bietet das Alexander Gelhausen Trio 40 Zuhörern Jazzimprovisationen. Der Architekt Hans-Peter Anders lädt mit dem Levantino Trio drei hochtalentierte Jazz-Jungspunde ins ehemalige Maschinenhaus in Oberdahlhausen. Und es sind keineswegs nur musikalische Geheimtipps, die den Weg in Wohnzimmer, Lofts oder sogar den Tierpark finden. Alexej Gerassimez, der am 6. November in den Räumen des Teppichdesigners Jan Kath an der Friederikastraße das Festival eröffnet, gilt als der führende Schlagzeugsolist seiner Generation. Etta Scollo, „die Stimme Siziliens, tauscht am 10. November die große Bühne gegen eine Bank (GLS) ein. Und die Besucher sind nicht nur das applausspendende Element, sondern Teil des Ganzen. „Es herrscht einfach überall eine tolle Atmosphäre“, erzählt die Leiterin. „Am Anfang zögern die Leute, wissen nicht, wo sie ihre Getränke bezahlen sollen.“ Doch gerade der Salongedanke des intimen Miteinanders liegt dem Initiator Kunstsalon e.V. zugrunde: „Alle sind eingeladen und werden bewirtet“, so Katja Leistenschneider, „und alle fühlen sich am Ende beschenkt“.

Und wenn die Organisatorin den Besuchern des Konzerts der Electro-Pop-Harfen-Zauberin MarieMarie, die am 8. November im eher kühlen Lager des Veranstaltungstechnikers Hauke Hartmann persönlich per Mail den Rat „Zieht Euch warm an!“ gibt, dann ist das durchaus doppeldeutig zu verstehen.

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