Agnes Obel: Freunde in Berlin

| Foto: Frank Eidel

Mit reduzierter Musikbegleitung legt die in Kopenhagen geborene Musikerin Agnes Obel viel Ausdruckskraft in ihre Stimme. Oft singt sie wie eine verträumte Elfe. Inspiration für ihre Songs findet die 32-Jährige in allen möglichen Musikgenres: „Natürlich mag ich Johnny Cash, das ist gar keine Frage. Seine ganze Lebensgeschichte finde ich absolut faszinierend, gerade die Beziehung zu seiner Frau June.“

Auf ihrem dritten Album „Aventine“ setzt Agnes Obel die Idee von moderner Kammermusik mit Streichersätzen und intensiven Gesangseinlagen konsequent fort. Die melancholischen Piano-Moves sind ein Markenzeichen. „Ich mag einfach den Klang vom Klavier“, sagt sie, „und es ist das Instrument, das ich am besten spielen kann. Es hat aber auch seine Tücken. So kann ein Soundcheck schon mal ewig lange dauern – gerade weil das Piano ein so sensibles Instrument ist.“

Seit ein paar Jahren wohnt die Dänin in Berlin: „Ich finde schon, dass die Stadt eine ganz besondere Aura hat.“ Nicht umsonst ist die ehemalige Mauerstadt der Ort, wo Iggy Pop, David Bowie oder eben Nick Cave lange gelebt haben und hier wichtige Alben produziert haben. „Aber“, so ergänzt Agnes, „jede Stadt hat ein Geheimnis, was man sich erst erschließen muss. Das gilt natürlich auch für Paris, Rom oder Kopenhagen.“ Letztgenannte ist ihre eigentliche Heimat, im Juni hat sie dort an drei Abenden hintereinander im „Königlich Dänischen Theater“ gespielt, einem klassischen Bau, wo sonst eher Schubert oder Shakespeare aufgeführt werden: „Selten erfährt man als Musiker so viel Zuneigung“, sagt sie mit berührter Stimme; man merkt förmlich, wie viel ihr die Konzerte in ihrer Geburtsstadt bedeuten. Und doch: „Ich habe überall Freunde auf der Welt. In Berlin umgeben mich die unterschiedlichsten Nationalitäten: Spanier, Kanadier, Deutsche, Italiener – ein bunter Mix aus verschiedenen Persönlichkeiten.“

Ihre Musik ist sehr getragen und regt gerade live zum Träumen an. „Der Unterschied vom Üben im Proberaum zum Konzert ist ein einfacher: Ich stecke sehr konzentriert in der Musik, doch habe natürlich auch ein Auge auf das, was zwischendrin beim Publikum passiert.“ Bei ihren vielen Konzertreisen durchkreuzen auch schon mal ein paar Widrigkeiten die Tagesplanung: „Touren ist nicht so stressig für die Stimme, aber das lange Sitzen im Flugzeug oder im Bus kann einen schon ganz schön mürbe machen, manchmal ist man richtig erledigt.“

Die Zeit des Reisens überbrückt sie gerne mit Lesen, „manchmal lade ich mir auch Podcasts zu den unterschiedlichsten Themen auf mein Smartphone, das entspannt mich, und außerdem lerne ich dann noch was zu kulturellen oder wissenschaftlichen Themen.“ Besonders freut sich die Pianistin auf ihr Gastspiel im Konzerthaus Dortmund: „Dort hat man wirklich einen exzellenten Sound!“

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