Amanda Palmer live in Köln: Hell Fuckin Yeah!

Amanda Palmer live schafft es den Begriff der Künstlerin vollends mit Leben zu füllen. Sie ist nicht einfach eine starke Sängerin, eine Meisterin der Performance, eine außergewöhnliche Liedtexterin oder eine beeindruckende Persönlichkeit, sie ist alles zusammen.

Do you wanna dance? Do you wanna fight? Do you wanna get drunk and stay the night?“ Mit einer eindeutigen Ansage startet Amanda Palmer ihre „Theatre is Evil“ Show im Kölner Gloria Theater. Amanda hat auf jeden Fall Lust: Getanzt hat sie bereits wenige Minuten zuvor, gemeinsam mit Vorband Nr. 2 „Die Roten Punkte,“ beim eigenen Eröffnungssong springt Amanda mitten in die Menge und tanzt mit den Fans, es wird nicht das letzte Mal sein. Und auch das Publikum hat Lust, die ersten tanzen schon mit Vorband Nr.1 „Perhaps Contraption,“ einem acht-köpfigen, Punk-Spielmannszug, der sich gleich mitten im Publikum platzierte und für den Vera Kaiser vermutlich den Begriff „Blasmusikpop“ erfunden hat. „Die Roten Punkte“ hielten die Mehrheit mit ihrer Mischung aus The White-Stripes, Variete und Stand-Up-Comedy ebenfalls in Bewegung. Als Amanda schließlich die Bühne errannte, brauchte es jedoch nicht mal mehr ein Fingerschnipsen, „do you wanna dance?“ Definitely yes!

Do you wanna drink?

Um die Trinkfreudigkeit eines deutschen Publikums muss man sich ja bekanntlich keine Sorgen machen, auch die Frau des Abends trug modisch-bewusst in regelmäßigen Abständen die Kölsch-Flasche am Mund. „Als ich 21 war habe ich in Köln ein Praktikum gemacht, ich habe viel Kölsch getrunken, it was a fucked up time,“ erzählt sie in fast akzentfreiem deutsch bis sie zu Nenas „99 Luftballons“ ansetzt. Der Abend ist eine kleine Reise durch die Musikgeschichte. Jherek Bischoff, der auch Teil des Grand Theft Orchestras ist, präsentierte in einer Solo-Performance eine Hardrock Version eines Konono No1 Songs auf dem E-Bass, Amanda spielte neben Nena noch Nirvana und, mit einem besonderen Gruß an den gerade verstorbenen Inspirator, „Walk on the Wild Side“ von Lou Reed. Keines der Cover ging daneben, im Gegenteil. Bei „99 Luftballons“ wird deutlich, Amanda Palmer funktioniert selbst dann, wenn sie ihre eigentlich so charakteristische Stimmfarbe raus nimmt und vollends hinter dem Song verschwindet.

do you wana fight?

Die Auswahl der eigenen Songs ist ebenfalls ein Ausflug, einmal zu den Dresden Dolls über „Who Killed Amanda Plamer“ und zurück. Bei „Bottomfeeder“ lässt sich Amanda auf einem großen Tülltuch gebettet über die Menge gleiten. „Missed Me“ wird zu einer 4:50 Minuten langen Mimikshow in der ihr Gesicht sämtliche Ausdrücke von Unschuld bis Wahn annahm – natürlich grotesk und überzeichnet. Als es an die erste Zugabenrunde geht, nimmt Amanda Wünsche aus dem Publikum entgegen, „Runs in the Family“ wird gefordert und gespielt, „The Ukulele Song“ und andere. „The Bed Song hat sich keiner gewünscht, aber ich mag den Song und spiele ihn jetzt, also Fuck you.“ Auch das ist Besonders an diesem Konzert, alles ist sehr familiär. Es gibt keine Berührungsängste zwischen den Musikern und ihren Fans, Amanda erzählt private Geschichten von Depressionen, dem Ärger mit den Medien und den Problemen die aufkommen, wenn man kein Major-Label mehr im Rücken hat. Das Publikum wird direkt angesprochen und Zwischenrufe aufgegriffen. Auch nach dem letzten Song ist mit all dem nicht Schluss. „Perhaps Contraption“ geben ein Ständchen im Flur und Amanda signiert bis spät in die Nacht Platten und verteilt warme Worte. Die Schminke im Gesicht ist längst verlaufen, der Schweiß nur notdürftig abgetrocknet, die Ausstrahlung bleibt.

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